blaue Babyaugen

„Baby Blues“ und postnatale Depression – was nun?

Viele Mütter erleben mit der Schwangerschaft und Geburt ihres Kindes wunderschöne Glücksgefühle. Doch was ist, wenn das Glück ausbleibt? Wenn sogar plötzlich Gefühle der Niedergeschlagenheit und Angst überwiegen? Oft handelt es sich in diesem Fall nur um ein leichtes Stimmungstief, das hormonell bedingt ist. Der sogenannte „Baby Blues“ ist keine Krankheit, sondern steht mit dem plötzlichen Abfall des Östrogenspiegels nach der Geburt in Verbindung. Während der Schwangerschaft sorgen große Mengen an Östrogen unter anderem als Stimmungsstabilisator im Gehirn. Wenn dieser wegfällt, erleben viele Frauen den „Baby Blues“, der nach einigen Stunden oder Tagen von selbst vergeht.

Ganz anders verhält es sich mit der Wochenbettdepression. Dies ist eine ernstzunehmenden Erkrankung. Bei dieser klingen die Symptome des „Baby Blues“ nicht wieder ab oder sie entstehen gar neu. Jährlich leiden rund 50.000 junge Mütter in Deutschland an einer schweren, postnatalen Depression, die behandelt werden muss.

Eltern sein - Figuren

Was sind die Symptome einer postnatalen Depression?

Eine Wochenbettdepression entwickelt sich oftmals schleichend und kann während der ersten 2 Jahre nach der Geburt auftreten. Mediziner gehen davon aus, dass die Depression bei vielen Frauen bereits während der Schwangerschaft unbemerkt beginnt. Der Verlauf der Erkrankung ist dabei aber sehr unterschiedlich. Die Depression kann sehr leicht sein oder so schwer, das die Gefahr eines Suizids besteht. Im Folgenden findet ihr eine Liste mit den typischen Symptomen einer postnatalen Depression. Aber Achtung: Wenn hin und wieder einige dieser Symptome bei euch auftreten, bedeutet dies noch nicht, dass ihr an einer Wochenbettdepression leidet. Könnt ihr allerdings viele Symptome durchgehend bei euch feststellen, dann sollte das Gespräch mit einem Arzt gesucht werden.

Typische Symptome können sein:

  • Niedergeschlagenheit und Depression: sich die meiste Zeit elend fühlen, besonders morgens und abends
  • Traurigkeit
  • Leeregefühl
  • Erschöpftheit bei gleichzeitigen Schlafstörungen
  • Desinteresse
  • Müdigkeit/Konzentrationschwäche
  • Reizbarkeit
  • innere Unruhe
  • irrationale und übermäßige Ängste
  • sich sehr stark um das Baby sorgen (permanente Suche nach ärztlicher Bestätigung, dass das Kind gesund ist)
  • Schuldgefühle
  • zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber oder wenn das Baby als fremd erscheint
  • übertriebene Sorge um die eigene Gesundheit
  • Panikstörungen (Panikattaken mit Herzrasen und Schweißausbrüchen)
  • Zwangsstörungen
  • Suizidgedanken
  • soziale Phobien und Agoraphobie
  • Gefühle der Überforderung
  • sehr häufiges Weinen
  • nicht in der Lage sein, Spaß zu haben oder Freude zu empfinden
  • den Sinn für Humor verlieren
  • Verlust des Sexualtriebs
  • Gedächtnisprobleme
  • Entscheidungsschwäche
  • Frustessen oder Appetitlosigkeit

Wahrscheinlichkeit einer Wochenbettdepression?

Für viele Mütter und Väter (auch 4% der Väter erkranken an einer postnatalen Depression) kommt die Krankheit scheinbar aus dem Nichts. Soeben war alles noch in Ordnung und im nächsten Moment treten irrationale Ängste und negative Gedanken auf. Oft ist es nicht nachvollziehbar, warum bestimmte Menschen eine postnatale Depression bekommen, andere nicht. Jedoch haben Forschungen ergeben, dass es bestimmte Situationen gibt, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen. Das Risiko, dass eine Wochenbettdepression auftritt ist eher gegeben wenn…

  • …man schon früher Depression hatte
  • …während der Schwangerschaft depressive Verstimmungen auftraten
  • …die betroffene Person noch ein Kind war, als seine Mutter starb
  • …man vor Kurzem einen nahestehenden Menschen verloren hat
  • …kein unterstützender Partner oder die Familie in der Nähe sind
  • …es kein richtiges Zuhause gibt oder finanzielle Probleme
  • …das Baby zu früh geboren wurde
  • …es kürzlich negative Entwicklungen im Leben gab ( z.B. Trennung vom Partner, Verlust des Jobs ect.)

Gibt es Vorbeugemaßnahmen?

Ihr könnt eure Lebensumstände so gestalten, dass es weniger wahrscheinlich ist an einer Depression nach der Geburt zu erkranken. Natürlich ist dies keine Garantie, sondern nur ein Vorbeugung. Außerdem kann man manche Dinge ja gar nicht beeinflussen und ist somit auch gewisse Lebensumstände nicht selber gestalten. Experten empfehlen, dass sich die werdende Mutter möglichst viel Unterstützung durch den Partner, Familienangehörige, Freunde oder Haushaltshilfen sichert, sodass sie im neuen Alltag mit dem Baby nicht nur auf sich allein gestellt ist. Turbulente Umwälzungen, wie zum Beispiel ein Umzug oder Jobwechsel, sollten in der Zeit vor oder kurz nach der Geburt vermieden werden. Auch die Rollen des Gynäkologen und der Hebamme sind sehr wichtig. Diese Personen sollten einen positiven und unterstützenden Einfluss auf euch haben und auch nach der Geburt helfend zur Verfügung stehen. Die Zeit nach der Geburt solltet ihr sehr ruhig gestalten, sodass ihr euch an euer Kind und die neue Rolle als Mutter gewöhnen könnt. Bestenfalls müsst ihr in dieser Zeit nicht alleine sein und habt eine helfende Hand, ob Partner, Mama oder gar die beste Freundin. Viele unterschätzen die Intensivität dieser Zeit und denken sie schaffen es allein.

Behandlungsmethoden

Kommt es doch zu einer postnatalen Depression, die mit mehreren der beschriebenen Symptome einhergeht, solltet ihr euch in jedem Falle an einen vertrauten Arzt oder Psychotherapeuten wenden. Oftmals werden dann Gesprächstherapien verschrieben; einzeln, zusammen mit dem Partner oder in einer Gruppe von Müttern, die in einer ähnlichen Lage sind. Mit einem Therapeuten zu reden, der versteht, welche Auswirkungen eine Depression haben kann, ist bereits hilfreich und kann das persönliche Leiden lindern. Die Suche nach dem Gespräch ist in einer solchen Situation sehr bedeutsam, um nicht zermürbende Ängste, Schuldgefühle und andere negative Emotionen nur bei sich zu behalten. Leider ist es ein deutschlandweites Problem einen recht kurzfristigen Therapieplatz zu bekommen. Lasst euch von eurem Arzt oder Gynäkologen helfen und weitervermitteln, oder wendet euch zunächst einmal an eine Psychotherapeutische Ambulanzpraxis. Diese gibt es in größeren Städten und muss jeden Patienten erst mal annehmen und gegebenenfalls an geeignete Therapeuten, Psychologen oder Psychiater weitervermitteln. Außerdem gibt es grade in größeren Städten auch Mütterhilfezentren, oder auf Schwangerschafts- und Geburtsfragen spezialisierte Einrichtungen, wo jeder Mama mit Problemen gern weitergeholfen wird. Das wichtige ist, werdet aktiv und sucht euch Hilfe, auch wenn es schwer fällt.
Manchmal helfen auch schon Gespräche mit dem Partner, mit guten Freunden oder Familienangehörigen. Nur sind diese nahestehenden Menschen oftmals mit eurer Situation überfordert, weshalb eine professionelle Hilfe in Form einer Therapie oder Selbsthilfegruppe immer ratsam ist.

Antidepressiva notwendig?

Postnatale Depressionen werden außerdem häufig auch mit Antidepressiva behandelt, die das körpereigene Botenstoffsystem im Gehirn unterstützen, sodass Stimmungskrisen gemildert oder geheilt werden können. Hierbei ist es wichtig, dass die Antidepressiva richtig eingenommen werden, nämlich so wie es der Arzt verordnet hat. Andernfalls können sie nicht helfen. Zudem dauert es mindestens ein paar Wochen, bis diese Medikamente voll wirken und ihr euch besser fühlt. In dieser Zeit ist es wichtig, dass ihr die Therapie nicht aus dem Glauben heraus abbrecht, dass sie nichts bringt. Antidepressiva müssen etwa 6 Monate eingenommen werden, ansonsten besteht das Risiko, dass die Wochenbettdepression zurückkehrt. Empfiehlt euch euer Psychologe/Psychiater die Einnahme eines Medikaments, achtet unbedingt darauf, dass es trotzdem möglich ist weiterzustillen. Es gibt verschiedene Präparate, die sich auch mit der Schwangerschaft und dem Stillen vertragen. Es ist auch möglich es erst einmal mit rein pflanzlichen Hilfsmitteln zu probieren, die dann eher unterstützend wirken. Johanniskraut hat sich sehr bewährt und ist ein beliebtes Produkt, das als Tee, homöopathisch oder konzentriert eine sanfte Wirkung gegen Depressionen verspricht.

Wie kann ich mir selbst helfen?

Hilfe sollte aber nicht nur von außen, sondern unterstützend auch von innen heraus kommen.
Während einer postnatalen Depression ist es zum Beispiel wichtig, auf eine gesunde und regelmäßige Ernährung zu achten. Wenn ihr unter Appetitlosigkeit leidet, dann versucht euch an kleine, regelmäßige Mahlzeiten zu gewöhnen. Esst viele Kohlenhydrate, wie Brot, Nudeln oder Reis, denn diese geben euch Energie. Frisches Obst und Gemüse darf auch nicht zu kurz kommen. Achtet darauf, gut zu Frühstücken und zwischen den Mahlzeiten nicht zu lange Pausen einzulegen. Diese können dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel schwankt, was sich auf eure Gemütslage auswirkt. Stimmungsaufhellend kann auch Schokolade wirken, die aber nur im Maßen genossen werden sollte.

Tut euch selbst was Gutes

Auch wenn es abgedroschen klingt: Versucht in der Zeit der Wochenbettdepression besonders nett zu euch zu sein. Gönnt euch kleine Belohnungen im Alltag. Lastet euch zudem keine stressigen Aufgaben an, die auch später erledigt werden können und schiebt große Entscheidungen lieber auf. Macht generell das was euch Spaß macht: geht spazieren, trefft euch mit anderen Mamis in einem Cafe, geht shoppen, näht oder malt etwas in der babyfreien Zeit. Schreibt Tagebuch oder lest ein gutes Buch (Buchtipp: Unter meinem Herzen), um eure Gefühle besser zu verarbeiten. Sucht Gleichgesinnte in Communities und greift auf eure Freundinnen zurück, die immer für euch da sein sollten. Versucht außerdem auch ab und zu mal nicht über Probleme zu reden, sondern geht ins Kino oder abends in eine Bar. Lasst euch und den Knirps von eurem Partner ins Lieblingsrestaurant ausführen. Spontanität ist zwar mit Kind etwas schwieriger aber nicht komplett verloren.

Sport und Bewegung

Legt grade am Anfang viele Ruhepausen ein und schlaft möglichst auch wenn das Baby schläft! Lasst euch auf keinem Fall vom Haushalt stressen, spannt euren Partner voll mit ein. Für zwischendurch tut ein leckerer Tee und entspannende Musik auch Wunder. Die ersten sechs Wochen nach der Geburt heißen Wochenbett, weil man sie im Bett verbringen soll. Später dann, solltet ihr neben den ruhigen Phasen auch Zeit mit Sport und Bewegung verbringen. Geht regelmäßig mit eurem Kind an der frischen Luft spazieren oder belegt einen Sportkurs. In diesem Fall eignen sich Rückbildungskurse oder Yoga- und Pilatiskurse, diese helfen euren Körper und eure Seele wieder in Schwung zu kriegen. Vormittagstermine sind auch ein beliebter Treffpunkt für Mamas und so der ideale Ort sich auszutauschen und andere Mamas kennenzulernen. Wenn ihr gern tanzt, informiert euch, ob es in eurer Stadt Kangakurse gibt. Das ist eine Art Zumba mit Baby im Tragetuch oder in der Babytragehilfe.

Fazit

Niemand kennt euch besser als ihr selbst. Erkennt ihr euch kaum wieder, weil ihr antriebslos seid oder in einer Trauerblase ertrinkt? Tut euch und eurer kleinen Familie den Gefallen und handelt. Es muss euch nicht peinlich sein, fremde Hilfe anzunehmen. Ärzte und Hilfezentren sind darauf spezialisiert und werden euch mit eurem Kummer und euren Sorgen nicht alleine lassen.
Macht euch selbst nichts vor und überspielt die Probleme auch nicht vor anderen. Wer offen darüber redet, wird schnell merken dass man auf Unterstützung zählen kann. Lasst euch auch nicht gehen, sondern tut selber etwas dafür, dass es euch bald wieder besser geht. Ihr werdet schnell rausfinden, was euch gut tut! Wer sich gern etwas tiefgründiger mit diesem Thema befassen möchte, dem empfehlen wir das Buch „Wie kann ich dich halten, wenn ich selbst zerbreche? – Meine postpartale Depression und der Weg zurück ins Leben“.


Theresa

Ich bin Theresa, 25 Jahre alt und (noch) kinderlos. Ich bin aber in einer großen, bunten Familie aufgewachsen und liebe Kinder - deswegen macht mir die Arbeit (wenn man das überhaupt so nennen darf ;-)) an und mit MeinBaby123 sehr viel Spaß!

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