Fehl- oder Totgeburt – Wenn man ein Kind verliert

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Das Traurigste, was Eltern bzw. werdende Eltern durchmachen, ist der Verlust eines Kindes durch eine Fehl- oder Totgeburt. So direkt treten Eltern dem Tod oft zum ersten Mal entgegen. Dabei sind Zeitpunkt und Umstände des Verlusts meist irrelevant – der Abschied von einem Kind ist ein tiefer Einschnitt ins Leben. Eltern müssen sich mit dem Tod auseinandersetzen. Können Eltern ihre Trauer nicht mit ihren Mitmenschen teilen oder geht das Leben um sie herum unverändert weiter, kann es oft zu Einsamkeitsgefühlen  kommen. Gerade bei einem so frühen Verlust wie bei einer Fehl- oder Totgeburt, bei dem nur die Eltern das Kind „kennen“, kommt dies häufig vor. Niemand wird nachempfinden können, was ihr wirklich fühlt. Aber um so einsamer ihr seid, um so schlimmer wird das Gefühl sein. Darüber zu reden wird euch wirklich helfen.

Der Fortschritt hat seinen Preis

Eine Garantie für eine gesund verlaufende Schwangerschaft und eine glückliche Geburt sowie ein gesundes Kind ist trotz hoch entwickelter Medizin nicht möglich. Doch genau hier liegt das „Problem“. Denn der medizinische Fortschritt lässt uns schwerer akzeptieren, dass werdendes Leben weder plan- noch berechenbar ist. Nicht alles ist „machbar“. Das sollte euch immer bewusst sein. Die Natur hat zum Glück und auch leider seine ganz eigenen Launen.

Andererseits können die Ergebnisse der modernen Medizin auch dazu führen, dass Eltern unerwartet die Entscheidung über Leben oder Tod ihres eigenen Kindes treffen müssen. So zum Beispiel, wenn durch die Pränataldiagnostik schwere Fehlbildungen beim Ungeborenen festgestellt werden, die eine medizinische Indikation zum Abbruch darstellen. Für euch ist es auch nicht wirklich einfach, zu entscheiden, welche Behandlungen ergriffen werden sollen, wenn euer Kind ein sehr kleines Frühgeborenes an der Grenze des Überlebens ist oder Fehlbildungen zeigt. Die Hoffnung auf das Überleben eures Engels ist dabei oft mit einer hohen Bereitschaft des Leidens und einem hohen Einsatz verbunden, was nicht immer wie erhofft gelingt. Entscheidungen treffen zu müssen ist immer hart. Die Situtaion an sich wird für euch nicht einfach sein.

Besondere Verbundenheit zum Ungeborenen Kind

Kündigt sich ein Kind an, heißt ihr es natürlich willkommen. Meist habt ihr innerhalb kürzester Zeit eine genaue Vorstellung davon, wie das Leben mit dem Kind in Zukunft sein wird. Schon früh erhält es in der Familie seinen Platz. Natürlich lassen sich viele Frauen auch nicht aufhalten bereits zu Beginn der Schwangerschaft schon einige Babysachen zu kaufen. Auch die Familie weiß nach einiger Zeit bescheid und freut sich mit euch.

Es kommt manchmal als Wunschkind, manchmal auch als „ungeplantes“ Kind mit ein wenig Sorgen. Dennoch wächst immer eine besondere Verbundenheit mit diesem Kind heran, das Schicksal des Kindes verknüpft sich dabei mit dem eigenen Lebensweg.

Vor allem zwischen euch und dem Kind besteht eine besonders tiefe Verbundenheit, seid ihr euch doch so nahe, wie sonst kein Mensch dem Anderen. Körperlich und auch seelisch wird das Kind von euch „umhüllt“, über die Plazenta erhält es alle lebensnotwendigen Nährstoffe sowie Sauerstoff. Auch Glücks- und Stresshormone erfährt euer Baby. Schon frühzeitig nehmen die meisten werdenden Mütter „Kontakt“ mit ihrem Kind auf, bei dem sich zwischen den beiden eine leise, bewusste und auch unbewusste Zwiesprache entwickelt. An diesem Austausch beteiligen sich in der Regel natürlich auch Väter sowie Geschwisterkinder.

Früh- oder Totgeburt – Wenn die gemeinsame Zukunft geraubt wird

Treten plötzlich Blutungen auf, verspürt die werdende Mutter keine Bewegungen des Kindes mehr oder sind keine Herztöne mehr zu hören, sind dies sehr beunruhigende Anzeichen. Oft gibt es auch keine Zeichen, die werdende Mutter fühlt sich nur ungut. Panik bricht aus. Verständlicherweise. In einer Schwangerschaft gibt es keine größere Sorge als die um das Kind. Und das Schlimmste dabei… das ist etwas, was man meistens leider kaum beeinflussen kann. Oder aber im Ultraschall zeigten sich bei einer routinemäßigen Vorsorgeuntersuchung Auffälligkeiten. Auch ausweichende oder beschwichtigende Antworten der Ärztin bzw. des Arztes können Unsicherheit hervorrufen.

Bestätigt eine gezielte Ultraschalluntersuchung, dass das Kind bald sterben wird oder schon nicht mehr lebt, fallen werdende Eltern in ein tiefes Loch. Wie verabschiedet man sich von einem Kind, das man leider niemals wirklich in den Armen halten konnte? Es ist nichts mehr wie vorher, die gemeinsame Zukunft mit dem Kind wird den Eltern regelrecht „geraubt“. Hoffnungen, Pläne, Vorstellungen – alles, was sich werdende Eltern über das Leben mit dem Kind ausgemalt haben, fällt in sich zusammen. Was wäre aus dem Kind geworden? Was wären seine Träume und Wünsche gewesen? Was wäre wenn..?

Früh- und Totgeburten oft noch ein Tabuthema

Noch gibt es keine „Vorbilder“, von denen wir lernen können, mit einem solch schweren Schicksalsschlag umzugehen. Der frühe Tod eines Kindes ist noch immer ein Tabuthema, die wenigstens Mütter – und noch weniger Väter – sehen ihr verstorbenes Kind. Es war zum Teil sogar üblich, die Entbindung zur Schonung der Frau unter Vollnarkose durchzuführen. Der Mutter sollte der Anblick erspart bleiben.

Trost, Mitgefühl, Anteilnahme – das war in den letzten Generationen bei einem solchen Schicksal meist nicht zu erwarten, auch nicht von der Familie. Die Möglichkeiten, offen um sein verstorbenes Kind zu trauern und sich von ihm zu verabschieden, waren dürftig. Erst seit etwa den 80er Jahren hat sich eine Trauerkultur entwickelt, bei der es den Eltern ermöglicht wird, um ein viel zu früh verstorbenes Kind zu trauern.

Denkt daran..

es ist nicht eure Schuld. Ein Kind zu verlieren ist schlimm genug. Vor allem die Frage „warum“ quält einen. Aber für dieses schreckliche Ereignis gibt es meistens keinen Grund. Und vor allem keinen Schuldigen. Jemanden die Schuld zuzuweisen wird die Angelegenheit nicht verbessern sondern erschweren. In dieser schweren Zeit ist es wichtig zusammen zu halten. Unterstützt euch gegenseitig und gebt euch Sicherheit.

Die bereits gekauften Babysachen erleichtern den Verlust natürlich nicht. Und doch sind es irgendwo schöne Erinnerungsstücke oder Hoffnungsblicke. Aufgrund einer Fehlgeburt seid ihr natürlich nicht Unfruchtbar. Ihr könnt trotzdem eure geplante Zukunft mit einem Kind erhalten. So kurz nach dem Verlust werdet ihr euch wahrscheinlich nicht vorstellen können noch einmal schwanger zu werden. Aber irgendwann wird der Wunsch überwiegen.

Holt euch Hilfe..

Auch wenn es sich bei diesem Thema oftmals um ein Tabuthema handelt, gibt es in vielen Gemeinden und Vororten Selbsthilfegruppen. Am meisten hilft es, sich mit Menschen zu unterhalten, die tatsächlich nachempfinden können, was man selber gerade fühlt. Eine Selbsthilfegruppe nimmt euch außerdem das Gefühl alleine zu sein. Ihr seid nicht alleine, niemals. Eure Familie und Freunde werden euch beistehen, aber wirklich nachempfinden können es eben Menschen, denen das gleiche Schicksal ereilte. Ihr könnt euch gegenseitig unterstützen und wieder auf die Beine helfen, im Alltag, körperlich und auch emotional. Solltet ihr in der Nähe keine Selbsthilfegruppe finden, gibt es auch unzählige Gruppen in den sozialen Netzwerken, in denen Mitglieder Trauer und Leid mit euch teilen. Nehmt die Hilfe offen an. Niemand wird euch den Schmerz nehmen können, aber ihr werdet den Schmerz nicht allein auf euren Schultern tragen müssen.

Häufig gestellte Fragen und Antworten

Eine Tot- oder Fehlgeburt ist ein derber Schicksalsschlag. Allein die Angst davor versetzt viele Schwangere schon in Panik. Wir klären ein paar Fragen für euch, damit ihr euch mit dem Thema besser auseinandersetzen könnt.

Was ist der Unterschied zwischen Fehl- und Totgeburt?

Eigentlich ist die Erklärung ziemlich einfach. Der Unterschied besteht eigentlich lediglich im Medizinischen. Bei einer Totgeburt wird eine Schwangerschaft nicht vollständig ausgetragen. Es erfolgt daher eine Geburtseinleitung. Eine Fehlgeburt wiegt unter 500 Gramm und ist vor der 24 Schwangerschaftswoche geboren. Nach der 24 Schwangerschaftswoche spricht man von einer Totgeburt. Eine Totgeburt muss zum Beispiel auch beim Standesamt registriert werden.

Wie ist es mit dem Mutterschutz bei einer Totgeburt?

Bei einer Fehlgeburt (unter 500g) bekommt die Frau keine Schutzfristen. Stand die Fehlgeburt allerdings unter seelischen und körperlichen Belastungen, so kann sie arbeitsunfähig krank geschrieben werden.

Bei einem Geburtsgewicht zwischen 500g bis 2.500g, spricht man von einer Frühgeburt. Hier hat die Frau einen Anspruch auf 12 Wochen Mutterschutz nach der Geburt auch wenn das Kind tot geboren wurde oder kurz nach der Geburt verstarb.

Ab 2.500g Geburtsgewicht besteht eine achtwöchige Schutzfrist. Natürlich haben die Frauen auch Anspruch auf die sechswöchige Schutzfrist vor der Geburt.

Frauen, die eine Totgeburt erleiden, aber ausdrücklich wünschen, zur Arbeit zurückzukehren, können dies frühestens ab der dritten Woche nach der Entbindung tun. Dafür brauchen sie aber ein ärztliches Attest, dass nichts dagegen spricht.

Ab welcher Woche sinkt das Fehlgeburtsrisiko?

Allgemein wird gesagt ab der 12. SSW sinkt das Fehlgeburtsrisiko rapide. Der Fötus ist in diesem Stadium schon ziemlich weit ausgebildet und das kleine Herzlein schlägt kräftig. Daher sollte man auch erst nach der 12. SSW Freunde und Bekannte über die Schwangerschaft informieren. Ausschließen kann man eine Fehl- oder Totgeburt natürlich nie.

Kann man die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt senken?

Ja natürlich, aber nur in begrenzter Weise. Eine gesunde Ernährung ist auch für eine gute Schwangerschaft wichtig. Zusätzlich könnt ihr Folsäure zu euch nehmen. Natürlich ist eines ganz wichtig – weder rauchen, noch Alkohol oder Drogen nehmen.

Solltet ihr schon einmal eine Fehl- oder Totgeburt erlebt haben, lasst euch von eurem Frauenarzt beraten, es kann sein, dass ihr zusätzlich Hormone zur Sicherheit bekommt.

Warum muss ein totes Kind manchmal auf natürlichem Weg geboren werden?

Zum einen darf man nach einer natürlichen Geburt schneller wieder schwanger werden. Nach einem Kaiserschnitt sollte ein Jahr gewartet werden, bis man wieder schwanger wird. Die Kaiserschnittnarbe wird durch die Schwangerschaft einfach zu sehr gedehnt und kann wieder aufreißen. Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff, und somit immer mit vielen Risiken verbunden.

Ab wann kann man nach einer Fehlgeburt versuchen erneut schwanger zu werden?

Wenn ihr emotional dazu in der Lage seid, gibt es eigentlich keine besonderen Wartezeiten. Empfohlen sind drei Monate, um die Erlebnisse zu verarbeiten und dem Körper ein wenig Ruhe zu gönnen. Aber wenn ihr euch wohl fühlt und bereit seid, ist es kein Muss, diese Monate abzuwarten.

Zahlen und Fakten

Wie  bereits häufiger erwähnt bemerken viele Frauen eine Fehlgeburt im frühen Stadium nichtmal. Trotzdem wurden viele Studien rundum das Thema Fehlgeburten erstellt. Somit erleben ca. 30 % der Frauen in ihrem Leben mindestens eine wahrscheinlich aber sogar mehrere Fehlgeburten. Hiebei sprechen wir von den Frauen, die nichts von der Fehlgeburt wissen, also erfolgt der Abort in den ersten 2-4.

Ca. 15 – 20 % der Frauen, bei denen bereits eine Schwangerschaft festgestellt wurde, erleben ebenfalls eine Fehlgeburt. Sie bekommen diese also mehr oder weniger bewusst mit.

Irgendwie ist es erschreckend und erleichternd zu gleich, dass die Hälfte aller Fehlgeburten unbemerkt bleiben.


Carina

Ich bin Carina und habe eine kleine Tochter namens Amilia. Amilia hat mein Leben, seit ihrer Geburt im März 2015, zum Positiven verändert. Ich bin eine Berufsmami und rocke somit Arbeit, Haushalt und Erziehung. Ich begleite euch gerne durch die aufregende Schwangerschaft und dem Leben mit Kind. Gerne gebe ich euch Shoppingtipps und verrate alle kleinen Haushalt-Tipps und Tricks.

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