Mama und Baby schlafen

Selbstbestimmtes Schlafen – ein Erfahrungsbericht

Neben der Gesundheit ihrer Kinder, gibt es wohl nichts, worum sich Eltern mehr Sorgen machen, als die Antwort auf die Frage „Wann schläft mein Kind endlich durch„? Grade junge Mütter sind bei dem Thema recht unentspannt. Dabei ist es sogar naturgegeben so, dass Menschen die Nächte nicht durchgängig schlafen. Schlafforscher behaupten sogar, dass wir im Schnitt bis zu 28 Mal pro Nacht wach werden. Und wer sich darüber nicht wundert oder gar aufregt und innerhalb von drei Minuten wieder einschläft, kann sich an die Wachphasen nicht mehr erinnern und denkt er hätte durch geschlafen.

Unseren Babys geht es natürlich genau so, nur leider stellen sie oftmals genau dann fest, dass sie hungrig sind, eine volle Windel haben, sich einsam fühlen und die Nähe suchen oder ihnen zu warm/zu kalt ist. Die Gründe, warum das Baby nicht wieder einschläft, können vielfältig sein. Sowohl zum Thema Einschlafen, zu Bett gehen und zum Schlafen allgemein, möchte ich euch einige Erfahrungen aus unseren letzten drei Jahren erzählen. Eines sollte euch klar sein. Kinder sind so unterschiedlich und was bei mir geklappt hat, muss nicht auch bei euch klappen. Ich möchte euch mit diesem Ratgeber einfach nur ein paar Hinweise an die Hand geben, denn ich weiß, wenn man sein Kind lernt zu verstehen, macht es das Zusammenleben im Alltag um ein Vielfaches leichter. Und manchmal kommt man auf die einfachsten Dinge nicht.

Wie die Eltern, so die Tochter

Rhythmus? Das hat was mit Musik zu tun! In unserem Tagesablauf gab es den bisher wirklich nur aus dem Radio 😀 Mein Mann und ich hatten vor unserer Tochter nie einen Tagesablauf nach festen Zeiten und mit ihr hat sich auch nichts geändert. Wir haben Jobs mit Gleitzeit und stehen auf, wann uns danach ist, bzw. wenn der Wecker klingelt, weil ein Meeting am Morgen ansteht. Wir durchleben den Tag, essen Mittag wenn wir Hunger haben, Abendbrot wenn der Hunger erneut zurückkehrt oder wir die nötigen Zutaten besorgt haben und gehen ins Bett, wenn wir unser Tages-Soll erfüllt haben 😉

Kind auf der Couch

Erst jetzt mit dem Kindergarten, kam etwas mehr Regelung in unser Leben. Wir sitzen tatsächlich jeden Morgen um 8 Uhr zusammen am Frühstückstisch. Und das klappt schon seit einigen Wochen sehr gut. Unsere Abende laufen trotzdem immer unterschiedlich ab. Ich betone nochmal, es ist so sehr vom Kind abhängig, aber bei uns ist die Tochter in dem Fall genau wie die Eltern. Wir haben es mit den festen Zeiten wirklich immer mal wieder probiert. Weil es natürlich Vieles auch leichter macht. Klappte hier nie, weder wir konnten die Zeiten täglich einhalten, noch wollten wir unsere Tochter zum Schlafen zwingen, wenn sie noch gar nicht müde war. Außerdem haben geregelte Zeiten für uns auch einige Nachteile, deshalb haben wir es einfach immer wieder verworfen und lassen unsere Tochter abends selbstbestimmt ins Bett gehen.

Schlafverhalten ändert sich… STÄNDIG

Wer kennt das nicht? Kaum denkt man, das Kind hat irgendwie auch nur ansatzweise einen Rhythmus, KAWUMM, kommt irgendein Schub, eine Phase oder sonstwas daher und schmeißt wieder alles um! Bei uns war das ständig der Fall. Da ich die Zeit hatte und das Kind nicht zum Schlafen zwingen wollte, habe ich mich größtenteils immer nach ihr gerichtet. Als Baby war es noch einfach, wenn ich merkte, sie wird müde, packte ich sie ins Tragetuch und dann dauerte es meist nicht lang, bis sie an mir gekuschelt einschlief. Abends half meistens nur Papa und der Peziball.

Händchen halten beim Einschlafen

Wichtig ist es hier die Signale zu verstehen, denn wenn das Kind erst mal „drüber“ ist, wird es anstrengend, es in den Schlaf zu begleiten. Nach den ersten zwei Monaten, denke ich kann man die Zeichen ganz gut deuten und seinem Kind so zu einem angenehmen Tagesablauf verhelfen, der nicht von der Uhr bestimmt ist.

Die ersten 6 Monate

Die erste Zeit lief bei uns fabelhaft. Unsere Maus schlief viel, meist im Tragetuch oder im Kinderwagen beim Spazieren gehen. Satt und zufrieden schläft es sich eben auch am Besten! Oftmals wurde sie wirklich nur zum Stillen wach. Je mehr Wochen vergingen, desto weniger schlief sie auch. Zum Ende des ersten halben Jahres, war sie den Großteil des Tages wach. Dafür ratzte sie in der Nacht ohne weitere Probleme. Das „Durchschlafproblem“ war also Gott sei Dank nicht unseres. Nach der sechsten Woche schlief sie abends ein, ich machte sie so gegen Mitternacht noch mal wach um sie zu Stillen und das reichte dann bis ca. 7 Uhr. Und dann…

6 Monate bis 18 Monate

… kamen die Zähne und alles änderte sich wieder. Sie war trotzdem noch sehr human mit uns und machte nachts nur höchstens ein- bis zweimal Alarm, in den seltensten Fällen öfter. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ich muss sagen, dass ich diese zwei Störungen nie als wirklich schlimm empfand. Es gab dann was zu Futtern und schon konnten alle weiterschlafen. Da ich selber gerne und viel schlafe, hatte ich auch nie Probleme damit, schnell wieder in den Schlaf zu finden 😉

Mittags pendelte es sich in dieser Zeit auf einmal schlafen ein. Hier brauchte sie allerdings auch Hilfe und die Brust war ihr leider nicht mehr ausreichend. Oftmals, klappten die Augen beim Spazieren gehen zu. Ich kann mich aber auch an etliche Male erinnern, wo sie den kompletten Spaziergang wach war und erst auf dem Rückweg eingeschlafen ist. Auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es abends dann ja wieder später wird, ließ ich sie schlafen. Ich weckte sie generell nur, wenn wir einen Termin hatten oder ähnliches.

ab 18 Monate

Jetzt konnte ich von einem für unsere Verhältnisse recht regelmäßigen Tagesablauf sprechen. Zumindest fanden die verschiedenen Aktivitäten täglich seinen Platz zur ungefähr gleichen Tageszeit. Da ich mit ihr daheim war, durfte sie morgens ausschlafen. Das heißt, ich weckte sie nur in Ausnahmefällen. Den Vormittag verbrachten wir auf dem Spielplatz, dann gab es Mittagessen und den Mittagsschlaf. Wenn das Wetter größere Erlebnisse an der frischen Luft nicht zuließ, merkte ich auch, dass die Bereitschaft Mittagsschlaf zu machen dementsprechend sank. An diesen Tagen musste ich sie mit der ganzen Trickkiste in den Schlaf begleiten. Je älter sie wurde, desto weniger wollte sie den Mittagsschlaf. Manchmal ließen wir ihn ausfallen und das Kind wollte dann abends früher ins Bett.

Geschichte vorlesen abends

Wir begannen in dieser Zeit kleine Rituale einzuführen.

Wir schauten Sandmann, aßen gemeinsam mit Papa zu Abend, danach gab es nach wie vor noch eine Milch (jetzt eben aus der Flasche). Danach lasen wir ihr eine kurze Geschichte vor und dabei schlief sie meistens ein. Wenn sie bei der Flasche schon einschlief, putzten wir ihr noch die Zähnchen. Die Nächte schlief sie wieder durch. Einer von uns blieb am Bett bis das Kind eingeschlafen war. Dieser Moment des Einschlafens verzaubert mich noch heute <3 Übrigens waren die Gitter schon nicht mehr am Bettchen dran, wir wollten der Kleinen die Freiheit lassen, aufzustehen und ins Bett zu gehen, wann sie wollte.

3 Jahre

Als sie ca. 2 1/2 war, hatten wir einen sehr heißen Sommer. Mittagsschlaf war meistens nicht möglich, weil wir die Zeit gemeinsam am See verbrachten. Auf dem Heimweg nickte sie dann oft kurz weg und zu Hause durfte sie noch ein wenig spielen, während ich das Abendessen vorbereitete. Es gab den Sandmann, danach aßen wir. Nach dem Essen ging es ins Bad zum Waschen, Zähnchen putzen und anschließend wurden im Bettchen noch zwei Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen (sie sucht aus). Wir machten ihr die Tonie-Box an und warteten am Bett bis sie eingeschlafen ist. Da das in 80% der Fälle sehr fix ging, war das nicht weiter schlimm.

Kurz vor ihrem dritten Geburtstag, kam sie in den Kindergarten. Dort wollte sie auch den Mittagsschlaf mitmachen. Seitdem sie nun also ca. zwei Stunden nach dem Mittag schläft, ist es abends nicht mehr ganz so einfach. Zwar sagt sie schon beim Abendessen, dass sie müde ist und ins Bettchen mag, aber wie durch Zauberhand, verfliegt die Müdigkeit, desto näher wir ihrem Zimmer kommen. Sie darf sich also in ihrem Zimmer nach dem Waschen/Zähne putzen und ihren ausgesuchten zwei Geschichten, noch frei bewegen. Manchmal schaut sie sich noch Bücher an, oder spielt. Manchmal schläft sie auch sofort ein und ab und zu kommt sie doch noch mal runter um zu Kuscheln. Ich finde das auch nicht schlimm. Schließlich hat das Kind den ganzen Tag weder Mama noch Papa zum Kuscheln. Dann schlummert sie hier selig zwischen uns auf dem Sofa ein.

Mama gibt Kind einen Gute Nacht Kuss

Selbstbestimmtes Schlafen versus Schlafmangel

Nun meinen vielleicht Viele, dass ein Kind ja dann viel zu wenig Schlaf abbekommt, wenn es nach seinem eigenen Ermessen ins Bett gehen kann. Glaube ich nicht… Ich bin der Meinung, der Körper holt sich, was er braucht (so handhabe ich es übrigens auch beim Essen). Wir versuchen, dass zumindest die Aufstehzeit am Morgen jeden Tag kurz vor 8 Uhr ist. Auch am Wochenende, es sei denn wir waren alle drei bei einem Geburtstag oder so. Ausnahmen bestätigen die Regel. Somit hat sie aber normalerweise diesen einen Punkt am Tag immer gleich. Da wir abends keine festen Zeiten haben, kann man eben auch mal noch länger draußen sitzen, ins Restaurant gehen, auf Geburtstagsfeiern länger bleiben und viel mehr. Das gibt uns Eltern ein wenig mehr Freiheit und ich genieße das total.

Ich sage es gern auch noch mal wieder, letztendlich muss jede Familie ihren Weg finden. Das Schlafthema ist in erster Linie vom Kind und ich denke auch seinen bisherigen Gewohnheiten abhängig. Eltern von mehreren Kindern können sicher bestätigen, dass ihre Kinder auch bei gleicher Herangehensweise und Erziehung vollkommen unterschiedlich reagieren. So muss man sich eben jedes Mal wieder vollkommen auf sein Kind einlassen und die beste Gebrauchsanweisung austüfteln.

Selbstbestimmtes Einschlafen nach Jesper Juul

Jesper Juul ist für mich einer der bedeutendsten Kinder-Psychologen. In seinem Buch „Dein kompetentes Kind“ geht er im Allgemeinen darauf ein, dass wir unseren Kindern schon mehr zutrauen können, als wir eigentlich denken. Ein wichtiger Schritt ist, sie nicht fremd zu bestimmen. So würden Kinder nicht auf ihre eigenen Bedürfnisse hören können, sondern immer darauf angewiesen sein, dass ihnen jemand sagt, dass sie jetzt schlafen sollen, oder etwas essen, etc. Interessiert ihr euch für die Thematik, dann schnuppert doch einfach mal rein:

Zum Angebot

Auch das Schlafen wird hier thematisiert. In einem Beispiel wird ein Kind gezwungen Mittagsschlaf zu machen. Da das Kind fremdbestimmt wird, kann es jeden Tag zu Diskussionen kommen. Schließlich führen diese Konflikte zur Resignation des Kindes, da es denkt den Eltern zur Last zu fallen, wenn es nicht tut, was sie sagen. Es verleugnet also seine eigenen Bedürfnisse, um geliebt zu werden.

Kommunikation ist alles. Nach Juul sollten wir unsere Kinder also selber entscheiden lassen und sie durch unsere Worte nicht zwingen, sondern in die richtige Richtung leiten. Zum Beispiel könnte man sagen, dass man selber denkt, dass das Kind müde aussieht und etwas Schlaf gebrauchen könnte. Ich frage unsere Tochter auch immer, was sie meint. Die Kommunikation könnte bei uns so ablaufen: „Hey Schatz, du schaust müde aus, wollen wir uns ins Bett kuscheln und noch eine Geschichte lesen?“. Das wird eigentlich nie verneint.

Wenn sie allerdings doch mal nicht so begeistert von der Idee ist, sage ich, dass sie dann eben noch ein wenig spielen kann, sie muss nicht schlafen, wenn sie meint dass sie nicht müde ist. Ich erinnere dann meistens noch kurz an den nächsten Tag und dass ihre Freundinnen im Kindergarten mit ihr viel spielen wollen. Ist sie noch müde am nächsten Tag, sage ich immer, dass sie vielleicht doch lieber etwas eher ins Bett hätte gehen sollen.

Vielleicht pendelt es sich irgendwann ein, dass es diese seltenen Fehlentscheidungen des Kindes nicht mehr gibt. Aber mal ehrlich, auch uns passiert es doch noch ab und zu. dass wir uns morgens ärgern nicht früher ins Bett gegangen zu sein.

Mädchen schläft im Bett

Worauf wir abends achten…

… damit es abends keine Tränen gibt.

  • Keine Süßigkeiten oder Zucker ab 16 Uhr, denn das putscht auf
  • Möglichst Rumtoben oder Kitzelattacken vermeiden.
  • Ein warmes Getränk zum Abendbrot
  • Sandmann und ggf. die Sendung danach schauen – gut kommunizieren, dass danach der TV wieder aus geht
  • Viel Ruhe bei der Abendgestaltung
  • Zwei Geschichten jeden Abend im Bettchen
  • Das Bett oder Kinderzimmer NIE als Ort der Strafe festlegen, a la „Du gehst gleich ins Bett, wenn das nicht funktioniert“
  • Licht und Lampen sind abends ok
  • Auf warmes Licht achten, blaues Licht sorgt für einen schlechten Schlaf
  • Nach den vorgelesenen zwei Geschichten, darf die Tonie Box noch einen Tonie nach Wahl abspielen
  • Das Bett als einen kuscheligen Ort der Ruhe wahren, den Das Kind liebt
  • Abendliche Wünsche wie Trinken, Pipi, Kaki ruhig entgegennehmen und versuchen zu befriedigen
  • Wenn das Einschlafen im Bett nicht klappen will, andere Orte wählen (Sofa, Pezi-Ball, Federwiege, etc.)
  • Leise sprechen am Abend
  • Verabschiedung (Schlaf schön, träum süß, ich liebe Dich, Küsschen, bis Morgen früh)
  • Tagesplan des nächsten Tages aufzählen
  • Auf Signale achten (Augen reiben, Ohren anfassen, Gähnen, Quengeln)
  • Kein Zwang
  • Kommunikation „ich glaube du bist schon gaaaanz müde und möchtest dich jetzt vielleicht in dein Bettchen kuscheln. Morgen ist wieder ein spannender Tag, ruh dich ein wenig aus!“ usw.
  • Wenn das Kind noch nicht müde ist, darf es in seinem Zimmer noch ein wenig spielen und selber entscheiden wann es ins Bett geht
Kinderzimmer mit Nachtlicht
Modern interior of the child’s bedroom

Fazit

Selbstbestimmtes Schlafen passt partout nicht zu jedem Kind. Wenn ihr aber jeden Abend Streit und Tränen habt, könnt ihr euch diese Herangehensweise ja auch mal überlegen. Könnt ihr allerdings die Uhr nach eurem Kind stellen, so ist es nicht notwendig, das selbstbestimmte Einschlafen auszuprobieren. Euer Kind möchte einen geregelten Ablauf und besteht auf seine festen Rituale. Schaut mal, so macht es nämlich Carina mit ihrer kleinen Amilia. Lest hier, wie ihr Tagesablauf aussieht und wie sie das Kind zum Schlafen gebracht hat.

Wie mein Kind Schlafen lernte von Carina


Juliane

Ich bin Juliane und Mami unserer kleinen Greta. Seit der Schwangerschaft hat sich mein Leben um 180° gedreht - gern begleite ich euch auf dem Weg zum Eltern sein und gebe euch wertvolle Tipps und Ratschläge! Außerdem möchte ich euch beim Sparen helfen, denn Babyspielzeug, Windeln, Klamotten und Co sind teuer genug!

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