Schwangere Frau

21./22. Schwangerschaftswoche

Mit der 21./22. Schwangerschaftswoche beginnt die zweite Hälfte der Schwangerschaft! Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell die Zeit vergeht. Die Kindesbewegungen dringen mittlerweile deutlich durch die Bauchdecke nach Außen. Euer Partner und die vielleicht werdenden Geschwisterkinder können sich jetzt also auch ebenfalls an den Tritten und Bewegungen eures Babys erfreuen.

Sofern man auf sich Acht gibt und größere Belastungen vermeidet, spricht nichts gegen ausgedehnte Spaziergänge, Ausflüge oder auch Reisen. Es muss ja nicht gleich die Dschungeltour oder die Eiger Nordwand sein!

Euer Körper

Auf einem Blick:

  • Der Schwerpunkt des Oberkörpers verlagert sich immer weiter nach vorne, sodass Verspannungen und Rückenschmerzen öfter auftreten können
  • schweres Tragen und Heben sollte nun vermieden werden
  • die Größe des Bauches hängt von vielen Faktoren ab und ist sehr individuell
  • Beckenbodengymnastik sollte nun jeden Tag für einige Minuten betrieben werden
  • Allmählich kann man anfangen, sich nach einem Geburtsvorbereitungskurs umzusehen
  • Hinter Heißhungerattacken verstecken sich möglicherweise Bedürfnisse des Körpers nach bestimmten Nährstoffen, die ihm fehlen

Ihr bekommt nunmehr die Schwangerschaft in ganz anderen Bereichen zu spüren. Euer Körper arbeitet hart und das merkt ihr. Zu dieser Zeit kann immer häufiger Sodbrennen, also das Aufsteigen von Magensäure, auftreten. Dabei solltet ihr bedenken, dass auch die Wahl der Schlafposition einen Einfluss auf den Grad des Sodbrennens hat. Erfahrungsgemäß hilft das Schlafen auf der linken Seite (bei erhöhtem Oberkörper), die Beschwerden etwas zu lindern und zu entspannen. Gegen das Sodbrennen hilft außerdem konkret auch Ananas, eine Handvoll Mandeln oder ein Glas Milch.

Der Sport, den man auch während der Schwangerschaft betreibt und auch betreiben sollte, darf spätestens jetzt keinen belastenden Charakter mehr im Sinne größerer Anstrengungen haben. Die sportliche Betätigung sollte nun eher gymnastischer Natur sein und dafür sorgen, dass die Muskulatur gekräftigt wird und dass die Durchblutung gut funktioniert. Es gibt viele Übungen, mit denen man das schaffen kann, ohne den Körper dabei zu sehr anzustrengen. Informiert euch doch einfach genauer zu Sport in der Schwangerschaft in unserem Sportartikel zur Schwangerschaft!

Entwicklung des Babys

Auf einem Blick:

  • Euer Baby entwickelt bestimmte Schlafgewohnheiten – achtet einfach mal konkret darauf
  • Das Gehör ist von allen Sinnen am weitesten entwickelt
  • Die Ausscheidungsprodukte des Kindes gelangen durch die Plazenta in den Stoffwechsel der Mutter
  • Die Herzfrequenz eures Babys liegt bei 110 bis 150 Schlägen Pro Minute
  • In der 21./22. Schwangerschaftswoche sind das Herz und der Blutkreislauf des Kindes voll funktionsfähig
  • Ab der 22. SSW verstärkt sich die Ausbildung der lebenswichtigen Fettschichten

Entwicklungsfortschritte

Die Bewegungen eures kleinen Schatzes werden immer zielgerichteter und koordonierter. Außerdem entwickelt es bestimmte Gewohnheiten – ganz vorne mit dabei sind die Schlafgewohnheiten. Süße Information: Beim Schlafen fällt der Kopf eures Babys nach hinten oder wird vorne auf der Brust abgelegt. Einige Kinder falten sogar die Hände unter dem Kinn. Neben dem Koordinationstraining und der Auspräügung von Schlafgewohnheiten, finden aber noch weitere interessante Entwicklungen statt: Das Gehirn gewinnt nämlich an äußerlicher Struktur – übrigens ein Prozess, der erst im Jugendalter abgeschlossen sein wird.
Ebenfalls spannend: Obwohl die Nieren des Kindes inzwischen Urin bilden können, lässt sich im Fruchtwasser nicht viel davon nachweisen. Die meisten Ausscheidungsprodukte wandern durch die Plazenta in den Stoffwechsel der Mutter. Eine wunderbare Lösung!

Das Gehör

Auch die Sinne reifen immer weiter aus. Hierbei ist das Gehör der am weitesten entwickelte Sinn. Euer Baby kann mittlerweile zwischen den Stimmen der Eltern unterscheiden. Da das Kind die Stimmen außerdem als angenehm und beruhigend empfindet, lohnt es sich tatsächlich dem ungeborenem Kind etwas vorzusingen oder auch vorzu. Man hat beispielsweise festgestellt, dass der Rhythmus eines Liedes oder auch eines Gedichtes für das Kind auch nach der Geburt etwas Vertrautes ist, wenn es diese Töne bereits im Mutterleib wahrgenommen hat.

Der Geschmacksinn

Mit dem Fruchtwasser, das das Kind ständig zu sich nimmt, gewinnt es nun auch einen geschmacklichen Eindruck davon, was die Mutter kurz zuvor gegessen hat. Die Anlage der Milchzähne unter den Zahnleisten ist inzwischen auch erfolgt.
Übrigens: Solltet ihr in eurem Bauch in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen ein Zucken spüren, so besteht kein Grund zur Beunruhigung. Es bedeutet, dass das Baby gerade einen Schluckauf hat. Denn mit der Aufnahme vom Fruchtwasser arbeitet das Baby an der Ausbildung seiner Atemfähigkeit. Da kann es schon mal passieren, dass es sich verschluckt.

Knochenverhärtung

Im Kopf des Babys haben sich im Rahmen der Knochenverhärtung der letzten Wochen auch zwei Schädelhälften gebildet, die das Gehirn schützen. Während des weiteren Wachstums werden sich die Schädelhälften noch weiter verschieben und irgendwann den ganzen Schädel bilden. Es wird allerdings noch lange, sogar bis weit nach der Geburt dauern, bis dieser Prozess wirklich abgeschlossen ist. Bei einem Baby gibt es oben auf dem Kopf immer eine kleine Stelle, die nicht durch den Schädelknochen abgedeckt wird. Es handelt sich dabei um die sogenannte Fontanelle. Sie wird sich erst geschlossen haben, wenn das Kind ungefähr zwei Jahre alt sein wird. Das Wachstum des Gehirns wird sogar andauern, bis das Kind etwa fünf Jahre alt ist. In der 22. Schwangerschaftswoche ist das Gehirn vor allem damit beschäftigt weitere Zellen in riesigen Mengen zu bilden. Bis zur Geburt wird es im Hirnzentrum einen Bereich geben, der nichts anderes zu tun hat als Hirnzellen zu produzieren.

Obstsalat – Fötusgröße im Vergleich

Euer Baby hat nun eine Größe von 25 – 268 Zentimetern erreicht und wiegt ungefähr 350 – 480 Gramm. Es ist also ungefähr so groß wie eine Aubergine.

Aubergine und Paprika, Fötusvergleich 21./22 Schwangerschaftswoche

Beschwerden

Durch die Schwerpunktverlagerung des Oberkörpers können starke Rückenschmerzen und Verspannnungen entstehen. Auch das Ziehen der Mutterbänder ist wird stärker, die Gebärmutter wird schließlich  immer größer und schwerer.

Tipp: Vermeidet längeres stehen, das schont die Mutterbänder und vermeidet daher unangenehme Schmerzen. Auch solltet ihr schweres Heben (5 kg Grenze) vermeiden. Natürlich ist das für die werdenden Mütter, die bereits Kinder haben, schwer zu vermeiden, da auch die älteren Geschwister oftmals noch getragen werden wollen.

Euer Bauchumfang

Der Babybauch entwickelt nun immer mehr eine Kugelform und ragt nach vorne. Wie ihr euch vorstellen könnt, stellt dies eine Belastung dar, die insbesondere euer Rücken nicht gewohnt ist. Der Schwerpunkt eures Oberkörpers verlagert sich immer weiter nach vorne. Doch während es alle möglichen Durchschnitts – und Richtwerte für die Entwicklung des Kindes gibt, gilt dies doch nicht für den Bauch drum herum. Hierbei gehören einfach viele verschiedene Faktoren zusammen. Zunächst spielt euer Ausgangsgewicht und der Taillenumfang vor der Schwangerschaft eine Rolle. Ebenfalls ist dabei wichtig, ist es die erste Schwangerschaft oder vielleicht schon die vierte? Auch das tatsächliche Gewicht und die Größe eures Babys spielt dabei eine Rolle. Ebenso wichtig ist die Beschaffenheit eures Bindegewebes. Gibt es schnell nach oder hält es alles fest zusammen? Treibt ihr regelmäßig Sport oder sitzt ihr viel? Ihr merkt: Der Bauchumfang ist bei jeder Frau etwas ganz individuelles und schönes. Macht euch daher keine Sorgen – ob ihr nun aktuell nur einen kleinen Bauch oder eine „dicke Kugel“ habt.

Beckenbodentraining

Beckenbodentraining ist auch vor der Geburt schon zu empfehlen. Die Gründe dafür sind ganz einfach: Die Beckenbodenmuskulatur liegt zwischen den Beinen und reicht vom Schambein bis an die Wirbelsäule. Gerade in der Zeit der Schwangerschaft ist diese Muskelgruppe besonders wichtig. Sie hilft dem Körper, das zusätzliche Gewicht zu tragen und unterstützt unter der Geburt die Presswehen. Sollte es bei der Geburt zu Dammrissen kommen, oder sollte ein Schnitt notwendig werden, heilt die Wunde bei trainiertem Beckenboden besser.
Wer sich ohnehin sportlich betätigt oder Yoga macht, braucht sich eigentlich keine Gedanken mehr zu machen, denn dabei wird der Beckenboden mittrainiert. Ansonsten kann man den Beckenboden aber auch ohne Turnhalle und Sportschuhe stärken. Dies erfolgt durch das gleichzeitige Anspannen der Schließmuskeln der Blase und des Afters. Man muss das Gefühl haben, diesen Bereich des Körpers innen hochzuziehen. Dabei muss man ruhig weiteratmen. Man kann diese Übung mehrmals täglich im Sitzen machen, ohne die Gesäßmuskeln, die Beine oder den Bauch daran zu beteiligen. Wenn ihr euch wegen der Übungen etwas unsicher seid, fragt doch einfach eure Hebamme um Hilfe. Sie wird euch die Übungen genau erklären können und euch unterstützen.

Geburtsvorbereitungskurs?

So langsam wird es Zeit an einem Geburtsvorbereitungskurs teilzunehmen. Vor allem Erstgebärenden und deren Partnern ist die Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs eigentlich dringend zu empfehlen. Euer Partner soll euch doch schließlich mit in den Kreißsaal begleiten. Wie in den vorherigen Wochen schon mitgeteilt, gibt es hier leider manchmal längere Wartezeiten, es ist also ratsam sich rechtzeitig anzumelden.
Im Geburtsvorbereitungskurs lernt die Schwangere nicht nur, was alles in welchem Ablauf vor und während der Geburt passiert und wie sie selbst sich in welcher Phase verhalten muss. Hier erfährt man, was einen in den letzten Schwangerschaftswochen erwartet und wie man mit den Beschwerlichkeiten, die es dann geben wird, umgehen kann. Hier werden nicht nur Fragen rund ums Kind geklärt (zum Beispiel: „Wie geht es dem Kind gehen, wenn es aufgrund seiner wachsenden Größe irgendwann kaum noch Platz im Bauch hat?“).

Im Mittelpunkt des Geburtsvorbereitungskurses steht nämlich auch die Schwangere selbst. Es werden verschiedene Gebärmethoden vorgestellt und der gesamte Prozess der Geburt wird detailliert beschrieben. Vor allem erfährt die Schwangere jedoch, auf welche Weise sie im Geburtsprozess aktiv mithelfen kann und welche Möglichkeiten es gibt, dieses extreme Ereignis zum Beispiel durch die Anwendung verschiedener Atemtechniken erträglicher zu machen.
Ihr merkt, hier bekommt ihr viel Unterstützung und Hilfe. Es kann euch aber auch helfen, euch mit anderen Schwangeren in der gleichen Situation austauschen zu können. Es hilft manchmal sich einfach nicht so „alleine“ mit den Problemen, Schmerzen und Ängsten zu fühlen.

Schwangere Frau, 21./22 Schwangerschaftswoche

Gewicht in der Schwangerschaft

Ebenso wie der Bauchumfang kann das Gewicht in der Schwangerschaft bei jeder Frau variieren. Eins steht fest – Man nimmt deutlich an Gewicht zu. Im Durchschnitt nehmen Frauen in der kompletten Schwangerschaft um die 14 kg zu. Frauen, die vor der Schwangerschaft eher untergewichtig waren, liegen am Schluss deutlich über diesem Wert bis über 18 kg, während eher übergewichtige Frauen deutlich darunter liegen mit 9 kg und darunter.

Diese 14 kg setzen sich wie folgt zusammen:

  • Etwa 3 – 4 kg entfallen auf das Baby selbst
  • ca. 1 kg Fruchtwasser
  • ca. 0,5 kg Plazenta
  • ca. 2 kg zusätzliches Blutvolumen
  • ca 3 – 4 kg Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe
  • ca 2 – 3 kg Fettreserven für die spätere Stillzeit

Denkt daran. Hierbei handelt es sich um Durchschnittswerte. Solltet ihr euch am Anfang der Schwangerschaft häufiger erbrochen haben, kann es sogar sein, dass ihr zunächst an Gewicht verliert. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel ist eine wöchentliche Gewichtszunahme zwischen 250 und 400 Gramm normal. Im letzten Drittel kommt man dann auf immerhin 400 bis 600 Gramm. Auch dies kann variieren.
Bei einer Mutter, die 1,70m groß ist und deren Baby bei der Geburt 4,5 kg wiegt, verhält sich vieles anders als bei einer 1,85 m großen Mutter, deren Kind dann 3 kg auf die Waage bringt. Die Überprüfung des Gewichts der Mutter ist deshalb auch ein wichtiger Bestandteil jeder Vorsorgeuntersuchung. Der behandelnde Arzt hat alle Parameter im Blick und wird Empfehlungen aussprechen, wenn er der Meinung ist, dass die Mutter ein stärkeres Augenmerk auf ihre Ernährung werfen muss.

Tipp: Ungefähr ab dem vierten Schwangerschaftsmonat liegt der zusätzliche Kalorienbedarf der Schwangeren übrigens bei etwa 250 Kalorien. Das ist nicht viel! Nicht die Masse an Nahrungsmitteln sind für das Kind wichtig, sondern die darin enthaltenen Nährstoffe. Detaillierte Informationen zur Ernährung in der Schwangerschaft findet ihr HIER.

Vorsicht bei Übergewicht

Egal, ob die Mutter erst während der Schwangerschaft zuviel zunimmt oder ob sie bereits vor der Schwangerschaft zuviel gewogen hat: Übergewicht darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn es kann durchaus gefährlich werden. Übergewicht ist immer mit den Risiken von Bluthochdruck und einer Schwangerschaftsvergiftung verbunden. Außerdem kommt die viele Nahrung auch bei dem Kind an. Dass sich beim Baby im Laufe seiner Entwicklung Fetteinlagerungen unter der Haut bilden, ist zwar richtig und  lebensnotwendig – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Denn natürlich kann auch ein Baby zu viel wiegen. Das wiederum kann bei der Geburt zu Problemen führen kann. Zudem ist es nachgewiesen, dass ein Baby, das bereits im Mutterleib überernährt wird, auch später zu Übergewicht und womöglich zu Diabetes neigt.

Doch nicht nur Übergewicht, sondern auch Untergewicht kann zum Problem werden. Die Bewältigung einer Schwangerschaft ist in jedem Fall eine enorme Energieleistung. Die vorhandenen Reserven des Körpers werden dringend gebraucht. Zunächst für die Entwicklung des Kindes und später für die Stillzeit. Und wenn diese Reserven nicht von Anfang an vorhanden sind, dann müssen sie aufgebaut werden. Denn die Natur hat es nun mal so eingerichtet, dass das Kind bei der Versorgung Vorrang genießt. Mit anderen Worten: Alles, was da ist, geht so lange zum Kind bis seine Versorgung gewährleistet ist. Die untergewichtige Mutter selbst hat gewissermaßen das Nachsehen, worunter ihr Wohlbefinden ebenso deutlich leiden wird wie ihre Gesundheit. Somit kann nicht nur Übergewicht, sondern auch Untergewicht negative Auswirkungen auf die Schwangerschaft bzw. die Gesundheit von Mama und Baby haben.

Informationen zum Mutterschutz

Wie bereits schon öfters erwähnt, ist es wichtig eurem Chef rechtzeitig mitzuteilen, dass ihr schwanger scheint. Der Mutterschutz ist nämlich gesetzlich geregelt und soll werdende Mütter schützen. Auch die Pflichtzeiten, die die Mutter vor und nach der Geburt zu Hause bleiben muss, sind dort fest geregelt. Informiert euch hier näher über den Mutterschutz.

Wusstet ihr…

… dass ihr vorab einen Kreißsaal besichtigen könnt? Es ist natürlich auch wichtig sich zu überlegen, wo man sein Baby zur Welt bringen möchte. Besichtigt einfach Kreißsäle der verschiedenen Krankenhäuser in eurer Nähe. So habt ihr genug Zeit euch umzuschauen und zu überlegen, wo ihr euch wohlfühlt. Sollte dann der Fall der Fälle eintreffen, gibt es die Frage „Wohin muss gefahren werden?“ nicht mehr. Denkt aber bitte unbedingt daran, vor der Besichtigung einen Termin zu vereinbaren.


Theresa

Ich bin Theresa, 25 Jahre alt und (noch) kinderlos. Ich bin aber in einer großen, bunten Familie aufgewachsen und liebe Kinder - deswegen macht mir die Arbeit (wenn man das überhaupt so nennen darf ;-)) an und mit MeinBaby123 sehr viel Spaß!

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