Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn - Buchrezenzion

Buchrezension: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Ein Buch mit diesem Titel kann nur gut sein, dachte ich mir, als ich vor ca. zwei Jahren das Buch von Danielle Graf und Katja Seide entdeckte. Meine Vorstellungen wurden ins unermessliche übertroffen. Seitdem habe ich es schon drei Mal gelesen (beziehungsweise mir das Hörbuch angehört) und lerne von Mal zu Mal immer wieder dazu. Von Zeit zu Zeit hör ich immer mal wieder in einzelne Kapitel rein. Ich wusste vorher ja nicht, dass es so einfach sein kann. Dass man sein Kind nur verstehen lernen muss! …Dass meine Reaktion das Kind formt und prägt! …Dass allein unser Verhalten als Eltern ausschlaggebend dafür ist, was für ein Mensch mal aus der kleinen Maus wird. …Dass es trotz Wut und Trotz auf beiden Seiten meine Aufgabe ist, einen Lösungsweg zu finden… Egal ob das gewünschteste Wunschkind der Welt oder nicht, dieses Buch öffnet Augen und hilft zu Verstehen.

Trotziges Mädchen

Kapitel und Inhalt von Das gewünschteste Wunschkind der Welt

Allein die Inhaltsangabe hört sich echt vielversprechend an. Wer hat nicht schon von den kleinen Tyrannen gehört, die uns das Leben absichtlich schwer machen wollen – Auch genannt: Kinder. Ganz easy und sachlich wird erklärt, dass es eben nicht so ist. Welche Intention hätte so ein Kind denn auch, permanent seine Eltern zu ärgern?

  • Einleitung

Hier wird man anhand einer kleinen Geschichte an das Thema herangeführt. Clever zeigt die Autorin ihrem Vater auf, wie er sich von seiner eigenen Frau genauso einbuttern lässt, wie angeblich ihr Kind sie selbst auch um den Finger wickelt. Aber warum ist es beim Vater ok und sie soll was dagegen tun? Ihr Kind nicht auf ihrer Nase „herum turnen“ lassen? So viel vorweg: Die kleine Geschichte hat ein überraschendes Ende.

  • Die Wut der Kinder

Zunächst erklären die Autorinnen, wie das ganze Gehirn zusammenhängt. Hier erhält man einen kleinen Einblick in die Psychologie des Menschen. Wieso ist es gar nicht möglich, dass ein Kind Denken und Handeln kann wie ein Erwachsener? Wir lernen, dass wir hier manchmal zu viel voraussetzen und ab welchem Alter welche Bedingungen erfüllt werden und welche nicht. Und schon tut es einem Leid, jemals auch nur ansatzweise gedacht zu haben, das eigene Kind als Tyrann zu betiteln. Es geht: Ihr könnt euer Kind auch im Kleinkindalter weiterhin bedürfnisorientiert behandeln. Das wird hier deutlich.

Kleinkind mit rotem Luftballon

  • Die Wut der Eltern

Leider geht das ganz schnell, denn wer kennt nicht die Situationen, in denen wir Eltern wütend werden, weil das Kind entweder selber wütend ist oder einfach nicht so funktioniert, wie wir das gerne hätten. Manchmal kann man diese Wut nicht einmal erklären. Das Buch zeigt uns, wo sie herkommt. Tief aus dem Innersten, von unserem eigenen inneren Kind. Was Viele nämlich gar nicht wissen; auch unser Verhalten hat einen Ursprung. Wir reagieren meistens so, wie wir es aus der eigenen Kinderstube kennen. Dieses Kapitel hat mir selber viel zu Denken gegeben und letztendlich habe ich mich ein Stückchen besser kennen gelernt. Im Buch wird klar, dass die Wut der Eltern ebenfalls zu vielen Streitsituationen führt, die so gar nicht stattfinden müssten. Wieso müssen die Kinder an sich arbeiten und sich formen lassen, während wir als Eltern unseren Blickwinkel nie hinterfragen und stets darauf pochen, dass unsere Meinung die einzig Richtige ist?

  • Übersetzungshilfen für Eltern: kleiner Wutwichtel

Kooperation! Ja so heißt das Zauberwort. Mit ihr Hand in Hand gilt es das eigene Kind zunächst zu verstehen, besser kennen zu lernen. Hier gibt es Tipps wie das funktioniert. Reaktionen oder Verhaltensweisen unserer Kinder, die uns so sehr auf die Palme bringen, werden in diesem Kapitel durchleuchtet und erläutert. Ich denke, der AHA!-Moment lässt auch bei euch nicht lang auf sich warten.

  • Trotzdem: Autonomie fördern

Anhand von bildhaften Beispielen und Situationen aus dem Elternalltag, die sicher jeder kennt, wird euch eine Rundum-Hilfestellung gegeben. Für verschiedene typische Verhaltensweisen von Kindern, die wir als problematisch oder unangenehm einschätzen werden hier Lösungswege gesucht und gefunden. Hier stellt man fest, dass Kinder immer als Individuum wahrgenommen werden müssen, in ihrer Art sich jedoch ähneln. So kann man zwar nicht von einer passenden Allgemeinlösung sprechen, aber zumindest wird der Weg hin zu einer, beiden Seiten entsprechenden, Lösung geebnet und mit neuen Ideen und Sichtweisen bepflanzt.

  • Tipps und Tricks für einen entspannten Alltag

So geht der praktische Teil weiter. Es wird versucht, auf so viele Standardsituationen wie möglich, eine passable Antwort zu finden. Warum will mein Kind sich nicht anziehen und was mache ich dann? Was geht im Kopf des Kindes vor, wenn es Geschirr samt Essen herunter wirft und wie kann ich diese lästige Angewohnheit unterbinden? Warum trödelt mein Kind ausgerechnet immer dann, wenn wir es eilig haben und warum macht es immer in solchen Momenten, wo ich auf seine Hilfe angewiesen bin, etwas total anderes? Auch zum Thema Windeln Wechseln, Weglaufen und Schlafengehen gibt es umfassende Tipps. So viel Vorweg: Beim Lesen überlegt man sich ja schon immer seine eigene Herangehensweise für besprochene Fälle. Ich persönlich muss zugeben, dass ich beim ersten Lesen oft daneben lag 😀

  • Schnelle Hilfe für akute Trotzanfälle

Aber wie reagiert man nun wenn es zum berühmten Trotzanfall kommt? In diesem Kapitel lernt ihr, dass es nicht hilft, zurück zu trotzen. Nein, auch die Idee sich im Supermarkt als Mutter einfach neben das Kind auf den Boden zu schmeißen und mit zu Schreien, bringt euch kein Stück weiter. Letzten Endes muss man die Trotzanfälle als willkommene Gelegenheit wahrnehmen, die das Kind bei richtiger Handhabung nur stärken. Fremdregulation ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um den Aufbau der Eigenregulation zu unterstützen.

Was gefällt mir besonders gut – Lieblingskapitel

Wie schon gesagt, mir hat das Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ definitiv die Augen geöffnet. Es hat nicht nur den Grundstein gesetzt, die Beziehung zu meinem Kind, meinem Mann, zu Freunden und Familie aufzuarbeiten. Ein ganz wichtiger Punkt ist auch, dass ich so viel mehr über mich selber gelernt habe und ganz nebenbei die Psychologie als für mich neues sehr interessantes Fachgebiet entdeckt habe. Ich habe festgestellt, dass es so einfach sein kann. Man baut sich die Steine manchmal einfach nur selber in den Weg. Ein Beispiel: Wieso mache ich mir den Stress, beim Essen darauf zu bestehen, dass das Kind bis zum letzten Bissen aller brav am Tisch sitzen bleibt. Es ist ein Kind. Die Gesellschaft gaukelt uns vor, das gehöre sich so. Aber wem tut es weh, wenn das Kind nach dem Essen aufsteht und sich leise selber beschäftigt? Mir jedenfalls nicht und so kann ich entspannt weiteressen, ohne das Kind ständig ermahnen zu müssen.

So ist es immer. Durch das Buch habe ich gelernt, zunächst in mich selbst reinzuhören und folgende Fragen zu stellen. Ist jemand oder das Kind selber durch sein Verhalten in Gefahr/ tut es jemanden weh? Ist ein anderes Verhalten mir wirklich richtig wichtig oder kann ich auch darauf verzichten?

Ich kann eigentlich behaupten, dass mir jedes Kapitel sehr sehr gut gefällt. Es gibt genau die richtige Mischung aus Fachwissen, Erfahrungsberichten und Tipps bzw. Lösungsansätzen. Bestückt sind die vielen Informationen mit Hintergrund-Geschichten, kleinen Anekdoten  und Gegenüberstellungen zu herkömmlichen Erziehungsmethoden.

Junge liest Buch und lacht

Es hört sich alles im Buch so unheimlich plausibel und einfach an. Somit kann man eigentlich direkt mit der neu-erlernten Art und Weise starten.

Was gefällt mir nicht so gut bzw. fehlt mir?

Selbst nach genauen Überlegungen fällt mir dazu nichts ein. Klar könnten noch mehr Fallbeispiele enthalten sein, sodass man ein Muster auch perfekt für das eigene Kind herausnehmen kann. Aber letztendlich würde das wahrscheinlich den Rahmen sprengen. Man braucht es eigentlich auch gar nicht, denn das Buch verleitet ja schon zu anderen Sichtweisen und Blickwinkeln. So entwickelt man bestimmte Schemen, die man so auch in jeder anderen Situation anwenden kann.

Fazit

„Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ ist vermutlich einer der besten „Erziehungsratgeber“, obwohl eine Art Erziehung ja gar nicht beschrieben wird. Eigentlich geht es eher um Beziehung und Bindung; darum, das Kind nicht formen zu wollen, sondern an sich selber zu arbeiten. Ich finde das in der heutigen Zeit enorm wichtig. Lasst den Kindern ihre Individualität!

Von mir gibt es alle Daumen die ich habe nach oben, und die meiner Tochter und meines Mannes… 😉

 

Hier geht es zum Buch


Juliane

Ich bin Juliane und Mami unserer kleinen Greta. Seit der Schwangerschaft hat sich mein Leben um 180° gedreht - gern begleite ich euch auf dem Weg zum Eltern sein und gebe euch wertvolle Tipps und Ratschläge! Außerdem möchte ich euch beim Sparen helfen, denn Babyspielzeug, Windeln, Klamotten und Co sind teuer genug!


Andreas

03.08.2018, 22:02

Auch als Hörbuch bei Spotify und Deezer verfügbar (ohne Abo, kostenlos)

Danielle Graf

27.10.2018, 21:18

Danke für diese wunderbare Rezension!

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