Vater mit Kind

Couvade-Syndrom: Wenn Männer schwanger werden

Wenn Männern die drei Wörter „Wir sind schwanger“ über die Lippen gehen, dann wollen sie damit in der Regel nur ihre eigene Freude zum Ausdruck bringen und unterstreichen, dass sie ihre Frau oder Freundin in der kommenden Zeit tatkräftig unterstützen wollen. Es gibt allerdings auch immer wieder Männer, die diese Worte scheinbar ein bisschen zu ernst nehmen und sich ähnlich wie die Frau während der Schwangerschaft körperlich und seelisch stark verändern. Experten sprechen in diesem Zusammenhang vom sogenannten Couvade-Syndrom.
Couvade_Syndrom
Wenn man darüber nachdenkt ist es eigentlich ziemlich lustig. Der Körper der Frau verändert sich rapide und sie wird mit Hormonen überschüttet, und der Mann erlebt das Ganze einfach mit.

Wie äußert sich das Couvade-Syndrom?

Meist fängt es noch scherzhaft an, wenn sich Männer beispielsweise den eigenen Bauch tätscheln und damit verdeutlichen, dass dieser es durchaus mit dem der werdenden Mutter aufnehmen kann. Vielleicht habt ihr das ja schon mal selbst bei euch gemerkt. Achtet einfach einmal ein wenig darauf. Im weiteren Verlauf kommt es jedoch oft zu immer mehr Beschwerden, die denen der Frau erstaunlich ähnlich sind. So leiden Männer mit dem Couvade-Syndrom unter anderem unter:

 

  • Extremer Gewichtszunahme
  • Morgenübelkeit
  • Sodbrennen
  • Stimmungsschwankungen
  • Appetitveränderungen
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Reizbarkeit
  • Rührseligkeit
  • Alpträume

 

All diese und weitere Beschwerden wurden 2014 in einer indischen Studie festgehalten und dokumentiert.

Wodurch wird das Couvade-Syndrom hervorgerufen?

Die meisten Forscher gehen davon aus, dass das Couvade-Syndrom ein Ergebnis von mitfühlender Solidarität ist. Ihr fühlt und fiebert mit der Frau mit und entwickelt im Laufe der Zeit ähnliche Beschwerden wie eure Liebste. Das bedeutet auch: Je anstrengender und aufreibender die Schwangerschaft für eure Partnerin ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass ihr unter dem Couvade-Syndrom leidet und sozusagen ebenfalls schwanger seid. Besonders wahrscheinlich ist das Couvade-Syndrom daher in den ersten sowie den letzten drei Monaten der Schwangerschaft.

Die wenigen Forscher, die sich bisher mit der Thematik auseinandergesetzt haben, haben außerdem weitere Thesen rund um das Couvade-Syndrom aufgestellt. Eine davon geht davon aus, dass die Beschwerden des Mannes ein Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit sind. Immerhin ist eine Schwangerschaft für Männer eine ebenso große Umstellung wie für Frauen. Im Gegensatz zu diesen werden Männer allerdings nur sehr wenig oder gar nicht beachtet. Eure Partnerin wird schließlich meistens beglückwünscht und der Bauch getätschelt. Niemand tätschelt euch und möchte euch beobachten, wie ihr euch verändert. Daher ist das natürlich sehr verständlich.

Wie viele Männer leiden unter dem Couvade-Syndrom?

In diesem Punkt streitet sich die Wissenschaft bisher noch heftig. Es ist nämlich so, dass es bisher noch nicht viele Studien und Untersuchungen zum Thema Couvade-Syndrom gibt. Dementsprechend dünn ist auch die Fakten-Lage.

 

Wenige Studien erschweren die Ermittlung von Fakten.

Verschiedene Experten schätzen, dass zwischen 11 und 97 % aller Männer so sehr mit ihrer Frau oder Freundin mitleiden, dass sie Symptome des Couvade-Syndroms entwickeln. Diese starke Differenz macht deutlich, wie wenig Gehalt die Zahlen haben. Es kann also nach wie vor nicht eindeutig gesagt werden, wie viele Männer tatsächlich unter dem Syndrom, welches übrigens nicht als Krankheit gilt, leiden.

In einem Punkt sind sich die Forscher allerdings schon jetzt einig: Die Wahrscheinlichkeit, unter dem Couvade-Syndrom zu leiden, ist beim ersten Kind wesentlich höher als bei Weiteren.

Was bedeutet der Begriff Couvade?

Der Begriff entstand in Anlehnung an das französische Wort „couver“. Dieses bedeutet so viel wie „ausbrüten“ oder „bemuttern“ und kann sehr schnell in einen Zusammenhang mit dem hier beschriebenen Syndrom gebracht werden.

Ursprünglich bezeichnete der Begriff Beobachten aus dem Bereich der Völkerkunde. Bei der Erforschung fremder Kulturen machten Ethnologen ab dem 19. Jahrhundert immer wieder bizarre Beobachtungen, beispielsweise wie sich Männer intensiv auf die Geburt eines Kindes vorbereiteten, indem sie sich in die Rolle der Mutter versetzten. In der westlichen Kultur galten diese Verhaltensmuster bis weit ins 21. Jahrhundert hinein als extrem merkwürdig. Hier galt der Mann beziehungsweise Vater stets nur als Ernährer und Oberhaupt der Familie. Eine Rolle als Erzieher oder gar Freund der Kinder hatte er hingegen nie inne.

 

Die Rolle des Mannes während einer Schwangerschaft hat sich stark verändert.

Dieser Entwicklung ist erst im Laufe der letzten Jahrzehnte mehr und mehr zu beobachten. Es wird angenommen, dass das Couvade-Syndrom im Sinne der Co-Schwangerschaft eng hiermit verbunden ist.

Vater

Was kann gegen das Couvade-Syndrom getan werden?

Da es sich hierbei um keine Krankheit und auch nicht um ein gefährliches psychisches Leiden handelt, gibt es (bisher) weder Medikamente noch eine Therapie für das Couvade-Syndrom.

Wenn es zu einer Co-Schwangerschaft  kommt, hilft es jedoch schon sehr, wenn ihr einfach mit eurer Partnerin sprecht. Hierbei ist es die Aufgabe der Frau, auf eure Sorgen, Ängste und Wünsche einzugehen und euch die Möglichkeit zu bieten, sich auszudrücken.

Auch Gespräche mit anderen Männern, die vom Couvade-Syndrom betroffen sind, können durchaus hilfreich sein.


Carina

Ich bin Carina und habe eine kleine Tochter namens Amilia. Amilia hat mein Leben, seit ihrer Geburt im März 2015, zum Positiven verändert. Ich bin eine Berufsmami und rocke somit Arbeit, Haushalt und Erziehung. Ich begleite euch gerne durch die aufregende Schwangerschaft und dem Leben mit Kind. Gerne gebe ich euch Shoppingtipps und verrate alle kleinen Haushalt-Tipps und Tricks.

Kommentar verfassen

Bild zum Kommentar hinzufügen (JPG, PNG)