Baby Pucksack

Das Pucken auf dem Prüfstand

Wenn es um das Thema Pucken geht, scheiden sich die Geister. Für die einen gilt es als der Geheimtipp zum Beruhigen von Schreikindern, für die anderen ist es nichts anderes als Freiheitsberaubung. Doch was versteht man eigentlich genau unter Pucken? Und welche Vor- und Nachteile bringt diese Methode mit sich? Stellt sie ein ernst zunehmendes Risiko für ein Baby dar? Welche Alternativen zum konventionellen Pucken stehen euch dann zur Verfügung? Diese und weitere Fragen wollen wir hier klären!

Was ist eigentlich Pucken?

Unter dem Begriff Pucken versteht man eine spezielle Wickelmethode, bei der man ein Baby besonders fest in ein Tuch, einen speziellen Pucksack oder eine Decke einwickelt. Diese Methode soll dem Neugeborenen die Geborgenheit wieder geben, die es in dem Mutterleib der Mama gespürt hat. Es handelt sich hierbei um eine uralte Tradition, die in fast allen Kulturkreisen auf der Welt etabliert ist. In Deutschland war es etwa bis in die Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein üblich, Babys auf diese Art zu wickeln. Oftmals waren die Kleinen sogar den ganzen Tag über fest eingepackt.

Gepucktes Baby

Wieso puckt man heutzutage?

Heutzutage verwendet man die Methode insbesondere noch, um das Schlafen zu erleichtern. Durch das feste Einwickeln sollen vor allem unkontrollierte Bewegungen der Arme und Beine unterbunden werden. In vielen Fällen führen diese reflexartigen Bewegungen (Moro-Reflexe) nämlich zum Aufwachen und Erschrecken des Babys. Der Moro-Reflex ist angeboren und sorgt dafür, dass Arme und Beine ruckartig auseinander gerissen werden, wenn plötzlich ein lautes Geräusch oder Erschütterungen auftreten. Durch das feste Einwickeln kann der Reflex dann nicht mehr ausgelöst werden. Das Baby wird also nicht aus dem Schlaf gerissen.

Mehr Ruhe für Eltern und Kind?

Neben der Verhinderung von ungewollten Zuckungen, die zum Aufwecken des Babys führen können, soll das Pucken ebenfalls eine wohlige Enge vermitteln. Nach der Geburt haben viele Neugeborene Probleme mit der plötzlichen Bewegungsfreiheit und Kälte, die sie umgibt. Davor waren sie den engen warmen Mutterleib gewohnt, aus dem sie urplötzlich entrissen werden. So vermittelt das enge Einpacken eine besondere Form der Geborgenheit. Der kleine Sprössling kann seine eigene Körperwärme und -fülle so besonders intensiv spüren.

Gepuckt zum Schlafen legen

Oftmals ist das Nervensystem der Babys kurz nach der Geburt noch nicht vollständig entwickelt und die äußeren Reize überfluten das empfindliche Neugeborene. Durch den Sack wird das Wahrnehmungszentrum des Babys auf einen kleineren geschützten Raum beschränkt. So schlafen die gepuckten Kinder insgesamt ruhiger und sanfter, was auch vor allem den frischgebackenen Eltern sogenannter „Schreikinder“ zu Gute kommen kann. Das feste Einwickeln soll zudem auch Blähungen vermeiden.

Gepucktes Baby schläft

Ein weiterer Vorteil könnte darin liegen, dass sich die gepuckten Kinder die Rückenlage besser angewöhnen. Die Rückenlage wird oftmals als die gesündere Variante gegenüber dem Bauchliegen angesehen. Durch das Pucken werden sie automatisch in die „richtige“ Position gebracht und akzeptieren diese dann mit der Zeit. So soll das Risiko für das gepuckte Baby, an dem plötzlichen Kindstod zu sterben, dauerhaft gesenkt werden.

Zu wenig Bewegungsfreiraum?

Neben den Vorteilen, die sich durch den ungestörteren Schlaf des Neugeborenen ergeben, werden dem Pucken jedoch auch oft Gefahren nachgesagt. Diese sind zwar häufig mit falschen Methoden zum Pucken verbunden, dennoch sprechen sich auch immer mehr Stimmen generell gegen das feste Einwickeln aus. Doch was ist dran an dieser Ansicht? Kritiker der Wickelmethode sprechen immer wieder an, dass den Kindern die notwendige Bewegungsfreiheit zu stark genommen wird. Langfristig gesehen könne es dann dazu kommen, dass die motorische Entwicklung leide. Es bleibt nicht mehr genug Raum Schreien und tiefen Luftholen.

Scharf kritisiert wird dabei auch der Ansatz, dass sich das Baby wie im Mutterleib fühlen könne. Selbst dort habe es wesentlich mehr Bewegungsfreiraum gehabt, denn in der Embryonalstellung sind die Gelenke von Armen und Beinen im angewinkelten Zustand. Wenn das gepuckte Kind weniger schreie, sei dies oftmals nur auf Resignation und Frustration zurückzuführen. Dies könne letztendlich langfristige negative Folgen, auch für die Psyche des Kindes, haben.

Einfach Ausprobieren!

Mal abgesehen von dieser Argumentation, steckt in jedem Baby letztendlich auch ein individueller, kleiner Mensch. Nicht jedes Kind ist von dem Pucken begeistert. Manche Babys reagieren derart ablehnend auf das Einwickeln, dass es an eine Qual grenzt, dieses Prozedere vehement durchzuziehen. Deshalb solltet ihr besonders beim ersten Pucken sehr aufmerksam sein und euren kleinen Spatz genau beobachten. Denn letztendlich zählt nicht, womit ihr als Eltern euch am wohlsten fühlt, sondern womit euer Baby sich wirklich wohl fühlt.

Baby wird gepuckt

Welche Gefahren gibt es?

Viele Experten befürchten weiterhin, dass ständiges Pucken zu einer Fehlstellung des Hüftgelenkes, eine sogenannte Hüftdysplasie, führen könne. Zur vollständigen Entwicklung des Hüftgelenkes brauche dieses immer wieder mechanische Reize. Durch das Ausstrecken und Anwinkeln der Beine werden diese auf ganz natürliche Weise gegeben. Durch das Pucken wird dieser Reiz unterdrückt und die Hüfte könne nicht vollständig ausreifen. Werden die Kleinen zu fest in ihr Tuch gewickelt, könne es zudem sein, dass Nerven abgeklemmt werden. Im Sommer oder in stark beheizten Räumen besteht außerdem die Gefahr, dass es zu einem Hitzschlag oder einer Dehydrierung des kleinen Körpers kommt. Durch das feste Wickeltuch staut sich dann zu viel Wärme an, die nicht mehr entweichen kann.

Die Auswirkungen auf den plötzlichen Kindstod sind umstritten. Während die einen durch die angestrebte Rückenlage eine Verminderung des Risikos sehen, steigt sie für die anderen Experten sogar noch an. Sie sind davon überzeugt, dass bei einem zu engen Einwickeln, die Atmungsfähigkeit zu stark eingeschränkt wird. Dies wiederum könne Auslöser für den von allen Eltern befürchteten plötzlichen Kindstod sein. Außerdem wird von einigen Medizinern die Gefahr des Entstehens eines abgeplatteten Hinterkopfes, welches durch eine ständige Rückenlage ausgelöst wird, kritisiert.

Also jetzt pucken oder besser nicht?

Ob ihr euch letztendlich für das Pucken eures Kindes entscheidet, müsst ihr ganz alleine herausfinden. Gerade bei Schreikindern kann die beruhigende Wirkung der Wickelmethode ein echter Segen für Kind und Eltern sein! Viele Experten sehen kein allzu hohes Risiko, wenn das Baby nicht zu lange am Stück eingewickelt bleibt. Am besten ist es also die Methode nur für die nächtliche Schlafenszeit anzuwenden. Oberste Priorität sollten aber, wie bereits erwähnt, die individuellen Bedürfnisse des eigenen Kindes seien. Auch das kleine, neugeborene Wesen ist bereits ein fühlendes Individuum, das seine ganz eigenen Vorlieben und Abneigungen hat. Wenn es das Pucken ablehnt, sollte es nicht durch Angewöhnung dazu genötigt werden! Wer das Pucken einmal ausprobieren möchte, sollte sich die richtige Technik unbedingt erstmals von seinem Arzt oder seiner Hebamme zeigen lassen. Die meisten Risiken birgt nämlich eine zu enge oder zu warme Wickelung mit sich!.

Moderne Alternativen

Wurde früher der gesamte Körper des Babys fest eingewickelt, bevorzugt man heute die Variante, in der die Beine wesentlich mehr Platz eingeräumt bekommen. So wird eine Hüftfehlstellung vermieden. Besonders empfehlenswert sind moderne Pucksäcke (z.Bsp. der Marke Swaddle Me). Diese verfügen über einen weiten ballonartigen Unterteil, der genug Raum zum Strampeln lässt. Auch die Arme und Schultern haben hier genügend Freiraum. Als weitere Alternative zum klassischen Pucken kommen Tragetücher in Betracht. Hierbei wird die warme Geborgenheit durch den engen Hautkontakt zur Mutter oder zum Vater erzeugt und die Nachreifung der Hüfte durch die Anhock-Spreiz-Haltung sogar noch unterstützt. Lest euch dazu auch unseren Ratgeber zum Thema Tragetücher und Tragehilfen durch.

Baby auf Tuch

Insgesamt lässt sich also feststellen: Das traditionelle Einwickeln ist aufgrund der damit einhergehenden Gefahren eher abzulehnen. Man sollte stattdessen auf die neueren Methoden, auf spezielle Pucksäcke oder das „klassische“ Tragetuch setzen. Vor allem, wenn es sich dabei nur um zeitlich begrenztes Pucken, wie zum Beispiel in der Nacht, handelt, spricht also nichts dagegen.


Theresa

Ich bin Theresa, 25 Jahre alt und (noch) kinderlos. Ich bin aber in einer großen, bunten Familie aufgewachsen und liebe Kinder - deswegen macht mir die Arbeit (wenn man das überhaupt so nennen darf ;-)) an und mit MeinBaby123 sehr viel Spaß!


Engelchen1182

13.02.2018, 21:46

Unser Sohnemann fand es nicht gut!

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