Quietscheentchen Arzt und Krankenschwester

Wo bekomme ich mein Kind? Vor- und Nachteile von Klinik und Geburtshaus

Klinik oder Geburtshaus oder gar Hausgeburt? Diese Frage stellte sich für mich während der ersten Schwangerschaft gar nicht. Eher war ich daran interessiert, in welchem Krankenhaus ich unsere Tochter zur Welt bringen möchte. Meine Nachbarin schwärmte damals für die Hausgeburt und von Geburtshäusern hatte ich bis dato noch gar nichts gehört. Leider erkundigte ich mich damals auch gar nicht weiter, denn für mich stand die Wahl bereits fest. Wir gehen ins Krankenhaus. Schade eigentlich, denke ich heute. Bei einer erneuten Schwangerschaft würde ich alles von Grund auf noch mal neu überdenken!

Baby liegt bei Mami frisch nach der Geburt

Wo kann man hin zum Kinderkriegen?

Krankenhaus stationär

Der Klassiker. Ihr fahrt ins Krankenhaus, bekommt euer Baby und könnt nach drei Tagen (Kaiserschnitt-Mamis müssen meistens etwas länger bleiben) wieder nach Hause, sofern bei Kind und Mama keine Komplikationen auftreten. Im Krankenhaus erwartet euch somit eine komplette Versorgung. Hebammen sind stets an eurer Seite. Sollte es Probleme geben, sind auch Ärzte da. Geräte, Spezialisten und die nötige Einrichtung – ihr braucht euch wirklich keine Gedanken machen!

Krankenhaus ambulant

Entscheidet ihr euch dafür, im Krankenhaus ambulant zu entbinden, stehen euch natürlich für den Fall der Fälle auch das komplette Equipment, die Ärzte und natürlich die Hebammen zur Verfügung. Verläuft die Geburt ohne große Zwischenfälle und sind Mama und Kind fit, dürfen sie nach 4-24 Stunden wieder heim in die vertraute Umgebung. Wann es nach einer ambulanten Geburt nach Hause gehen kann, ist dabei auch ein wenig vom Geburtszeitpunkt abhängig. Wird ein Kind am Abend oder in der Nacht geboren, dann ist der Aufenthalt meist etwas länger. Natürlich ist die Dauer des Aufenthalts nach der ambulanten Geburt auch immer von der Klinik abhängig.

Während der ambulanten Geburt sind die Hebammen der Klinik natürlich die gesamte Zeit für euch da. Es ist aber auch möglich – je nach Klinik –  zur ambulanten Geburt eine eigene, freiberufliche Hebamme als Geburtsbegleitung mitzubringen.

Geburtshaus

Hat sich eine schwangere Frau für eine ambulante Geburt entschieden, kann ein Geburtshaus eine Alternative zum Krankenhaus sein. Etwa 100 Geburtshäuser gibt es aktuell in Deutschland, welche meist von mehreren Hebammen in enger Kooperation mit Ärzten betrieben werden.

Das Geburtshaus verbindet dabei ein wohnliches Ambiente mit hohen Sicherheits- und Hygienestandards.

Soll die ambulante Geburt im Geburtshaus erfolgen, sollten werdende Mütter wissen, dass die medizinischen Möglichkeiten etwas eingeschränkter sind, als das in einer Klinik der Fall ist. Dennoch steht auch hier medizinische Ausrüstung mit Sauerstoff- und CTG-Überwachungsgeräten für die gesamte Zeit der ambulanten Geburt zur Verfügung.

Geburtshäuser sind dabei auch meist nicht weit von einer Klinik entfernt, so dass auch bei einer ambulanten Geburt im Notfall eine schnelle medizinische Versorgung von Mutter und/oder Kind sichergestellt werden kann.

Bei einer Entbindung im Geburtshaus handelt es sich im Übrigen immer um eine ambulante Geburt, da Geburtshäuser nicht auf die Nachbetreuung ausgelegt sind.

Hausgeburt

Keine Entscheidung ob ambulant oder stationär. Ihr entbindet nach eurem Tempo in den eigenen vier Wänden. Für diese Entscheidung solltet ihr eurer Hebamme zu 100% vertrauen. Sie ist diejenige, die euch durch die Geburt führt und das Kind mit allem Nötigen versorgt. Für den Notfall sind Ärzte und das entsprechende Equipment nicht in Reichweite. Das heißt, sollte es mit dem Verlauf der Geburt, mit eurem Baby oder gar mit euch Mamis Probleme geben, so ist der passende Spezialist nicht sofort zur Hand. Trotzdem kann ich mir gut denken, dass eine Hausgeburt sehr ruhig und entspannt abläuft.

Bitte vergesst nicht den Nachbarn Bescheid zu geben (falls vorhanden), ansonsten kann es sein, dass die Polizei den neuen Erdenbürger als erstes begrüßen darf. Alles schon gehört 😉

Was passiert nach der ambulanten Geburt?

Ganz gleich, ob in der Klinik oder im Geburtshaus: Unmittelbar im Anschluss an die ambulante Geburt wird die U1 – also die erste Vorsorgeuntersuchung des neugeborenen Kindes – von einer Ärztin/ einem Arzt oder der Hebamme durchgeführt.

U1 und erste Versorgung nach Geburt

Kinderarzt im Vorfeld suchen!

Wer sich für eine ambulante Geburt entschieden hat, sollte schon im Vorfeld nach einem Kinderarzt suchen. Denn die U2 (zweite Vorsorgeuntersuchung), welche zwischen dem 4. und dem 10. Lebenstag nach der Geburt erfolgt, darf nur von einem Arzt durchgeführt werden. Natürlich hat jede Mutter auch nach einer ambulanten Geburt Anspruch auf die Hausbesuche einer Nachsorgehebamme während der Zeit des Wochenbetts.

Machen Kinderärzte Hausbesuche?

Achtung! Um dem kleinen Erdenbürger so viel Ruhe wie möglich zu geben, fragt, ob der Kinderarzt auch Hausbesuche macht. So müsst ihr nicht mit dem Neugeborenen in die Praxis, wo die Viren und Bakterien nur so rumschwirren.

Regelung des Wochenbettes

Gerade beim Wunsch nach einer ambulanten Geburt sollten werdende Eltern beziehungsweise Mütter schon vor der Entbindung einiges regeln, was die Zeit des Wochenbetts betrifft. So stellt sich meist die Frage, wer nach einer ambulanten Geburt den Haushalt oder auch die Betreuung und Versorgung von Geschwisterkindern übernimmt. Denn gerade nach einer ambulanten Geburt ist die Ruhe für die Mutter besonders wichtig, damit sie sich möglichst uneingeschränkt auf das Neugeborene konzentrieren kann.

Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen Krankenkassen auch für einen gewissen Zeitraum die Kosten einer Haushaltshilfe nach einer ambulanten Geburt. Natürlich kann der Vater auch helfen, vielleicht sind auch Verwandte und Freunde da, die der frischgebackenen Mutter nach der ambulanten Geburt unter die Arme greifen können.

Welche Vor- und Nachteile hat die ambulante Geburt?

Baby Erstversorgung

Vorteile der ambulanten Geburt

Eine ambulante Geburt kann durchaus Vorteile mit sich bringen. Der vermutlich größte Vorteil liegt – so haben Studien gezeigt – im Ausbleiben beziehungsweise weniger starken Auftreten von Wochenbettdepressionen. Diese treten ja meistens am dritten Tag auf, an dem Tag, wo man aus dem Krankenhaus entlassen wird. Wie schön wäre es doch, wenn man diesen Tag erst gar nicht als so stressig wahrnehmen muss und von Anfang an daheim mit dem kleinen Schatz kuscheln darf.

Babys sind wohl auch viel ruhiger und ausgeglichener, wenn sie bereits die ersten Tage in der Umgebung erleben, die ab jetzt ihr neues zu Hause sein wird. Sie können die wenige Zeit, die sie wach sind mit Mama und Papa verbringen und nicht gar im Babyzimmer oder auf der Wöchnerinnenstation.

Ich denke auch für die Mutter hat es Vorteile. Es ist ihr zu Hause und sie muss sich nicht an irgendwelche Regeln halten. So kann sie die Zeit nach vollstem Belieben für sich und ihr Kind einteilen. Noch dazu gibt es eine Beleghebamme die nach Hause kommt und die den Ton angibt. Ob Stillen oder Körperpflege, eine Meinung ist definitiv besser als 10 verschiedene Meinungen.

Oftmals hat der Papa gar keine Möglichkeit über Nacht bei seiner kleinen Familie zu bleiben. Bei einer ambulanten Geburt muss sich niemand mit der Buchung von Familienzimmern rumschlagen.

Nachteile der ambulanten Geburt

Für mich, die nur auf ihre Erfahrungen mit der stationären Geburt zurückblicken kann, ergeben sich nicht viele Nachteile.

Ich muss sagen, dass ich die Sicherheit im Krankenhaus sehr genossen habe. Ich wusste, dass egal wann, immer jemand da ist, den ich etwas fragen kann oder der mir weiterhelfen kann, würde es Probleme mit irgendetwas geben. Daheim hat man aber dafür die Hebamme, die man rund um die Uhr erreichen kann.

Ich fand es auch sehr entspannt den Besuch ins Krankenhaus einzuladen. So muss man sich daheim um nichts kümmern. Aber das sind eben alles keine wirklichen Nachteile. Kommt ganz auf das persönliche Empfinden an.

Ein kleiner weiterer Nachteil könnte sein, dass man für die U2 dann direkt schon zum Kinderarzt muss. Deshalb ist es absolut wichtig noch in der Schwangerschaft den Kinderarzt zu kontaktieren und ihm mitzuteilen, dass man gegebenenfalls für einen U2 Termin recht kurzfristig einen Termin bräuchte.

Persönliche Meinung

Wie schon erwähnt, kann ich bisher nur bei der stationären Geburt mitreden. Diese verlief, wie ihr vielleicht schon in  anderen Beiträgen raus lesen konntet, katastrophal. Wir musste quasi während der Geburt das Krankenhaus wechseln und ans andere Ende der Stadt fahren. Für mich war das eine komplett neue Umgebung (ich kannte dieses Krankenhaus nicht), neue Hebammen und Ärzte. Ja, und die Geburt war eigentlich schon im vollen Gange, als wir ankamen. Der Stress, den Kreißsaal zu suchen, und die neue Eingangsuntersuchung machte mir ganz schön zu schaffen. Nur zu gern wäre ich  in meiner vertrauten Umgebung geblieben, hätte immer mehr Wehen bekommen und letztendlich das Kind an der Seite einer mir bekannten Hebamme bekommen. Aber das Krankenhaus, wo ich angemeldet war, hatte alle Kreißsäle belegt. Wunschkrankenhaus 2 und 3 waren auch voll. So blieb mir nur die Wahl der fremden Klinik. Meine Tochter kam mit Saugglocke und Dammschnitt. Es ist glücklicherweise nicht auch noch zu einem Kaiserschnitt gekommen, aber die zwei Eingriffe nagten noch lange danach an mir. Auch die Hebamme, die mich immer wieder anschrie, verunsicherte mich in meinem Tun total.

Für eine zweite Geburt möchte ich nach meinen jetzigen Recherchen unbedingt das Geburtshaus ausprobieren. Der Schwangerschaftsverlauf sollte ja  tippitoppi sein und vorhersehbare Komplikationen würden das Ende des Projekts bedeuten. Ein Problem habe ich aber noch: Meinen Mann – Er hat Angst, dass dann doch was ist, und Ärzte nicht schnell genug ran sind.

Leider schließen aus Mangel an Hebammen nicht nur Geburtskliniken. Nein, auch Geburtshäuser haben darunter zu leiden. Wer weiß, wie sich die Situation noch entwickelt, und letztendlich kann man sich die Gedanken wahrscheinlich eh erst machen, wenn man schwanger ist und sich so langsam entscheiden muss, wo das Baby seine Äuglein zum ersten Mal außerhalb der Mami öffnen soll.


Juliane

Ich bin Juliane und Mami unserer kleinen Greta. Seit der Schwangerschaft hat sich mein Leben um 180° gedreht - gern begleite ich euch auf dem Weg zum Eltern sein und gebe euch wertvolle Tipps und Ratschläge! Außerdem möchte ich euch beim Sparen helfen, denn Babyspielzeug, Windeln, Klamotten und Co sind teuer genug!

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