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Gelb statt rosig – Gelbsucht bei Neugeborenen

Endlich habt ihr die Geburt geschafft, aber die Haut deines Babys ist gar nicht so rosig, wie man es bei einem Neugeborenen erwartet, sondern eher gelb? Das liegt höchstwahrscheinlich an der Neugeborenen-Gelbsucht. Wir sagen dir wie sie entsteht, was man dagegen tun kann und, ob sie gefährlich für dein Baby ist.

Was ist eine Neugeborenen-Gelbsucht?

Von der Neugeborenen-Gelbsucht (Ikterus neonatorum) sind tatsächlich gar nicht so wenige Babys betroffen. Sie tritt bei mehr als der Hälfte der gesunden neugeborenen Babys auf und ist recht leicht zu erkennen, da sich sowohl die Haut als auch die Augen des Säuglings gelb verfärben.

Das Wichtigste vorab: Es handelt sich bei einem Ikterus nicht um eine Erkrankung, sondern um eine Anpassungsstörung, die innerhalb der ersten Lebenstage auftritt. Die gelbliche Verfärbung ist nichts ungewöhnliches und weitestgehend normal.

Welche Ursachen hat die Neugeborenen-Gelbsucht?

Der Grund für die Gelbfärbung liegt in dem Farbstoff Bilirubin, welcher über die Leber abgebaut wird. Babys haben nach der Geburt einen Überschuss an roten Blutkörperchen. Diese zerfallen, wobei der rote Blutfarbstoff Hämoglobin in den Farbstoff Bilirubin umgewandelt wird.

Die Leber des Säuglings ist mit der Menge an Bilirubin allerdings erstmal noch überfordert, was zur Folge hat, dass sich der Farbstoff vorübergehend in der Haut und den Augäpfeln des Kindes ablagert.

Was sind die Symptome der Neugeborenen-Gelbsucht?

Die auffälligsten Symptome sind die gelbliche Färbung der Haut und der Augäpfel. Darüber hinaus verfärbt sich der Urin meist bräunlich und der Stuhlgang wird sehr hell.

 

Wie lange hält die Neugeborenen-Gelbsucht an?

Die Gelbsucht beginnt meist am zweiten bis dritten Lebenstag und erreicht am fünften Lebenstag ihren Höhepunkt. Innerhalb von 10 bis 14 Tagen ist der Farbstoff Bilirubin in der Regel meist soweit abgebaut, dass die gelbe Verfärbung verschwindet.

Bei Frühchen zeigt sich die Gelbsucht meist früher, in stärkerer Ausprägung und auch länger, da die Leber noch weniger ausgereift ist, als bei einem zeitgerecht geborenen Baby.

Wie wird die Neugeborenen-Gelbsucht therapiert?

Neugeborenes wird mit Phototherapie behandelt

Eine leichte Gelbsucht wird zunächst einmal nur beobachtet, ohne das direkt gehandelt werden muss. Per Blutuntersuchung wird die Bilirubin-Konzentration im Blut bestimmt. Bei erhöhten Bilirubin-Werten im Blut spricht man von einer  Hyperbilirubinämie. Erst, wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird, müssen weitere Maßnahmen eingeleitet werden. Dieser Wert liegt bei gesunden Babys bei 18mg/dl.

Behandelt wird die Neugeborenen-Gelbsucht mit einer Phototherapie. Also einer Lichttherapie, bei der das Kind mit blauem Licht bestrahlt wird. Das blaue Licht verwandelt das wasserunlösliche indirekte Bilirubin in ein wasserlösliches Isomer, auch Lumirubin genannt, welches dann über den Stuhlgang und Urin ausgeschieden werden kann. Je nach Ausprägung der Neugeborenen-Gelbsucht kann die Phototherapie in unterschiedlicher Intensität durchgeführt werden.

Auch wenn es sich vermeintlich nur um Licht handelt, ist die Phototherapie nicht frei von Nebenwirkungen. So müssen z.B. besonders die empfindlichen Augen der Neugeborenen durch eine spezielle Brille geschützt werden.

Was kann ich tun, um eine Neugeborenen-Gelbsucht zu vermeiden?

Frau stillt ihr Neugeborenes vor einem Fenster

Gänzlich vermeiden lässt sich die Gelbsucht nicht. Du solltest dein Neugeborenes allerdings regelmäßig stillen oder ihm die Flasche geben, um die Menge der Ausscheidungen zu erhöhen und so beim Abtransport des Bilirubins zu helfen.

Fürs Stillen bedeutet das, dass dein Baby alle 1 bis 3 Stunden trinken sollte und somit auf ca. 8-12 Mahlzeiten in 24 Stunden kommt. Bei schläfrigen Neugeborenen sollte man dementsprechend nicht unbedingt abwarten bis sie sich selbst melden, sondern je nach Trinkverhalten durchaus auch wecken.

Außerdem solltest du dein Baby häufig dem Tageslicht aussetzen, womit natürlich keine direkte Sonne gemeint ist. Es hilft bereits dein Kind in der Nähe des Fensters schlafen zu lassen oder viel mit ihm im Kinderwagen spazieren zu gehen, da UV-Licht den Abbau des Bilirubins fördert.

Ausreichende Wärme ist ein weiterer Aspekt, wenn es darum geht die Gelbsucht schnell in den Griff zu bekommen. Je weniger Energie dein Baby in das Aufrechterhalten seiner Körpertemperatur stecken muss, desto besser kann sein Stoffwechsel funktionieren. Direkter Hautkontakt zwischen Eltern und Baby bietet sich hier besonders an.

Ist die Neugeborenen-Gelbsucht gefährlich?

Normalerweise verläuft die Gelbsucht problemlos und verschwindet ohne Maßnahmen oder mit Hilfe der Phototherapie innerhalb von ca. zwei Wochen.

In schweren Fällen durch eine besonders starke oder schnell steigende Anreicherung von Bilirubin, kann es jedoch zu einem Kernikterus (Bilirubinenzephalopathie) kommen. Bei sehr hohen Werten lagert sich das Bilirubin nicht mehr nur in der Haut und den Augäpfeln ab, sondern kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sich dann ebenfalls im Hirn anreichern. Die Folge ist eine schwere Schädigung des zentralen Nervensystems mit u.U. bleibenden Behinderungen.

Bei einem Kernikterus wird das Neugeborene zunächst sehr schläfrig, es zeigt wenig Muskelspannung und ist trinkschwach. Im weiteren Verlauf ist eine zunehmende Bewusstseinseintrübung, schrilles Schreien und eine gesteigerte Muskelspannung in Form von Überstrecken der Wirbelsäule und des Halses zu erkennen. Die Bewusstseinseintrübung kann bis zum Koma oder gar zum Tod führen.

In Deutschland werden Neugeborene bezüglich ihrer Bilirubinwerte aber genau beobachtet, damit zeitnah eine nötige Therapie begonnen werden kann. Somit gibt es nur selten schwere Verläufe.

Sollte deine Hebamme bei der Nachsorge der Meinung sein, dass dein Baby zu gelb ist, wird sie euch entsprechend zum Arzt schicken. Falls du keine Hebamme hast, solltest du dein Baby selber genau beobachten und zum Arzt gehen, wenn dir etwas merkwürdig vorkommt.

 

Welche Kinder haben ein erhöhtes Risiko für eine Neugeborenen-Gelbsucht?

Gelbsucht kann jedes Neugeborene betreffen, manche haben jedoch ein erhöhtes Risiko.

Darunter fallen z.B. Frühgeborene, untergewichtige oder sehr kleine Babys. Eine Trinkschwäche mit folgender Dehydrierung kann die Neugeborenen-Gelbsucht ebenfalls begünstigen. Die Dehydrierung geht mit einer verzögerten Ausscheidung des Mekoniums, auch Kindspech genannt, einher. Über die Ausscheidungen erfolgt jedoch der Abtransport des Bilirubins.

Weitere Risikofaktoren sind eine AB0-Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind, Diabetes oder Übergewichtigkeit der Mutter oder auch ein großer Bluterguss z.B. durch eine Vakuum-Extraktion.

Begünstigt Stillen eine Neugeborenen-Gelbsucht?

Gestillte Kinder weisen etwas häufiger und teilweise auch länger eine Gelbsucht auf. Dabei wird in zwei Formen unterschieden:

Still-Ikterus

Der Still-Ikterus (auch früher Muttermilch-Ikterus genannt) wird durch eine zu geringe Versorgung mit Muttermilch verursacht. Das kann an einem zu späten ersten Anlegen liegen, aber auch zu seltenes Anlegen oder ein verspäteter Milcheinschuss können die Ursache sein. Das Problem liegt also nicht an der Muttermilch selbst, sondern an einer Unterversorgung mit selbiger. Dadurch hat das Baby weniger Stuhlgang und das Bilirubin lagert sich im Körper ein.

Muttermilch-Ikterus

Der (späte) Muttermilch-Ikterus tritt nur selten und in der Regel erst in der zweiten Lebenswoche auf. Er kann bis zu 8 Wochen andauern. Hier verursacht die Zusammensetzung der Muttermilch den verzögerten Abbau des Bilirubins. Die genauen Mechanismen sind bisher nicht bekannt.

Ein Abstillen ist meist nicht notwendig, jedoch kann es unter Umständen erforderlich sein ergänzend Säuglingsnahrung in geringen Mengen zu füttern oder eine vorübergehende Stillpause einzulegen und den Bilirubin-Abbau durch Säuglingsnahrung zu beschleunigen.

Wenn du eine Stillpause machen musst und anschließend mit dem Stillen fortfahren möchtest, solltest du in der Zwischenzeit die Brust regelmäßig per Hand oder Milchpumpe entleeren, damit die Milchbildung aufrecht erhalten wird.


Katharina

Ich heiße Katharina und bin seit 2017 stolze Mama einer sehr agilen, kleinen Quasselstrippe. Still sitzen oder still sein? Fehlanzeige! Der kleine Mann hat unser Leben komplett auf den Kopf gestellt und bereichert es Tag für Tag. Ich freue mich dich mit Tipps und Tricks durch die aufregende Zeit von Schwangerschaft bis Kleinkindalter zu begleiten.

Gina_Sbg

04.10.2022, 06:40

hatten bei uns beide Kinder zum Glück nicht

Profilbild von ZimNi

ZimNi

30.09.2022, 22:03

Meine Tochter war auch betroffen. Musste zweimal unter das Licht. Jeweils 24 Stunden. Sie war sehr klein und leicht, daher wahrscheinlich. Aber alles gut gegangen, letzten Sonntag ist sie 6 Jahre geworden.

evafl21

29.09.2022, 20:17

wir hatten da wohl echt Glück und waren nicht betroffen

Kaddarina

29.09.2022, 06:32

Bei uns waren beide Kinder davon betroffen 🙈

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