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Was passiert wenn mein Kind zum Waisen wird?

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Viele Eltern denken, dass die Taufpaten die Fürsorgepflicht der Kinder übernehmen, wenn ihnen selber etwas passiert. Das war früher mal so. Heutzutage bedarf es einigen gesetzlichen Herausforderungen, die Zukunft der Kinder abzusichern, falls einem selber etwas passiert.

Wer für eure Kinder sorgen darf, wenn diese zu Waisen werden und was ihr vorbereitend tun könnt, erfahrt ihr in diesem Ratgeber Artikel.

Trauriger Junge

Es ist eines der Themen, worüber man sich eigentlich keine Gedanken machen möchte, weil euch als Eltern natürlich niemand ersetzen kann. Trotzdem hält das Leben leider auch manchmal einige Schicksalsschläge bereit und deshalb ist es wichtig, sich auch damit auseinanderzusetzen.

Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung werden jährlich 1.000 Kinder zu Vollwaisen. Mich schockiert diese Zahl total und bringt mich wirklich dazu Überlegungen für eine Vorsorge zu treffen.

Was ist ein Vormund?

Als Vormund wird diejenige Person bezeichnet, die sich anstelle der Eltern um die personen- und vermögensrechtlichen Angelegenheiten der Kinder kümmert.  (BGB § 1793) Der Vormund ist nicht automatisch dazu verpflichtet, dass das Kind auch bei ihm wohnen muss. Er kann es anstelle dessen auch in einem Heim oder bei einer Pflegefamilie unterbringen.

Wer ist für meine Kinder zuständig für den Fall, dass ich sterbe?

Nichts wäre schlimmer für die Kinder, als wenn es die eigenen Eltern plötzlich nicht mehr geben würde. Schreckliche Vorstellung, eure Liebsten auf einmal mutterseelenallein zu wissen. Man kann, wie schon erwähnt, im Testament festhalten, wer als rechtlicher Vormund der Kinder eintreten soll, falls den Eltern etwas zustößt.

Gibt es kein Testament, wird das Jugendamt mit der Aufgabe beauftragt, jemanden zu finden. Meistens schaut das Jugendamt in der verbleibenden Familie, selten sogar im Freundeskreis.

Findet sich niemand (Personen zu jung / zu alt, es gibt keine nahen Angehörigen…), übernimmt das Jugendamt selbst, oder mit Jugendarbeit beauftragte Vereine, die Vormundschaft. Gegebenenfalls landen eure Kinder so bei wildfremden Menschen.

Was passiert, wenn ein Elternteil stirbt…

Stirbt ein Elternteil, bekommt das andere Elternteil das volle Sorgerecht, auch bei getrennt lebenden, unverheirateten oder geschiedenen Personen. Sprechen allerdings handfeste Argumente, die das Kindswohl gefährden, dagegen, so bekommt der andere Elternteil nicht das volle Sorgerecht.

Traurige Kinder umarmen ihre Mutter

Gab es nie ein gemeinsames Sorgerecht, so bekommt es der Vater nach dem Tod der Mutter nur, wenn es auch dem Kindswohl dient. Das heißt, wenn sich der Vater bisher auch immer um das Kind gekümmert hat, wird er auch vom Gericht als Bezugsperson des Kindes gesehen und hat damit gute Chancen.

Hat er sich allerdings nie um das Kind gekümmert, wird er vermutlich auch mit dem Tod der Mutter kein Sorgerecht bekommen. Lebte die Mutter schon einige Zeit mit einem anderen Partner zusammen (vielleicht sogar in einer Patchworkfamilie) und stirbt, kann dieser bei Beweislegung, dass das Kind nicht aus seiner festen Familienstruktur gerissen werden soll, auch als Vormund in Frage kommen.

Wenn beide Elternteile sterben…

Sterben beide Elternteile und die Kinder werden zu Waisen, so wird trotzdem zunächst in der Familie nach dem an eure Stelle tretenden Vormund geschaut. Leider kann das Vormundschaftsgericht keine eventuellen Probleme oder Familienzwistigkeiten berücksichtigen.

Schaut doch nur mal in eure Familie. Würdet ihr eure Kinder sofort in die Obhut eines beliebigen nahen Verwandten geben, etwa euren eigenen Eltern oder den Schwiegereltern? Denkt daran, sollte diese Entscheidung aufgrund eures Todes getroffen werden, könnt ihr nicht mehr entscheiden.

Wie funktioniert eine Sorgerechtsverfügung?

Erklärt ihr per Testament eine Person als Vormund eurer Kinder, für den Fall euch sollte etwas geschehen, so spricht man von einer Sorgerechtsverfügung. Nach ausführlichen Recherchen würde ich diese Vorgehensweise wirklich empfehlen.

Denkt immer daran. Das Jugendamt sieht nur eine Momentaufnahme eurer Familie und hört gegebenenfalls verschiedene Meinungen und Argumente. Aufgrund dessen und der gemachten Eindrücke muss es dann entscheiden, was mit der Zukunft eurer Kinder geschieht. Auch wenn für euch die Sache klar ist, kann es letztendlich ganz anders kommen. Deshalb würde ich in jedem Fall vorsorgen.

Dokumente ausfüllen

Eine rechtskräftige Sorgerechtsverfügung wird entweder vom Notar beglaubigt oder komplett per Hand geschrieben und unterschrieben. Für zweite Variante müssen beide Sorgeberechtigte mit Vor- und Zunamen unterschreiben und das Dokument mit Ort und Datum versehen.

ACHTUNG, ihr müsst in dem Fall wirklich alles per Hand schreiben. Diese zwei Varianten gelten übrigens allgemein für euren letzten Willen.

Wie wähle ich den Vormund aus?

Laut BGB 1780f muss eure ausgewählte Person volljährig und geschäftsfähig sein. Ansonsten gibt es rechtlich keine Einschränkungen. Folgende Hinweise sollen euch bei der Auswahl behilflich sein:

  • Familie oder Freundeskreis
  • Wem vertraut ihr euer Kind gern an?
  • Wo fühlt sich euer Kind sehr wohl?
  • Ist der Wunschvormund auch bereit für diese Aufgabe?
  • Können Geschwister zusammenbleiben?
  • Ist der gewählte Vormund auch körperlich in der Lage diese Aufgabe zu übernehmen (Wenn ihr zum Beispiel die eigenen Eltern wählt)?
  • Erzieht der gewählte Vormund nach euren Ansichten und in eurem Interesse?
  • Soll der Vormund nur für die personenbezogenen oder auch für die vermögensrechtlichen Angelegenheiten zuständig sein?
  • Braucht ihr gegebenenfalls einen Ersatzvormund?

Euer Vormund der Wahl sollte natürlich eingeweiht werden, das heißt ihr müsst mit ihm/ihr über euren Wunsch sprechen und sein/ihr OK abholen.

Außerdem solltet ihr die Sache immer im Hinterkopf haben: Wird die Person krank, bekommt eigene Kinder oder erlebt andere Änderungen im Leben, habt ihr Streit oder verliert euch aus den Augen, muss die Sorgerechtsverfügung eventuell angepasst beziehungsweise verändert werden. Ein regelmäßiges Gespräch mit dem Vormund der Wahl ist ratsam und empfehlenswert.

Wird mein/unser Wunsch dann auch berücksichtigt?

Wenn euer gewählter Vormund den gesetzlichen Anforderungen entspricht (Volljährigkeit, Geschäftsfähigkeit), so könnte nur noch ein fragwürdiger Lebenswandel das Gericht eine andere Entscheidung treffen lassen. Wird euer Wahlvormund nun letztendlich vom Vormundschaftsgericht zum Vormund bestellt, so ist dieser laut BGB § 1785 dazu verpflichtet, dem nachzukommen.

Kind geht Hand in Hand mit Vormündern

Die Vormundschaft kann laut BGB § 1786 aus diversen Gründen abgelehnt werden, etwa weil die Person zu alt, krank oder gebrechlich ist, sie zwei oder mehr schulpflichtige Kinder zu betreuen hat oder die Familie die Übernahme der Vormundschaft erschwert.

Eure Kinder, die das 14. Lebensjahr bereits vollendet haben, können euren Wünschen widersprechen!

Inhalt einer Sorgerechtsverfügung

Folgende Daten muss euer selber aufgesetztes handgeschriebenes Testament enthalten:

  • Vollständiger Name und Geburtstag der Eltern
  • Adresse
  • Vollständiger Name und Geburtstag des Kindes
  • Vollständiger Name, Geburtsdatum und Adresse des Vormundes
  • ggf. Name, Geburtsdatum und Adresse eines Ersatzvormundes
  • Bestimmung der personenbezogenen und vermögensrechtlichen Vormundschaft
  • Klausel: „Die vorstehende Verfügung haben wir aus freiem Willen und im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte getroffen.“
  • Ort, Datum, Unterschrift (Vor und Zuname)
  • evt. Name und Adresse der auszuschließenden Person

Verheiratete können ein Testament gemeinsam verfassen. Unverheiratete müssen dieses Dokument jeweils selber verfassen.

Wo muss das Testament / die Sorgerechtsverfügung aufbewahrt werden?

Mir stellt sich jetzt nur noch die Frage, wo bewahrt man diese Dokumente bestenfalls auf? Man will es ja nicht prominent auf dem Tisch liegen haben, und ständig an einen potenziellen Tod erinnert werden. Wahrscheinlich habt ihr einen Ort an dem ihr alle wichtigen Dokumente aufbewahrt. Dieser Ort eignet sich auch perfekt für die Sorgerechtsverfügung.

Ihr könnt vertraute Personen mit ins Boot holen und ihnen den Aufbewahrungsort mitteilen. Bestenfalls schreibt ihr das Testament zweimal und gebt dem ausgewählten Vormund gleich ein Exemplar. So kann dieser im Falle eines Falles schnell handeln.

Man kann das Testament aber auch bei einem Notar oder Gericht in Verwahrung geben. Somit werden sie automatisch in das Zentrale Testamentregister aufgenommen, das bei Tod einer Person immer aufgerufen wird. Letztere Variante ist allerdings kostenpflichtig.

Wozu ernenne ich einen Paten für meine Kinder?

Taufe eines Babys

Vielleicht fragt ihr euch jetzt: „Wozu die ganze Aufregung, ich habe ja mit der Taufe Paten für mein Kind ausgesucht, die im Notfall an unsere Stelle treten.“

Viele Eltern lassen ihre Kinder taufen und ernennen einen oder mehrere Paten, damit diese Person(en) im Notfall für die Kinder da wären. Leider haben die durch eine Taufe ernannten Paten rein gesetzlich gar keine Funktion.

Ein Pate kann nur kirchliche Aufgaben erfüllen. Er soll das Kind auf dem richtigen Weg zum kirchlichen Glauben begleiten. Allerdings hat er keine rechtliche Befugnis die Kinder in Obhut zu nehmen oder gar als Erziehungsberechtigter einzutreten, sollte den Eltern etwas zustoßen.

Hierzu müsstet ihr diese Personen als Vormund per Testament festlegen.


Juliane

Ich bin Juliane und Mama einer 4-Jährigen. Zu gern erinnere ich mich an die Schwangerschaft, Babyzeit und die ersten Monate bzw. Jahre unseres Eltern-Daseins. Das Leben dreht sich um 180 Grad. Gern begleite ich auch dich durch diese Zeit, gebe Tipps, Empfehlungen und bin für dich da.

Iggiz

31.10.2019, 20:27

Schweres Thema.

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