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10 Dinge, die dir vor der Geburt niemand sagt

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Es gibt Dinge über die redet niemand. Ich war beispielsweise in der Schwangerschaft kurz vor Ende sehr schockiert über manche Tatsachen, die sich so bei der Geburt abspielten. Aber das dicke Ende kam erst noch… So war ich nach der Geburt teilweise schon auf meine Freundinnen, die bereits Mama waren sauer, dass mir nie jemand von diesen Tabus rund um die Geburt berichtete. Vielleicht hätte ich die Schnapsidee mit dem Familie gründen und so dann doch an den Nagel gehängt. In diesem Beitrag soll es aber wirklich „nur“ um die Ereignisse gehen, die sich während einer Geburt abspielen. Das reicht fürs Erste, den Plan der Schwangerschaft zu überdenken 😉

Geburtsvorgang Baby

Wenn ihr schon schwanger seid, ist das Kind bereits in den Brunnen bzw. in die Gebärmutter gefallen. Dann müsst ihr da jetzt wohl oder übel durch. Achtung, ich berichte hier von 10 Dingen, die MIR passiert sind und natürlich jeder anderen werdenden Mami passieren KÖNNTEN. Träumt aber lieber von einer Traumgeburt, wie sie in Hollywood wohl jede Mami erleben darf. Das ist definitiv angenehmer! Lest die nächsten Punkte also nur komplett durch, wenn ihr die knallharte Wahrheit vertragt! 😉

1. Damm-Massagen sind keine Entspannungsmassagen

Ach wie schön. Euer Körper wurde mit der Schwangerschaft während 9 langen Monaten sämtlichen Strapazen unterzogen. Da sind regelmäßige Massagen doch ein Genuss und so wertvoll, um Kraft für die Geburt zu sammeln. Habt ihr einen lieben Partner, bekommt ihr auch täglich den Rücken massiert. Unmittelbar vor der Geburt sind aber andere Massagen sehr wichtig. Sogenannte Dammmassagen, die ihr selber oder mit Hilfe eures Partners erledigen solltet.

Bei einer Dammmassage wird der Damm mit einem extra dafür vorgesehenen Öl massiert. Habt ihr in der Drogerie eures Vertrauens noch nie das allseits bekannte Damm-Massage-Öl gesehen und euch gefragt, was es damit auf sich hat? Der Damm ist der Steg zwischen Vagina und Anus. Ist dieser schön weich und biegsam (das wird er durch regelmäßige Massagen), so soll die Geburt einfacher verlaufen und ihr lauft nicht die Gefahr zu reißen oder geschnitten werden zu müssen. Eins vorweg, letzteres ist mir trotz ausgiebiger Dammmassagen passiert, aber dazu später mehr.

2. Pausen zwischen den Wehen sind erholend? Pustekuchen!

Dass Wehen wehtun weiß jeder, deshalb heißen sie ja auch Wehen, oder? Na ja aber zwischen diesen Wehen gibt es ja ständig Pausen zum Erholen, Essen, Trinken, Handy gucken und alles was man sonst noch so während einer Geburt machen muss. Schließlich warten eure Familien und Freunde daheim ja auf jedes Update, das ihr von euch gebt. „Deshalb wird das alles gar nicht so schlimm.“ Dachte ich mir vorher. Ich wurde eines besseren belehrt. Die Pausen werden immer geringer, bis sie fast komplett verschwanden. Man befindet sich wie in Trance, unfähig zu denken und nur irgendwie versucht das zu unterdrücken, was der ganze Körper verlangt zu tun: Laut schreien!

3. Der Hebammen-Drill

Im Geburtsvorbereitungskurs hörte sich alles so idyllisch an. Man hockt, liegt, steht dann im Kreißsaal, je nachdem wie es für die werdende Mami am angenehmsten ist. Die Hebamme ist da und versucht es der Gebärenden so angenehm wie möglich zu machen. Hört sich toll an, oder? Irgendwie stand meine Geburt unter einem besonders schlechten Stern, denn nach einem Krankenhauswechsel unter der Geburt (mein Wahlkrankenhaus war voll und meine Tochter hatte es eiliger als die anderen Babys, der Kreißsaal-besetzenden Schwangeren), musste sich ausgerechnet meine sensible Seele mit dem harten Befehlston einer harschen Hebamme aus Osteuropa anfreunden. Ihre Menschlichkeit war so eisig, wie der Wind in Sibirien. Glücklicherweise wurde ich von einer sehr lieben Ärztin begleitet, die durch ihre sanfte Art, die eindringlichen Kommandos der Rabenhebamme aufweichten. Trotzdem habe ich noch heute, fast 4 Jahre nach der Geburt ihre Stimme und die Wörter, die sie sagte im Ohr.

Anstrengender Geburtsverlauf

4. Urin und Kot im Kreißsaal

… erwartete ich frühestens mit Ankunft des Babys. Aber nein, ich wurde auch in diesem Punkt eines besseren beleert. Als Mensch, der seinen Körper gern unter Kontrolle hat, war die Geburt der reinste Horror. Ich schrie, obwohl ich nicht schreien wollte, ich machte Bewegungen, die ich nicht machen wollte und letztendlich hatte ich nicht mal mehr Darm und Blase unter Kontrolle. Im Geburtsvorbereitungskurs wurden wir schon gewarnt, dass ein Einlauf vor der Geburt nicht mehr Gang und Gebe ist. Ich dachte aber, dass ich meinen Körper eh gut kontrollieren kann, vorher noch mal die Krankenhaus-Toilette aufsuchen werde und dann passiert schon nichts. Gesagt getan, während der Wehen im ersten Krankenhaus, suchte ich noch mal das Klo auf.

Im zweiten Krankenhaus ging alles so schnell, dass ich direkt in den Kreißsaal kam und das Baby eine halbe Stunde später auf meinem Bauch lag und das erste Kindspech auf genau diesem raus drückte. Ich bin mir nicht zu 100% sicher aber ich meine ein paar Minuten vorher auch etwas Stuhl auf den Geburtstisch hinterlassen zu haben. Durch die Wehen merkt man das nicht so genau und es wird auch ohne groß darauf aufmerksam zu machen, weggewischt aber ich verspreche euch – das letzte was ihr unter der Geburt unter Kontrolle habt, ist euer Darm. Schließlich fühlt sich diese gesamte Geburt ja wahrlich so an, als „kackt“ man das Kind aus.

5. Dammschnitte sind keine Seltenheit

Durch die oben genannten Vorbereitungen mit der Damm-Massage fühlte ich mich gut vorbereitet und hatte nicht die Befürchtung zu reißen. Ebenfalls dachte ich, dass es total selten ist, dass Frauen unter der Geburt einen Dammschnitt bekommen. Nun ja, so selten war es wohl doch gar nicht, denn viele Mamis mit denen ich sprach, machten Ähnliches durch. Dabei ist heute bestätigt, dass der Dammschnitt nur im akuten Notfall (Kind gerät unter Stress, Geburt muss schnell beendet werden) sinnvoll ist. Ich kann euch sagen, dass so ein Dammschnitt in dem Moment wo er gemacht wird, wirklich schmerzfrei ist. Im Wochenbett ist die Verheilung des Schnittes allerdings ein langwieriger, schmerzhafter und ätzender Prozess.

6. Die Platzenta-Geburt

Ja, Mutterkuchen um genau zu sein. Wer glaubt mit der Geburt des Babys ist alles erledigt, der irrt. Im Anschluss müsst ihr nämlich noch mal ran, denn die Plazenta muss ja auch noch „geboren“ werden. Ich empfand das nicht als schlimm. Andere Mamas berichten, dass der Prozess für sie schmerzhafter war als die Geburt selbst. Ich glaube in dem Punkt scheiden sich wirklich die Geister. Ich bestand auch darauf mir das Ding mal anzuschauen. Lust auf Kuchen macht es nicht, aber interessant ist es allemal. Manche nehmen die Plazenta sogar mit nach Hause, buddeln sie ein, pflanzen einen Baum darauf. Andere essen ihre Plazenta sogar. Mir reichte es sie zu sehen und danach ging mein Mutterkuchen in den Krankenhausmüll.

Plazenta mit Herz

7. Ein kleiner, bläulicher Schleimklumpen

Als mein Baby dann endlich geboren war, konnte ich es gar nicht abwarten, es im Arm zu halten. Ich erschrak schon ein wenig. Statt ein wunderhübsches Baby mit rosiger Haut, war das Kind schmierig und bläulich. Man beruhigte mich, so sehen die frisch geschlüpften Babys immer aus. Es wurde in eine Decke eingewickelt und mir in den Arm gelegt. Trotz aller vorherigen Punkte, dieser Moment war einfach nur magisch!

Neugeborenes auf dem Bauch der Mutter

8. Das Duschverbot

Pustekuchen, da ich eine frische Wunde zwischen den Beinen hatte, durfte ich am Tag der Geburt nicht duschen. An meinem Körper hingen Blut, Schweiß, Urin, Kot, Kindspech und wer weiß was noch. Lediglich die Brust durfte ich etwas säubern, damit die kleine Maus saugen konnte. Das funktionierte auch nicht gleich wie im Bilderbuch, aber das ist eine andere Geschichte. Am darauffolgenden Tag gegen Mittag erhielt ich die Dusch-Freigabe 😉

9. Wochenbett sind keine Ferien!

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber Wochenbett hörte sich für mich vor der Geburt nach Ruhe und Entspannung und einer wunderschönen Zeit mit meinem Baby an. Davon mal abgesehen, dass das Stillen nicht gleich super klappte und wir die ersten Tage auch viel Besuch bekamen, bedeutete das Wochenbett wirklich Liegen und Zeit mit dem Kind. Ich musste aber auch sehr viel liegen, weil jede kleinste Bewegung die Wunde in ein pochendes, schmerzhaftes Etwas verwandelte und mich fast ohnmächtig zusammensacken ließ.

Beim ersten Spaziergang schaffte ich 300 Meter. Ich beneidete die glücklichen Mamis, die ihre Neugeborenen kilometerweit durch die Gegend schieben konnten. Eines hatten wir aber alle gemeinsam. Zwischen die Beine musste eine Riesen-Binde. Im Krankenhaus nannten sie es Einlagen und sie saugten das Blut, das teilweise schwallartig aus dem Körper floss richtig gut auf. Nach dem Toilettengang sollte Toilettenpapier vermieden werden, sondern mit Wasser gespült werden.

Drei Tage nach der Geburt setzte außerdem die Wochenbett-Depression ein, die ich vollkommen unterschätzt hatte. Halleluja! Ich wurde zu einem emotionalen Wrack und heulte ständig, beispielsweise weil das Kind so schnell groß wurde. In Gedanken sah ich sie schon zur Schule gehen, den Schulabschluss machen und in die weite Welt hinausschlendern. Wo sollte das nur hinführen? Es war nicht einfach aber nach spätestens zwei Wochen ging es zurück zur Normalität. Ein wenig schade was sich die Natur da einfallen gelassen hat. Da will man die Zeit ausschließlich mit seinem Kind verbringen und hat eigentlich viel mehr mit seinem eigenen Körper zu tun

Neugeborenes weint

10. Zurück zur alten Figur – ein langer Prozess

Mir war nicht bewusst, dass sich die Zeit nach der Geburt so zieht. Der Rückbildungskurs darf frühestens sechs Wochen nach der Geburt beginnen. Bis dahin muss man sich beim Lachen und Niesen wirklich vorsehen, denn schnell landen ein paar Tropfen im Schlüppi. Den Beckenboden kriegt man danach aber recht schnell wieder trainiert, sodass diese Zwischenfälle wirklich nur in der Zeit vorkommen. Ich rate euch, schön eure Übungen zu machen! Viele Frisch-Mamis tragen aber auch noch lange nach der Geburt ihren „Baby-Bauch“ mit sich herum. Ich hatte Glück, dass ich recht schnell wieder zu meiner alten Figur gefunden habe. Dafür gab es bei mir andere hormonelle Probleme. Ganz perfekt kommt man selten aus der Nummer raus 😉

Fazit: Es kommt alles anders

Manche Dinge wusste ich vielleicht vor der Geburt schon, aber habe es mir nie in diesem Ausmaß vorgestellt, wie es letztendlich geschehen ist. Es kommt tatsächlich alles irgendwie anders. Aussuchen kann man sich jedenfalls nicht, wie die natürliche Geburt abläuft, leider. Nichtsdestotrotz denkt ihr nach gewisser Zeit schon wieder ganz anders über die Geburt, auch wenn es kurz danach nicht den Anschein macht. Lasst euch drauf ein und wie man so schön sagt, ein paar Wochen, Monate, Jahre später ist aller Schmerz vergessen.

Zwei Erfahrungsberichte über die erste Zeit mit Baby, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Lest unseren ehrlichen Ratgeber „Der erste Monat nach der Geburt

Juliane

Ich bin Juliane und Mami unserer kleinen Greta. Seit der Schwangerschaft hat sich mein Leben um 180° gedreht - gern begleite ich euch auf dem Weg zum Eltern sein und gebe euch wertvolle Tipps und Ratschläge! Außerdem möchte ich euch beim Sparen helfen, denn Babyspielzeug, Windeln, Klamotten und Co sind teuer genug!

Profilbild von NatYes

NatYes

01.08.2019, 13:02

Meine Geburt ist jetzt vier Monate her. Somit noch sehr frisch in Erinnerung. So schlimm, wie in dem Artikel ist nun wirklich nicht. Das die Wehen zunehmen und man nicht mehr am Handy spielt kann ist ja wohl jedem klar. Auch die Dammmassage wird nicht von jedem empfohlen. Ich habe sie nicht gemacht und auch keine Geburtsverletzung gehabt. War vielleicht auch etwas Glück. Die ersten zwei Monate nach der Geburt fand ich allerdings auch sehr sehr anstrengend vor allem emotional.

    Juliane

    01.08.2019, 14:51

    Hallo NatYes, vielen Dank für deinen Bericht. Wie oben im Artikel erwähnt, ist jede Geburt unterschiedlich. Das waren meine Erfahrungen. Ich habe unheimlich viele Freundinnen, bei denen Punkt für Punkt ähnlich ablief. Ich habe aber auch eben so gut Freundinnen, die in den Kreißsaal reinspaziert sind und kurz danach mit Baby wieder herausspaziert sind. Jeder empfindet es auch anders. Darunter ist übrigens auch eine, die die Geburt tatsächlich per Whats App in einer kleinen ausgewählten Gruppe mit regelmäßigen Status-Updates dokumentiert hat 😉 Auch das gibt es, deshalb ist der Gedanke gar nicht so abwegig 😉
    Letztendlich weiß man nie, ob Dammmassagen oder Bauch einölen und Dinge dergleichen etwas bringen. Ich war zum Beispiel auch zur Akupunktur und die bei der Geburt anwesende Ärztin meinte, dass es bei mir tatsächlich sein könnte, dass durch Akupunktur und Dammmassage es so unheimlich schnell ging. Who knows…
    Ich habe meinen Geburtsverlauf 2-3 Tage danach übrigens sehr detailgenau aufgeschrieben, deshalb ist beim Lesen dieses Berichts auch noch alles wie gerade erlebt, im Kopf 😉

EinfachKaro

04.08.2019, 10:05

Ich finde den Beitrag wirklich gut geschrieben, man kann beim Lesen ein wenig mitfühlen. Klasse

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Tanja S

26.09.2019, 06:33

Toller Bericht! Nach dem Lesen hab ich erstmal mein 11 Wochen altes Baby in die Arme genommen und ganz fest mit ihm gekuschelt😊 deine Worte erinnern mich so sehr an meine Geburt! Und in diesem Moment mit meinem Baby im Arm, weiss ich das jeder einzelne, unangenehme und schmerzhafte Moment sich mehr als gelohnt hat für dieses kleine Wunder!💓

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Sara

06.10.2019, 22:11

Toller Bericht… Danke dir.
Ich bin in der 16. SSW und habe mich schon immer gefragt, wie das so gehandhabt wird, zum Beispiel mit Stuhl und Urin während der Geburt. Finde ich echt keinen schönen Gedanken und stelle ich mir unglaublich unangenehm vor. Ein Einlauf wäre da doch gar nicht schlecht?! Ich bin auf jeden Fall dafür auch die heftigen Sachen lieber vorher zu wissen, dann kann ich mich drauf einstellen oder sogar meine Hebamme fragen. Also VIELEN Dank 😊

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