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Pseudokrupp bei Babys & Kindern

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Die meisten Eltern fürchten sie: die Erkältungszeit. Manche Eltern fürchten die kalte Jahreszeit aber sogar noch mehr als andere. Und zwar die, deren Kinder unter Pseudokrupp leiden.

Du hast noch nie von Pseudokrupp gehört? Das macht nichts. Pseudokrupp gehört zu diesen Dingen, die man vielleicht noch aus seiner eigenen Kindheit kennt, wen man selbst betroffen war, oder erst kennenlernt, wenn die Pseudokrupp-Anfälle das eigene Baby oder Kleinkind heimsuchen.

 

Was ist Pseudokrupp?

Mädchen hustet in die Hand beim Arzt

Bei Pseudokrupp (stenosierende Laryngitis) handelt es sich um eine Erkrankung der oberen Atemwege, bei der die Schleimhäute im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder entzündet sind und anschwellen.

Durch die Schwellung der Schleimhaut werden die Atemwege verengt und es entsteht (in schweren Fällen lebensgefährliche) Atemnot, wodurch der für Pseudokrupp charakteristische bellende Husten ausgelöst wird.

Was ist der Unterschied zwischen Pseudokrupp und Diphterie?

Nicht zu verwechseln ist Pseudokrupp mit der Epiglottitis (akute Entzündung des Kehldeckels) oder der Diphterie, welche auch als Krupphusten oder Echter Krupp bezeichnet wird. Beim echten Krupp handelt es sich um eine akute Kehlkopfentzündung, welche tödlich enden kann. Glücklicherweise ist der Echte Krupp in Deutschland dank Diphterie- und Hib-Impfung sehr selten geworden.

 

In welchem Alter tritt Pseudokrupp auf?

Baby weint auf Papas Arm

Besonders betroffen von Pseudokrupp sind Babys und Kleinkinder. Statistisch gesehen trifft es Jungen häufiger als Mädchen.

In der Regel verwächst sich der Pseudokrupp bis zum sechsten Lebensjahr. Je älter und größer ein Kind ist, desto weniger eng sind die anatomischen Verhältnisse im Bereich des Kehlkopfes. Mit zunehmenden Alter wird das Zuschwellen der Atemwege mit einhergehender Atemnot also unwahrscheinlicher.

Wodurch wird Pseudokrupp ausgelöst?

Viren, Bakterien
Luftverschmutzung
Zigarettenrauch
Heizungsluft

Im Herbst und Winter sind wir besonders anfällig für Infektionen. Das gilt natürlich auch für unsere Kleinen. Die häufigste Ursache für das Entstehen von Pseudokrupp sind Viren. Seltener sind Bakterien oder Allergien die Verursacher. Dabei muss gar nicht zwingend ein schwerer Infekt vorliegen. Schon ein simpler Schnupfen kann einen Pseudokrupp-Anfall auslösen.

Auch die Qualität der Umgebungsluft kann ausschlaggebend sein. So können Luftverschmutzungen und insbesondere auch Zigarettenrauch durchaus das Entstehen von Pseudokrupp begünstigen. Kinder, die in „Raucherwohnungen“ leben, sind daher besonders gefährdet.

Ein weiterer Faktor ist die trockene Heizungsluft im Herbst und Winter. Dadurch werden die Schleimhäute trockener und wir sind generell anfälliger für Erkältungskrankheiten.

Wie äußert sich ein Pseudokrupp-Anfall?

Bereits erkrankt (Erkältung)
beginnt meistens nachts
Husten beginnt
Panik entsteht

Häufig ist es so, dass einem Pseudokrupp-Anfall ein Atemwegsinfekt vorangeht und dein Kind bereits krank ist. Das kann Schnupfen, Heiserkeit und Husten sein, eventuell auch Fieber.

Pseudokrupp-Anfälle entstehen in den meisten Fällen nachts. Das liegt zum Einen daran, dass nachts weniger entzündungshemmendes Cortisol produziert wird und zum Anderen wirkt das flache Liegen begünstigend.

Oftmals werden die Kinder wach, weil sie schlecht Luft bekommen. Sie beginnen zu husten und damit beginnt meist der Teufelskreis. Die Kinder merken, dass sie nur schwer Luft bekommen und werden panisch. Beginnen sie dann zu weinen und schreien, verstärkt sich die Atemnot immer mehr. Sei dir bewusst, dass dein Kind in dieser Situation akute Erstickungsängste hat, wobei Babys und Kleinkinder das natürlich nicht äußern können und daher schreien.

Oberste Priorität für dich bei einem Pseudokrupp-Anfall ist Ruhe zu bewahren und diese auf dein Kind zu übertragen!

 

Typische Symptome von Pseudokrupp

Heiserkeit
quietschige Stimme
bellender Husten
pfeifendes Geräusch beim Einatmen (inspiratorischer Stridor)
Atemnot
Erstickungsangst

Es ist übrigens nicht unüblich, dass Kinder trotz nächtlicher Pseudokruppanfälle tagsüber gut drauf sind und ziemlich fit erscheinen.

Wie klingt Pseudokrupp-Husten?

Der typische Krupphusten unterscheidet sich deutlich von normalem Husten. Er erinnert stark an einen bellenden Seehund und kann sehr bedrohlich wirken. Im Gegensatz zum Asthma ist bei Pseudokrupp das Einatmen erschwert und nicht das Ausatmen.

Wie viele Nächte tritt Pseudokrupp auf?

Auch wenn dein Kind am nächsten Tag sehr fit erscheint und vermeintlich gesund ist, solltest du dich darauf einstellen, dass die Anfälle häufig zwei bis drei Nächte in Folge auftreten. Besprich dich am besten mit deinem Kinderarzt, wie ihr vorgehen wollt.

Kann ich einem Pseudokrupp-Anfall vorbeugen?

Hygieneregeln beachten
Frische Luft im Kinderzimmer
Feuchte Luft im Kinderzimmer
Mit erhöhten Oberkörper schlafen

Der eigentlichen Erkrankung vorzubeugen ist natürlich nicht ganz so einfach. Allgemein macht es Sinn, sich an die gängigen Hygieneregeln zu halten. Häufiges Händewaschen, Kontakt zu erkrankten Personen meiden etc.

Um den Symptomen des Pseudokrupps vorzubeugen, solltest du für viel frische und feuchte Luft im Kinderzimmer sorgen. Das schaffst du durch geöffnete Fenster und nasse Tücher im Raum.

Außerdem sollte dein Kind nicht komplett flach, sondern mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen.

Oberste Regel ist, die Luft so schadstoffarm wie möglich zu halten. Wenn dein Kind unter Pseudokrupp leidet, solltest du also unbedingt auf das Rauchen verzichten, um die Atemwege deines Schatzes zu entlasten.

Was tue ich bei einem Krupp-Anfall?

Baby hustet in Mamas Arm

Ruhe bewahren
aufrechte Position einnehmen
an die frische Luft gehen
ggf. Krankenwagen holen

Wie bereits erwähnt: In erster Linie Ruhe bewahren, auch wenn dir die Situation Angst macht!

Bringe dein Kind schnell in eine aufrechte Position, die das Atmen erleichtern sollte. Am besten hast du es aufrecht auf dem Arm. Durch die Nähe zu dir, wird sich dein Kind wahrscheinlich schneller beruhigen.

Ebenfalls wichtig ist, dass dein Kind jetzt nach Möglichkeit viel frische, kühle Luft einatmen kann. Stelle dich also mit ihm an ein offenes Fenster oder gehe direkt mit ihm vor die Tür. Passe dabei natürlich auf, dass es sich nicht verkühlt. Da bei einem akuten Anfall meist keine Zeit und Ruhe zum Anziehen ist, wickelst du dein Kind am besten gut in eine Decke ein.

Die Symptome sollten nun zeitnah nachlassen. Bei einem schweren Verlauf mit starker Atemnot solltest du einen Krankenwagen rufen. Das ist insbesondere der Fall, wenn dein Kind blass wird, die Lippen sich bläulich verfärben und die Ansprechbarkeit nachlässt. Es besteht dann akute Erstickungsgefahr.

Hat sich dein Schatz wieder etwas beruhigt und kann besser atmen, kannst du ihm in kleinen Schlucken etwas Wasser oder Tee anbieten. Aber bitte keine Milch, da diese zusätzlich verschleimend wirken kann.

Wenn ihr es schon mal mit einem Pseudokrupp-Anfall zu tun hattet, wird der Kinderarzt dir wahrscheinlich Notfall-Medikamente in Form von Kortison-Zäpfchen oder Kortison-Saft mitgegeben haben. Scheue dich nicht das Kortison auch einzusetzen! In der Akuttherapie hat Kortison i.d.R. keine Nebenwirkungen, kann jedoch lebensrettend sein!

Welches Medikament für euch am besten funktioniert, musst du eventuell herausfinden. Wenn dein Kind ohnehin eine Abneigung gegen Zäpfchen hat, kann es passieren, dass es sich während eines Anfalls dadurch nur noch mehr aufregt, was die Atemnot verschlimmern kann. Manche Kinder befördern Zäpfchen auch direkt wieder heraus. Wieder andere Kinder sperren sich dagegen Saft zu trinken.

Oft stolpert man in den Weiten des Internets über den inzwischen veralteten Tipp mit dem Kind ins Badezimmer zu gehen und die Dusche mit heißem Wasser laufen zu lassen. Durch die feuchtwarme Luft soll der Krupp-Anfall gelindert werden. Es ist jedoch nicht unüblich, dass das genaue Gegenteil bewirkt wird. Frischer, kalter Luft ist daher der Vorzug zu geben.

Erste Hilfe bei Pseudokrupp

Ruhe bewahren und auf das Kind übertragen
Kind in eine aufrechte Position bringen
frische, kalte Luft einatmen lassen
ggf. kortisonhaltige Notfallmedikamente verabreichen
bei abklingen der Symptome kleine Schlucke kalter Flüssigkeit anbieten (keine Milch!)
bei starker Atemnot umgehend Krankenwagen rufen (Kind wird blass, blaue Lippen, Ansprechbarkeit lässt nach)

Was tue ich nach einem Pseudokrupp-Anfall?

Je nach Schwere des Anfalls sollte das Kind noch in der Nacht oder am nächsten Morgen einem Arzt vorgestellt werden. Er kann prüfen, ob es sich wirklich um einen Pseudokrupp-Anfall gehandelt hat oder eine andere Krankheit wie z.B. Diphterie oder Epiglottis vorliegt.

Wenn dein Kind das erste Mal Pseudokrupp hat, solltest du auf jeden Fall mit ihm zu Kinderarzt!

Wie lange ist Pseudokrupp ansteckend?

Zunächst einmal muss die Frage gestellt werden, ob Pseudokrupp überhaupt ansteckend ist. Die Antwortet lautet: Jein.

Pseudokrupp an sich ist vielmehr ein Symptom als eine eigenständige Krankheit. Der eigentliche Infekt ist aber sehr wohl ansteckend. Wie jede virale oder bakterielle Infektion, z.B. ausgelöst durch Influenza-Viren oder RS-Viren, kann die Erkrankung u.a. durch Husten, Niesen oder Schmierinfektionen weitergegeben werden.

Dein Kind ist also durchaus ansteckend, nur wird nicht zwangsläufig auch der Pseudokrupp im speziellen an andere weitergeben. Es kann also passieren, dass andere Kinder zwar krank werden, es bei ihnen aber bei Husten und Schnupfen bleibt. Umgekehrt kann sich dein Kind bei einem anderen Kind mit einer harmlosen Erkältung anstecken, selber aber Pseudokrupp entwickeln.

Generell ist dein Kind während der kompletten Dauer der Infektion ansteckend und sollte daher am Besten zuhause bleiben.

Ist Pseudokrupp gefährlich?

Auch wenn Pseudokrupp oft verhältnismäßig harmlos verläuft, sollte er auf keinen Fall unterschätzt werden. Sei dir bewusst, dass die akute Entzündung und das Anschwellen der Schleimhaut zu sehr starker Atemnot bis hin zum Ersticken führen kann.

Leite bei den ersten Anzeichen also direkt Gegenmaßnahmen ein und zögere im Zweifelsfall nicht den Krankenwagen zu rufen!

 

Helfen Globuli bei Pseudokrupp?

Da die Gefahr von Pseudokrupp nicht zu unterschätzen ist und es für die Wirkung von Globuli keinerlei nachweisbare medizinische Wirkung gibt, raten wir dringend davon ab einen Anfall mit Globuli zu behandeln. Greife stattdessen bitte in Absprache mit deinem Kinderarzt auf die gängigen und erprobten Mittel zur Behandlung eines Pseudokrupp-Anfalls zurück.

Eigene Erfahrungen

Auch wir werden Zuhause regelmäßig von Krupp-Anfällen heimgesucht. Der erste Anfall trat mit gut 1,5 Jahren auf. Untypisch war, dass der Husten sich zum ersten Mal morgens nach dem Aufwachen zeigte und dann erneut nach dem Mittagsschlaf. Natürlich musste das ganze an einem Freitag passieren und so sind wir mit dem Kleinen in die Notfallpraxis gefahren.

Vor Ort hatten wir dann das „Glück“, dass er bei der Untersuchung geweint hat und dabei beim Einatmen das typische Bellen zeigte. So konnte der Arzt unkompliziert die richtige Diagnose stellen und uns Notfall-Zäpfchen mitgeben.

Ebenfalls untypisch war, dass das Kind bis dahin gar nicht besonders krank war. Erst im Laufe des Wochenendes verschlechterte sich der Zustand mit Fieber und starkem Husten tagsüber. Montags stellte der Kinderarzt die Diagnose Bronchitis, worauf es dann ein Antibiotikum gab.

Auch heute ist es noch so, dass Pseudokrupp bei uns oft eins der ersten Symptome einer kommenden Erkrankung ist und die Anfälle aus heiterem Himmel auftreten. Wir hatten auch bereits mehrmals die Situation, dass das Kind zwar augenscheinlich gesund ist, aber sich die Stimme abends plötzlich verändert. Er wird dann minimal heiser und etwas quietschig. Wer ihn nicht gut kennt, wird das gar nicht bemerken, aber wir wissen so abends schon was uns nachts bevorsteht. Am nächsten Tag zeigt sich dann i.d.R. eine Erkältung.

Bei uns wurden die Anfälle auch gefühlt von Mal zu Mal schlimmer und sie treten inzwischen eigentlich immer 2 bis 3 Tage in Folge auf. Auch, wenn wir einen Anfall nachts schnell und ohne Medikamente in den Griff bekommen, geben wir daher nach Rücksprache mit unserem Arzt am nächsten Abend ein Zäpfchen. Einfach, um dem kleinen Mann weitere Erstickungsängste zu ersparen.

Diese Jahr hat uns der erste Anfall bereits im im August heimgesucht. Eigentlich handelte es sich noch gar nicht um einen richtigen Anfall, aber im Schlaf trat der typische Krupphusten auf und der Kleine wurde zunehmend unruhiger. Ich muss sagen, dass die fehlende kalte, frische Luft draußen mir doch etwas Angst gemacht hat. Es war sehr feuchtwarm zu der Zeit und erfahrungsgemäß hilft kalte Luft unserem Sohn sehr gut.

Wir haben es dann geschafft ihm noch schlafend ein Kortisonzäpfchen zu geben und konnten dadurch verhindern, dass er mit Pseudokrupp wach wird und sich die Situation verschlechtert. Die Zäpfchen sind inzwischen bei allen Auswärtsübernachtungen unser ständiger Begleiter – völlig unabhängig von der Jahreszeit.

Die Anfälle verlaufen eigentlich nie gleich. Mal sind sie leichter und manchmal wirklich bedrohlich. Man lernt als Eltern aber mit der Zeit Ruhe zu bewahren und diese auf das Kind zu übertragen. Mit jedem Anfall kommt etwas mehr Routine.

Dennoch sollte man die Situation auf keinen Fall unterschätzen und auf die leichte Schulter nehmen. Besonders, wenn es um Atemnot geht, sollte man lieber einmal zu oft als einmal zu wenig den Krankenwagen rufen.


Katharina

Ich heiße Katharina und bin seit 2017 stolze Mama einer sehr agilen, kleinen Quasselstrippe. Still sitzen oder still sein? Fehlanzeige! Der kleine Mann hat unser Leben komplett auf den Kopf gestellt und bereichert es Tag für Tag. Ich freue mich dich mit Tipps und Tricks durch die aufregende Zeit von Schwangerschaft bis Kleinkindalter zu begleiten.

evafl21

07.10.2021, 10:20

Spannend darüber zu lesen, habe schon mal etwas davon gehört.

Kaddarina

07.10.2021, 08:39

Danke für dem tollen informativen Artikel!

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