Mama trägt Kind auf dem Rücken

Best Practice für Tragetücher und Co

Unterwegs in der Stadt, im Zoo oder daheim bei der Hausarbeit – immer mehr Mamas und Papas tragen ihre Lieblinge. Tragen ist nicht nur sehr praktisch. Auch hat man sein Baby immer nah bei sich, kann es gut und schnell beruhigen und fördert so die Bindung. Ob eingekuschelt auf der Brust oder mit viel Entdeckerdrang auf dem Rücken, manchmal auch im Sling auf der Hüfte, die meisten Babys lieben es getragen zu werden. Babys werden evolutionsbedingt als Traglinge geboren. Doch was ist so besonders daran, was sollte man beachten und wieso reagieren andere Mitmenschen teilweise verwundert oder erschrocken? Im Folgenden findet ihr Antworten auf alle Fragen, Tipps, Tricks und Hinweise.

Wann ist mein Baby alt genug zum tragen?

Von Anfang an! Selbst Frühchen, sind in einem weichen, dünnen Tragetuch, eng an Mamas Brust gekuschelt perfekt aufgehoben. Mit den meisten Tragehilfen sollte man bis zum Sitzalter warten aber dazu später mehr. Selbst das Stillen klappt im Tuch mit ein wenig Übung wunderbar. So kann man sein Kleines über mehrere Stunden tragen und es wirklich nur zum Wickeln aus dem Tuch rausholen.

Wie trage ich mein Baby richtig?

Grundlegend für eine tolle Tragebeziehung ist eine Trageberatung. Informiert euch, wo ihr in eurer Nähe eine Trageberaterin findet, kontaktiert diese am besten noch in der Schwangerschaft und sie wird euch daheim besuchen, sobald euer Baby da ist. Mit der Trageberaterin und eurem kleinen Schatz könnt ihr auch verschiedene Tücher, Wickeltechniken und Tragehilfen testen. Außerdem gibt sie euch wichtige Punkte mit, die es zu beachten gilt. Zum Beispiel:

  • Blickkontakt in den ersten Monaten

Am Anfang ist es wichtig, dass ihr euer Baby seht und dieses ebenso euch sehen kann. Die Trageweise auf der Brust mit Blick zu euch ist daher mehr als empfehlenswert. Bitte seht von Tragemodellen ab, die das Kind mit dem Blick nach vorne richten.

  • Anhock-Spreiz-Haltung/ M-Position

Die Beinchen gespreizt und angezogen, sodass sie bildlich gesehen ein großes M ergeben (Fuß, Knie, Po, Knie, Fuß) und der Po auf selber Höhe mit den Füßchen ist. So sollte die Stellung eures Kindes sein, damit die Haltung die Gesundheit nicht beeinträchtigt.

  • Atmung und Körpertemperatur

Babys „wühlen“ sich mit ihrem Gesichtchen gern irgendwo ein. Achtet darauf, dass sie weiterhin Luft bekommen! Außerdem besteht die Gefahr einer Überhitzung, wenn ihr euer Baby warm anzieht, in das warme Tuch wickelt und dann gegebenenfalls im Winter noch eine Jacke über euch beide zieht. Im Sommer bei sehr warmen Temperaturen braucht es zum Beispiel eigentlich nur ein Body. Babylegs und Sonnenhut dienen zudem als Sonnenschutz.

Welche Möglichkeiten gibt es zu Tragen?

Tragehilfe

Super einfach in der Handhabung sind sogenannte Tragehilfen. Es gibt verschiedene Modelle. Zum Beispiel Modelle ganz ohne Schnallen (MeiTai), Modelle, bei denen der Hüftgurt mit Schnalle versehen ist (Halfbuckle) oder Modelle, bei denen Schultergurte und Hüftgurt mit Schnallen ausgestattet sind (Fullbuckle). Gerade für die etwas Ungeübteren ist das Anlegen des Babys mit einer Tragehilfe leichter als das Binden mit dem Tuch. Einige wenige Modelle eignen sich auch schon für kleinere Babys. Man muss nur den Steg bis auf minimalste Breite verkleinern und den Rückenteil kürzen können. Beispielsweise könnt ihr die Fräulein Hübsch oder die MySol von Girasol schon ab der Geburt benutzen. Für ältere Babys, beziehungsweise Toddler gibt es auch verschiedene Tragen. Der Onbuhimo beispielsweise funktioniert ganz ohne Hüftgurt und kann als Rucksacktrage schneller zum Auf- und Absetzen genutzt werden, perfekt also für Kleinkinder.

Tragetuch

Tragetücher kann man durch verschiedene Wickeltechniken genau den Bedürfnissen des Babys anpassen. Es gibt verschiedene Materialarten und Längen für verschiedenste Wickelmöglichkeiten und Größen, die dem Träger angepasst werden müssen. Für Neugeborene sind elastische oder ganz dünne, feine Baumwolltücher perfekt geeignet. Je größer das Kind wird, desto fester und „brockentauglicher“ dürfen die Tücher werden. Die meist verbreitetsten Tücher sind wohl aus Baumwolle, es gibt aber auch Mischformen zum Beispiel mit Seide, Hanf oder Leinen.

Sling

Ein Sling beziehungsweise Ring Sling, ist eigentlich nur ein kurzes Tragetuch mit zwei Ringen als Schnalle anstatt eines Knotens. Das Kind sitzt hierbei auf der Hüfte und wird mit dem Sling seitlich festgebunden. So ist diese Art des Tragens sehr praktisch für kurzes und schnelles Tragen.

Ist das Tragen gut für die Gesundheit?

Gesundheit Mama/Papa

Klar, das Tragen sollte für beide, Träger und Tragling so angenehm wie möglich sein und keine Schäden verursachen. Wurden beim Träger schon Rückenschäden diagnostiziert, sollte lieber darauf verzichtet, oder zumindest Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Ansonsten stellt das Tragen mit der richtigen Technik keinerlei Gefahr dar. Ganz im Gegenteil: Es stärkt sogar die Muskulatur und ist durch die gleichmäßige Belastung besser geeignet als das Rumtragen auf dem Arm. Löst das Tragen trotzdem Rückenschmerzen aus, ist der Sitz des Babys wahrscheinlich zu locker oder die Trage ist ungeeignet.

Gesundheit Baby

Auch für das Baby besteht bei richtiger Anwendung natürlich keine Gefahr. Die Einhaltung der M-Position ist sogar durchaus gesundheitsfördernd. So wird die Nachreifung der Hüftgelenke durch das Tragen unterstützt und Spreizhosen gehören der Vergangenheit an. Tragesysteme, die das Kind nach vorne richten, überstrecken den Rücken. Außerdem ist bei vielen günstigeren Modellen der Steg nicht breit genug, sodass die M-Position gar nicht unterstützt werden kann. Das Herumlaufen mit dem Baby ist super, aber ihr solltet auf Joggen oder andere Sportarten verzichten, schon allein wegen der Verletzungsgefahr und der stauchenden Bewegungen.

Vor- und Nachteile

Bei richtiger Anwendung bringt das Tragen fast ausschließlich Vorteile mit sich.

Vorteile

Euer Kind fühlt sich geborgen, es fühlt den Herzschlag und ihr stärkt die Bindung. Das Baby erhält im Gegensatz zum Kinderwagen eine völlig andere Perspektive und kann seine Umwelt ganz anders wahrnehmen. Die Bewegungen geben Impulse, die grade angespannte Babys lockern. So ist die Wärme und die Bewegung des Tragenden auch gut für die Peristaltik und beugt Blähungen vor. Tragekinder sind laut Studien sogar ausgeglichener und schreien weniger. Auch das Schlafen funktioniert im Tragetuch meist viel besser als anderswo.
Als tragender Elternteil hat man zudem kaum Bewegungseinschränkungen. Im Haushalt hat man beide Hände frei und auch die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt, Treppen und holprige Wege stellen kein Problem mehr dar. Euer Baby kann also überall mit dabei sein. Wandern, Tanzen, Walken klappt wunderbar auch mit Baby und ist gleichzeitig noch ein perfektes Training für die Rückenmuskulatur. Mit ein bisschen Übung klappt außerdem auch das Stillen im Tragetuch problemlos – und der Sichtschutz ist sogar gleich inbegriffen.

Nachteile

Trageberatung und ein vernünftiges Tuch/ bzw. eine Tragehilfe sind nicht ganz günstig. Im Vergleich zu einem teuren Kinderwagen, der schnell mal um die 1000€ kosten kann, ist das Tragen aber dennoch ein absolutes Schnäppchen. Es muss dabei ja auch nicht immer das Teuerste sein. Auch günstige Kinderwagen, Tragetücher und Tragehilfen können eine gute Qualität haben. Sollten eure Wunschmodelle dennoch etwas teurer sein, schaut doch einfach mal, ob es diese auch gebraucht zu kaufen gibt.
Ein logistischer Nachteil: Wenn man ohne Kinderwagen unterwegs ist, fehlt gewissermaßen der „Lastenesel“. Jacken, Wickelzubehör, Proviant, Getränke und alles was man beziehungsweise Mama so braucht, müssen zusätzlich getragen werden.
Außerdem sind Tragetücher und Winter/Regenwetter keine ganz so gute Kombination. Man muss sich zum Anbringen immer eine trockene Stelle suchen. Für dieses Szenario kann man sich aber auch eine Tragehilfe besorgen, die ohne Bodenkontakt angelegt werden kann. Weitere Nachteile hängen nur mit falscher Anwendung zusammen. Ansonsten gibt es keine Probleme.

Wie lange kann ich mein Kind tragen?

Ihr könnt euer Kind solange tragen, wie es euch und dem Kind damit gut geht. Spätestens wenn es laufen kann, möchte es natürlich lieber laufen und selber mobil sein. Weite Strecken schafft es aber noch nicht, so kommt das Tragetuch wieder zum Einsatz. Auch bei Krankheit oder Unwohlsein ist der schönste Platz für jedes Kind eng bei Mama.

Worauf solltet ihr beim Kauf achten?

Die meisten Tipps werdet ihr eurer Situation und eurem Baby angepasst von der Trageberaterin bekommen. Hier aber schon mal ein paar Informationen vorweg: Achtet darauf, dass die Tragehilfen aus Tragetuchstoff hergestellt sind. Das steht, sofern es der Fall ist, immer dabei. Auch die richtige Größe ist wichtig. Doof wenn ihr etwas kauft, was danach nicht passt. Gebraucht zu kaufen ist in der Regel kein Problem, nur sollte das Objekt fehlerfrei sein und keine Fadenzieher oder Ähnliches aufweisen.

Was brauche ich an Zubehör?

So ganz ohne den ein oder anderen Zusatzartikel kommt man beim Tragen doch nicht aus. Ähnlich wie der zusätzlichen Decke und dem Sonnenschirm beim Kinderwagen, braucht man auch beim Tragen eventuell eine Tragejacke, ein Tragecover und Babylegs. Möchte man bei jedem Wetter mit seinem Kleinen raus, lohnt sich ein Allwettertragecover zum Beispiel von Hoppediz. Für den kalten Winter macht auch eine Tragejacke Sinn, denn darunter sind sowohl Mama als auch Baby schön eingekuschelt.  Es gibt auch sogenannte Einsätze für handelsübliche Jacken, damit man nicht extra eine neue Jacke kaufen muss. Das funktioniert allerdings nur, wenn das Kind vorn getragen wird. Für die Rückentrageweise braucht man dann eine Jacke mit Einsatz hinten.
Für die Sommerzeit ist ein Sonnenschutz unabdingbar. Babylegs, Sonnenhut und gegebenenfalls Sonnencreme schützen die zarte Babyhaut vorm Rotwerden. Des Weiteren solltet ihr bei der Kleidung eurer Kleinen auf Strampler mit Füßchen verzichten. Durch die angeknickte Haltung der Beine, kann es damit zu Stauchungen kommen, was nicht sehr bequem für euer Kleines ist. Ein toller Ratgeber zum weiteren Einlesen in das Thema ist das Buch „Ein Baby will getragen sein.

Pflege

Nicht selten kommt es vor, dass Babys auch mal Spucken oder ein wenig des täglichen Geschäfts daneben geht. Tragetücher fallen runter oder werden anderweitig beschmutzt. Auch beim Neukauf sollte ein Waschgang vor der ersten Benutzung Pflicht sein. Waschen ist generell kein Problem, ihr müsst nur einige Punkte beachten: Schließt bei eurer Tragehilfe alle Schnallen und packt sie in einen Kissenbezug. Tragetücher und Tragehilfen sollten generell immer schonend, wenn möglich im Handwaschprogramm gewaschen werden. Also nicht sehr heiß, nicht viele Umdrehungen und immer mit Flüssigwaschmittel, bestenfalls Ecover. Ein Trockner dürfte einem reinen Baumwolltuch bei niedrigen Temperaturen theoretisch nichts antun, aber ein kleines Rest-Risiko bleibt immer. Trocknen auf der Leine und danach Dampfbügeln ist gleichzeitig eine schöne Methode um es etwas weich zu kriegen.

Tragetuch Madalo

Wenn jeder seinen Senf dazugeben muss

Nun kommt es nicht selten vor, dass ihr in der Öffentlichkeit mit intensiven Blicken gemustert werdet oder euch Leute auf das Tragen direkt ansprechen. Gerade in kleineren Städten und auf Dörfern, sind Trageeltern doch etwas selten. Viele ältere Leute möchten sich gern immer einmischen, so kommt es ab und zu mal vor, dass man sich widersinnigen Anmerkungen stellen muss (nicht nur zum Thema Tragen). Manche wissen es einfach nicht besser – eine nette Erklärung, dass Tragen dem Baby gut tut und es definitiv noch Luft bekommt, ist daher gar nicht so schlecht. Selbst in der Familie, müssen besserwisserische Omas und die ach so erfahrene Schwester, teilweise erst überzeugt werden. Doch die Tatsache, dass euer kleiner Schatz glücklich und friedlich in der Trage aussieht, sollte als Argument eigentlich schon reichen.

Fazit

Viele Vorteile sprechen für das Tragen und nur wenige dagegen. Die Einwände dagegen kann man mit ein paar Kompromissen auch über Bord werfen. Tragen bindet, Tragen beruhigt, Tragen fördert und trainiert. Tragetücher sind immer eine Investition wert, denn sie dienen im Alltag ebenso als Decke, Wickelunterlage, Hängematte oder ähnliches. Für Ausflüge lohnt es sich immer eine Tragehilfe im Gepäck zu haben. Überzeugt euch selbst!


Juliane

Ich bin Juliane und Mami unserer kleinen Greta. Seit der Schwangerschaft hat sich mein Leben um 180° gedreht - gern begleite ich euch auf dem Weg zum Eltern sein und gebe euch wertvolle Tipps und Ratschläge! Außerdem möchte ich euch beim Sparen helfen, denn Babyspielzeug, Windeln, Klamotten und Co sind teuer genug!

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