Klapperstorch

Die Hebamme: Eine wichtige Begleitperson während und nach der Schwangerschaft

Was waren eure ersten Gedanken, als ihr erfahren habt, dass ihr schwanger seid? Den meisten gehen zugleich tausende Gedanken durch den Kopf. Wie soll das Kind heißen? Wo soll es zur Welt kommen? Wer soll Pate werden? Nur wenige denken sofort an ihre zukünftige Hebamme. Dabei spielt diese Person eine wichtige Rolle während der Schwangerschaft, ggf. während der Geburt und auf alle Fälle auch in der Nachsorge.

Die Hebamme – Eine Person, viele Aufgaben

Der Begriff Hebamme ist schon sehr alt. Er stammt vom althochdeutschen Wort Hev(i)anna, was soviel wie „Ahnin/Großmutter, die das Neugeborene aufhebt“ bedeutet. Hebammen spielen eine besonders wichtige Rolle während der Schwangerschaft und auch noch nach der Geburt und sollten deswegen stets mit Bedacht ausgewählt werden. Generell gilt, dass jede schwangere Frau einen Anspruch auf eine Hebamme hat. Die Aufgaben der Hebamme sind vielfältig. Sie kümmert sich beispielsweise um die Geburtsvorbereitung, die Betreuung während der Geburt und auch die Nachsorge nach der Geburt des Kindes. Außerdem sind Hebammen in der Lage, verschiedene Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen. Die Kosten für diese Standardleistungen einer Hebamme werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Es gibt aber auch Zusatzleistungen, wie zum Beispiel Akupunktur, Babymassage oder Ähnliches, das von den Schwangeren selbst bezahlt werden muss.

 

Nicht zuletzt übernimmt die Hebamme  auch viele emotionale Aufgaben vor, während und nach der Geburt. Die Frauen, die diesen Beruf ausüben, sind in der Regel sehr einfühlsam und daher ein wichtiger Ansprechpartner für die werdenden Mütter.

Schwangere Frau wird untersucht

Ein Beruf mit Tradition

Der Beruf der Hebamme hat eine lange Geschichte. Seit Jahrhunderten gibt es Frauen, die andere Frauen auf dem Weg der Schwangerschaft und während der Geburt begleiten. Während Hebammen früher meist erfahrene Frauen waren, die selbst schon mehrere Kinder zur Welt gebracht haben, erfordert es heute eine professionelle Ausbildung, um Hebamme zu werden. Diese dauert drei Jahre und wird mit einem Staatsexamen abgeschlossen. Hebammen werden auf den Gebieten zur Schwangerschaft, Geburt und Kindspflege ausgebildet. Sie haben also ein breit gefächertes Wissen und sind somit für alle Fragen einer Schwangeren ein Allround-Ansprechpartner.

Die Wahl der richtigen Hebamme

Umso wichtiger ist es, dass die persönliche Hebamme immer mit Bedacht ausgewählt wird. Hierbei spielen verschiedene persönliche, fachliche und auch organisatorische Faktoren eine Rolle. Nicht selten wird die Hebamme aufgrund von Empfehlungen anderer Mütter ausgewählt.

 

Wie wähle ich die richtige Hebamme aus?

Für die Suche ist es sicherlich gut zu wissen, was ihr mit eurer Hebamme vorhabt. Wichtig ist auf alle Fälle die Wochenbett- und Säuglingspflege nach der Geburt. Eure Hebamme kommt zu Beginn regelmäßig, misst und wiegt euer Baby, behandelt den Nabel, hilft euch beim Stillen oder Füttern des Kindes und ist auch für eventuelle Wunden (seelisch und körperlich) für euch da. Natürlich könntet ihr auch alle Vorsorgeuntersuchungen (außer Ultraschall) bei eurer Hebamme machen lassen. So braucht ihr nicht immer zum Frauenarzt. Und dann bieten wenige noch die Möglichkeit der Begleitung bei der Geburt. Hier gibt es verschiedene Arten der Hilfestellung:

 

Wehenbegleitung:

Eure Hebamme begleitet eure Wehen bis ins Krankenhaus, ohne bei der Geburt selbst dabei zu sein.

 

Schichtdienst in der Klinik

Ihr könnt euch eure Hebamme im Krankenhaus in der Regel nicht aussuchen, ihr werdet von der diensthabenden Hebamme während der Geburt betreut.

 

Klinikbegleitung

Ihr werdet von eurer Hebamme in die Klinik begleitet und auch während der Geburt von ihr betreut.

 

Klinikbegleitung ambulant

Ihr werdet von eurer Hebamme in die Klinik begleitet und auch während der Geburt betreut. Wenn möglich, verlasst ihr zusammen nach der Geburt die Klinik wieder und die Hebamme betreut euch daheim weiter.

 

Praxis/Geburtshaus

Die Geburt wird in einer Praxis bzw. im Geburtshaus durchgeführt. Eure Hebamme ist dabei.

 

Hausgeburt

Eure Geburt findet mit eurer ausgesuchten Hebamme zu Hause statt.

Wo finde ich nun meine Hebamme?

Wenn ihr keine persönliche Empfehlung bekommt, eignet sich zur Suche auch das Internet hervorragend. Auf www.hebammensuche.de findet ihr die umfangreichste Datenbank für Deutschland. Hier findet ihr nach Postleitzahl alle Hebammen in eurer Region aufgelistet und deren Fachgebiete. Ihr könnt auch direkt nach Tätigkeiten suchen, wenn euch etwas sehr wichtig ist.

Gibt es sie wirklich – männliche Hebammen?

Ja, aber nur sehr wenige. Sie heißen Entbindungspfleger und aktuell gibt es nur 6 in Deutschland. Im folgenden kleinen Filmchen bekommt ihr einen Einblick in die Arbeit von Niedersachsens einzigem männlichen Entbindungspfleger.

Warum hat das Berufsbild der Hebamme so viele Probleme?

Die meisten Hebammen arbeiten selbstständig und rechnen ihre Leistungen direkt mit den Krankenkassen ab. Nun ist es so, dass ein hoher Bedarf an Fachkräften besteht. Die Beleghebammen in den Krankenhäusern wünschen sich mehr Kollegen und auch die Nachsorge kommt viel zu knapp. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hat sich nun überlegt, die Vergütung der Hebammen anzuheben. Aber gleichzeitig bestimmen sie, dass nur noch höchstens 2 Frauen von einer Beleghebamme betreut werden können. Das wäre das Aus für freiberufliche Hebammen in den Krankenhäusern und so würden einige Kreißsäle wegen Personalmangel schließen müssen.

Selbst eine Nachsorgehebamme zu finden, gestaltet sich in vielen Regionen sehr schwierig. Auch dem Wunsch nach individueller Betreuung vor, während und nach der Geburt kann so gar nicht entsprochen werden. Wünscht man sich die Begleitung der „eigenen “ Hebamme während der Geburt, wird man kaum jemanden finden. Offensichtlich versteht der GKV nicht, dass man Geburten im Großen und Ganzen rein gar nicht planen kann und Babys auf die Welt kommen, wann sie möchten und nicht wann Beleghebamme XYZ mal eben nur eine Frau zu betreuen hat.

Wir hoffen, dass der Bund freiberuflicher Hebammen (BfHD) den Kampf gewinnt und uns Frauen eine der wichtigsten Personen erhalten bleibt.

Ziele des BfHD

Größtes Ziel des BfHD ist es wohl, die außerklinische Geburtshilfe zu erhalten und zu fördern. Im Einzelnen fordert der Verband noch Folgendes:

    • Stärkung der ambulanten Versorgung durch Hebammen als Teil der Basisversorgung von schwangeren und gebärenden Frauen und jungen Familien im Gesundheitssystem.
    • Information aller schwangeren Frauen in der Frühschwangerschaft über ihren Anspruch auf Hebammenhilfe.
    • Förderung der Hausgeburtshilfe durch Aufnahme ihrer spezifischen Inhalte in die Ausbildungsrichtlinien sowie die gezielte praktische Unterweisung durch erfahrene Hausgeburtshebammen als Teil der Ausbildung.
    • Aufhebung der Versicherungspflicht für Hebammen in der gesetzlichen Rentenversicherung und die adäquate Anpassung der Versicherungsbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung für geringverdienende freiberufliche Hebammen.
    • eine bezahlbare Berufshaftpflichtversicherung für Geburtshilfe, um die flächendeckende Versorgung mit Hausgeburtshebammen sicherzustellen.

Schnell sein: Hebamme besorgen

Schwangere Frauen sollten niemals zu lang mit der Wahl der Hebamme warten. Allgemein wird empfohlen, diese Entscheidung bis zur zehnten, besser noch bis zur achten Schwangerschaftswoche zu treffen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Wahl überstürzt getroffen werden soll. Ein sorgfältiger Vergleich und das Einholen verschiedener Meinungen sind immer sinnvoll und helfen dabei, am Ende die perfekte Hebamme zu finden.

War die Entscheidung doch nicht die Richtige, kann die Hebamme nachträglich auch gewechselt werden. Es ist jedoch nicht empfehlenswert, alle paar Wochen eine neue Hebamme zu suchen, da es auf diese Weise nicht möglich ist, ein vertrauensvolles Verhältnis zu dieser Person aufzubauen.

Eine Auflistung was ihr wann beantragen solltet, findet ihr in unserem Ratgeber Text Checkliste: Was müsst ihr wann beantragen?

Füße in Decke

Eure Erfahrungen?

Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit Hebammen gemacht? Ich muss sagen, dass ich eine ganz liebe Vorsorge- und Nachsorgehebamme gefunden habe. Die Beleghebamme im Krankenhaus während der Geburt war eine totale Katastrophe. Sie war überhaupt nicht einfühlsam und ich war unter ihrem barschen Ton verkrampft und ängstlich. Zum Glück kamen zwei Ärztinnen dazu, die die Situation gerettet haben. Gern hätte ich meine Hebamme auch bei der Geburt dabei gehabt. Ich bin gespannt wie sich die Gesamtsituation um die Hebammen entwickelt. Ich hoffe bei Kind Nummer 2 eine Hebamme zu finden, die die Geburt, meinetwegen auch außerklinisch, begleitet.


Juliane

Ich bin Juliane und Mami unserer kleinen Greta. Seit der Schwangerschaft hat sich mein Leben um 180° gedreht - gern begleite ich euch auf dem Weg zum Eltern sein und gebe euch wertvolle Tipps und Ratschläge! Außerdem möchte ich euch beim Sparen helfen, denn Babyspielzeug, Windeln, Klamotten und Co sind teuer genug!

Paulalankwitz

19.09.2017, 15:03

Ich hatte eine wundervolle Hebamme nach der Geburt zu Hause. Es kommen ja doch etliche Fragen auf und Unsicherheiten, gerade beim 1. Baby! Auch bei der Breieinführung war sie an unserer Seite. Schlimm ist, dass es gerade z. B. in Berlin, kaum noch Hebammen gibt.

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