„Elternschule“ – gewaltfreie Kindheit sieht anders aus!

Update Die Staatsanwaltschaft Essen hat ihre Ermittlungen aus bisher noch nicht veröffentlichten Gründen eingestellt
Update Aufgrund der Strafanzeige wegen des Verdachts auf Misshandlung eines Kinderarztes ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Essen. Nach Vorwürfen und herber Kritik etlicher Experten ist nun auch das NRW-Gesundheitsministerium aktiv geworden. Unter anderem spricht sich der Deutsche Kinderschutzbund gegen den Film die Elternschule aus. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychologie, Psychosomatik und Jugendpsychiatrie kritisiert die gezeigten Therapiemethoden sehr. Weitere Kritiker sind der bekannte Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster, Kinder- und Jugendpsychiater Karl Heinz Brisch, die Autorinnen des berühmten Buchs „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“, La Leche Liga Deutschland e.V. Region Sachsen, die ehemalige Supernanny Katia Saalfrank, Buchautorin Nora Imlau, familylab, und viele viele mehr.

 

„Ein kleines Kind kommt auf die Welt und weiß nichts über die Welt – die Welt ist chaotisch!“ Wahre Anfangsworte gleich zu Beginn des Films „Elternschule“ – ein Dokumentarfilm der seit dem 12.10.2018 vor allem in kleineren Kinos läuft. Mittelpunkt der Doku ist die Kinderklinik in Gelsenkirchen, genauer gesagt die Abteilung Pädiatrische Psychosomatik, Allergologie und Pneumologie. Kindern mit Allergien, Neurodermitis, Asthma, Essstörungen, Schlafstörungen, chronischen Infektionen und Schreikinder werden hier mit der Multi-modalen 3-Phasen-Therapie behandelt. Ich habe mir den Film mit anschließender Podiumsdiskussion angeschaut und möchte euch eine kurze Zusammenfassung, sowie eine eigene Einschätzung dazu geben.

Hier könnt ihr euch den Trailer anschauen:

Youtube Video Preview

Filminhalt (aus eigener Mitschrift)

In vielen verschiedenen Szenen durchlaufen Familien und ihre Kinder mit verschiedensten Diagnosen und Krankheitsbildern die Stationen des Programms.

Um wen geht es?

Da ist zum Beispiel Anna, ihre Mama ist am Ende und sagt wenn es in der Klinik jetzt nicht klappt, muss sie das Kind in ein Heim geben.

Der 2-Jährige Mohammed hat Neurodermitis. Zur Geburt war er vollkommen gesund und sein Hautbild verschlechtert sich bei Frustration. Im Eingangsgespräch spricht der Protagonist der Doku Diplom-Psychologe Herr Langer das Schlafverhalten an. Mohammeds Mama sagt er schläft im Bett der Eltern, geht spät abends ins Bett und braucht ungefähr eine Stunde um begleitet einschlafen zu können.

Ein kleines Mädchen schreit 14 Stunden am Tag und wird nachts stündlich wach.

Felix hat schon viel durchgemacht. Er hatte viele Operationen und verweigert das Essen. Er muss erbrechen, sobald er feste Nahrung in den Mund bekommt, deshalb wurde ihm bisher nur die Milchflasche gegeben.

Zara ist mit ihrer Familie vor zwei Jahren aus Mazedonien nach Deutschland gekommen. Das Mädchen führt seitdem nur eine einseitige Ernährung und isst wenn überhaupt Nutella, Pommes und Chicken Nuggets.

Kind schaut um die Ecke

Worum geht’s?

Im Laufe des Filmes kristallisiert sich ein Therapieplan heraus, der für alle der gezeigten Kinder Anwendung findet. Inhalt der Multi-modalen 3-Phasen-Therapie sind wie der Name schon sagt 3 Punkte und zwar Schlaftraining, Trennungstraining und Esstraining. Während die Kinder „trainieren“ werden die Eltern geschult. Wie ein Lehrer steht Langer an der Tafel. Dabei erklärt er, wie die Eltern in den unterschiedlichen Fällen bestenfalls konsequent reagieren sollen. Er erklärt dass das Kind von heute noch den Urmenschen in sich trägt. Das macht ihn zum „größten Egoisten“ auf der Welt. Der will nur überleben, den interessiert nicht ob die Eltern überleben. Es fällt auf, dass er oft erwähnt, dass Kinder sehr gute Strategen sind und sich ihrer vorhandenen Trickkiste bedienen. Die Eltern sollen lernen die Führung zu übernehmen, wieder Chef im Haus zu werden.

Eine Therapiein der Klinik dauert drei Wochen, teilweise auch länger. Zu Beginn findet ein Aufnahmegespräch statt, in dem Langer auf die Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit eingeht. Am 3. Tag gibt es eine Statusuntersuchung und die Klinikmitarbeiter schauen sich an, wie die Eltern das Essen und Schlafen gehen mit ihren Sprösslingen angehen. Danach übernehmen Erzieher und Krankenschwestern hauptsächlich den Tagesablauf der Kinder.

Wiedergabe einzelner Szenen (wie gesehen, ohne persönliche Meinung)

Eingangsgespräche und Statusuntersuchungen

Beim Eingangsgespräch zwischen Langer und der Mama von Anna und ihrer Schwester sind die beiden Mädchen mit dabei. Die Mama erklärt klipp und klar, wenn das in der Klinik nicht klappt, muss sie Anna in ein Heim geben. Im Gesprächszimmer gibt es keine Beschäftigung für die Kinder, Anna versucht mit ihrer Mama in Kontakt zu treten, aber diese redet mit Herrn Langer. Sie schlägt nach ihrer Mama, um Aufmerksamkeit zu bekommen und diese hält sie nur fest und führt ihr Gespräch fort.

Langer erklärt, dass die Statusuntersuchung im Untersuchungszimmer, das für die Kinder neu ist, stattfindet, damit der Stress der Kleinen erst ein mal nach oben geht. Er erklärt den Eltern, dass das Kind eine Krise bekommen wird und die Eltern in dem Moment ruhig bleiben sollen und weiter zurückrollen sollen, je mehr Stress das Kind macht. Am Ende der Untersuchung an einem Kind sagt er zu den Eltern „Das ist total typisch für eine Regulationsstörung – ich bin freundlich, Sie sind freundlich, nur das Kind macht Stress.“

Es wird über den ungefähr Zweijährigen Mohammed gesprochen. Zur Geburt war er gesund, seine Haut wird schlechter bei Frustration oder bei Stress mit der Mutter oder wenn Besuch kommt. Er schläft im Bett der Mutter und geht ca. 22 Uhr schlafen. Zum Einschlafen dauert es eine begleitete Stunde. Offensichtlich sagt die Mama nie „Nein“ aus Angst er wirft sich auf den Boden und kratzt alles auf. Langer meint, er muss Grenzen aber akzeptieren, die Autorität schützt und das muss mit der Mutter geübt werden. So kleine Kinder müssen das praktisch erleben, das kann nicht erklärt werden. Ein Kind in dem Alter muss Führung also erleben.

Schlaftraining

Eine Mama holt sich die Nacht-Auswertung ihres Schreibabys am nächsten Morgen. Die Schwester druckst ein bisschen rum, anscheinend hat das Mädchen nur ein bisschen gequengelt. Um 23 Uhr hat es die Flasche im Schlaf bekommen. Die Mama ist verblüfft. Sie waren bei 14 Schreistunden und nachts war das Baby stündlich wach. Laut Langer können die kleinen Würmchen strategisch schreien.

„Schlafen ist ein Reifeprozess“. Die Eltern werden aus dem Schlaftraining rausgenommen, denn wenn man Kontrolle los lassen kann, kann es auch das Kind. Wenn man die Kontrolle abgibt, hat das Kind sogar die Fähigkeit durchzuschlafen. Das Schlafzimmer ist stockduster. „Es muss dunkel sein, dann sieht man nichts, die Kinder sollen schlafen“. Die Kinder werden von ihren Eltern in einem Gitterbett ins Zimmer gezogen und werden teilweise weinend zurückgelassen.

Mädchen mit einer Puppe im Bett

Esstraining

Beim Esstraining sind die Eltern erst mal raus. Erst wenn sie gut essen, kommt das Elternteil wieder dazu. Es dürfen keine Mahlzeiten zwischendurch gegeben werden, nur Wasser. Man sieht eine Krankenschwester einen Jungen füttern. Dieser weint und jammert immer wieder „Mama“. Ganz offensichtlich möchte er nicht essen. Auch auf dem Flur weint er weiter. Die Krankenschwester hält ihn an den Armen hoch, er biegt sich durch, schaut sich irritiert um, ruft immer wieder „Mama“.

Ein Kind ist beim Essen und weint. Eine sehr korpulente Krankenschwester hält den Jungen fest. Er biegt den Rücken durch, sie legt ihn auf den Boden und fixiert ihn zwischen ihren Beinen. Man sieht nur noch eine kurze Einblendung wie der Junge regungslos auf ihrem Schoß sitzt. Danach meint sie im Schwesternzimmer sie hätte ihm im Kampf drei Löffel füttern können, danach brauchte sie 45 Minuten um ihn zu beruhigen.

Eine Schwester sagt, dass sie den kleinen Jungen zu Zweit sondiert haben. Alleine war nichts machbar, er hätte so gekotzt. Nach der Sondierung wird er eingeblendet. Er sieht fix und fertig aus, weint und er wird von der Schwester in die Mäuseburg gebracht. Dort läuft er mit leerem Blick im Kreis.

Ablenkung beim Füttern

Trennungstraining

Die Mäuseburg ist ein für Kinder eingerichtetes Zimmer. Sie dürfen hier frei spielen. Auf dem Schild an der Tür ist ein Schild auf dem ein Haus zu sehen ist. Gespenster gehen hinein und Engel kommen heraus. Die Eltern werden dazu aufgefordert ihre Kinder nur dort abzugeben. Langer meint, beim Tschüß sagen geben die Kinder erst richtig Gas, dann kommt der entscheidende Moment was man sagt. „Ich gehe Frühstücken, das mein ich so, bis nachher, ich hab dich lieb““, mit diesen Worten sollen sie sich umdrehen und gehen. Im Zimmer sind Kinder jeden Alters, sogar zwei Babys zu sehen. Eine Krankenschwester/Erzieherin sitzt desinteressiert auf dem Boden und spielt mit Bausteinen.

Das Grundmuster der Trennungsfähigkeit ist laut Langer die Nähe-Distanz-Regulation. „Trennungen die bedroht sind, kommen plötzlich und unvorbereitet. Die erste und dramatischste Trennung ist die Geburt. Niemand würde sagen, dass das Kind mit der Geburt überfordert ist, weil wir davon ausgehen, dass das angeboren reguliert wird. Die Kinder sollen lernen ihr eigenes Überleben zu sichern, deshalb ist der Trennungsschritt überlebenswichtig. Die Mäuseburg ist dazu da um Trennung aktiv zu üben. Die Trennung kann bis zu vier Stunden am Stück geübt werden, egal wie alt das Kind ist. Auch Neugeborene müssen die Trennung üben. Die Trennung darf nicht unter einer halben Stunde wieder unterbrochen werden. Bis dahin ist nämlich der Stresshochpunkt, wenn da ein Cut gemacht wird, lernt das Kind dass es immer so ist.“

Kind malt allein am Tisch

unaufgeklärte Szene

In einer Szene sitzen fünf Kinder mit zwei Erzieherinnen (jeweils zwischen den Kindern) auf Matten in einem geschlossenen Raum. Es ist ruhig. Ein Junge trommelt mit den Fingern auf dem Fensterbrett. Das wird sofort mit einer Geste der Schwester unterbunden. Beide Schwestern zeigen keinerlei Emotion. Ein Mädchen fährt mit dem Finger die Ritze zwischen zwei Matten nach und auch das wird unterbunden. Eine Schwester sagt „so, ihr könnt jetzt aufstehen und euch anziehen“ (scheinbar wollen sie danach raus gehen) Ein Kind fragt sich „warum saßen wir jetzt eigentlich die ganze Zeit nur rum?“ Auch für den Zuschauer gibt es keine Antwort auf die Frage.

Trotzanfall

Langer geht mit Anna spazieren. Er will sie fit machen und sie laufen Hand in Hand. Er quatscht. Sie weint und möchte nicht laufen. Sie klagt über Seitenstiche, er läuft weiter mit ihr. Dem Mädchen fällt auf dass ihre Mütze weg ist. Langer verlangt dass sie wieder zurücklaufen um diese zu suchen. Das Mädchen möchte nicht mehr und setzt sich hin. Langer geht außer Sichtweite, das Mädchen steht auf, sucht ihn und er kommt von hinten, nimmt wieder ihre Hand und sie sagt nur „aber nicht wieder rennen“.

Im Zwischenteil dieser Szene erklärt Langer den Trotzanfall. Dieser kommt immer dann, wenn wir ihn nicht gebrauchen können. Das Kind unterscheidet zwischen Situation und Person und verhält sich strategisch. Trotzanfälle können zum ersten Mal mit ca. zwei Jahren auftauchen. Davor befinden sich Kinder im egozentrischen Stadium, wenn es dem Kind gut geht ist alles andere unwichtig. Das Weinen bei Hunger, Müdigkeit etc. ist ein Reflex und das ältere Kind nutzt seine Verhaltensweisen aus dem Reflexrepertoire. Er weiß, dass Weinen Hunger oder Stress zum Grund haben kann, kann aber auch vom Kind strategisch genutzt werden.

Kind schimpft, ist traurig

Abschlussgespräch

Bei einem Abschlussgespräch zwischen Langer und einem Mädchen fragt er dieses, was sie denn zu Hause zu machen hat. Sie antwortet „Hören“. Er meint, wenn sie Fragen haben oder etwas nicht so klappt, dann können sie wiederkommen.

„demonstrative Hilflosigkeit“

Das Mädchen aus Mazedonien steht einfach nur da. Auch wenn sie angesprochen wird, bewegt sie sich nicht. Beim Essen sitzt sie ruhig vor ihrem Teller, die Betreuerin liest. Langer meint sie ist still aber schlau und es ist die Strategie des Kindes. Sie wendet die demonstrative Hilflosigkeit an. Je mehr man sich um sie kümmert, desto mehr zieht sie sich zurück.  und das ist für die Eltern schwer erträglich. Langer meint zur Mama, dass sie erst essen wird, wenn es ihr als Mama egal ist. „Sie ist nun keine Prinzessin mehr, sie muss jetzt was tun.“ Die Schwestern machen im Gespräch unter sich darauf aufmerksam,dass jeder der Mutter und Tochter Händchen-haltend über den Flur schleichen sieht, sie auffordern soll, dieses zu unterlassen.

Wie sehe ich den Film?

Eines vorweg, ich bin „nur“ Mutter, kein Arzt, kein Psychologe, kein Therapeut oder ähnliches. Für mich sehen die im Film gezeigten Methoden allesamt aus wie gewaltvolles Erziehungstraining.

Esstraining

Essen gibt es nur 20 Minuten, danach wird abgeräumt und es muss bis zur nächsten Mahlzeit gewartet werden. Während dieser Zeit sollen sich die Kinder also auf das  ihnen vorgesetztes Essen konzentrieren. Ja nicht einmal etwas trinken dürfen sie dabei. Zwischen den Mahlzeiten dürfen die Eltern den Kindern nichts zu Essen geben. Ich selber bin ein guter Esser, aber auch mir schmeckt es manchmal nicht. Wenn ich mir vorstelle, dann weiter nichts essen zu dürfen bis zur nächsten Mahlzeit, zieht sich mein Bauch zusammen. Das verstehe ich einfach nicht und ich denke ein Kind versteht das noch weniger.

Eines ist aber gewiss, es fühlt es. Unheimlich schlimm finde ich die Schwester, die den kleinen Felix füttert und danach im Schwesternzimmer berichtet „5 Löffel im Kampf, danach brauchte ich eine Dreiviertel Stunde um ihn zu beruhigen“. Ich kann einfach nicht glauben, dass das eine gute Methode ist ein traumatisiertes Kind zu behandeln.

Schlaftraining

Die Kinder sollen lernen abends von alleine einzuschlafen und durchzuschlafen. Ihre Eltern schieben sie im Gitterbett in ein dunkles Zimmer und verabschieden sich. Kinder weinen. Sie bekommen die ganze Nacht keinerlei Aufmerksamkeit mehr. Wusstet ihr dass jeder Mensch sehr oft in der Nacht wach wird? Es liegt nur daran wie schnell wir wieder einschlafen, ob wir uns noch daran erinnern können oder nicht. Kinder sind noch sehr feinfühlig. Wenn sie sich einsam fühlen, Hunger, Durst, Schmerzen oder sonst etwas haben weinen sie.

Was sollen sie auch anderes tun, um auf sich aufmerksam zu machen? Die im Film gezeigten Kinder sind nun also allein in einem fremden Bett, in einem fremden, stockdunklen Raum und niemand interessiert sich für sie, ob sie schreien oder nicht. Ich finde diese Vorstellung ganz schrecklich.  Irgendwann wissen sie, dass ihr hilfloses Schreien nichts bringt und sie geben auf. Klar, sie schlafen nun von alleine ein und machen sich auch nachts nicht mehr bemerkbar. Der Preis dafür ist jedoch ein sehr hoher!

Trennungstraining

Auch die Trennung von den Eltern in der Mäuseburg erfolgt nicht Stück für Stück und sanft (wie es z.Bsp. im Kindergarten möglich ist), sondern abrupt und tränenreich. Im Raum gibt es zwar Personal der Klinik, aber im Film sieht man niemanden sich wirklich mit den Kindern beschäftigen. Das Training gilt für jedes Alter und dauert mindestens 30 Minuten bis zu 4 Stunden. Selbst Babys liegen dort. Auch mit ihnen beschäftigt sich in den gezeigten Filmszenen niemand. Gerade die Kleinen brauchen doch Nähe, Zuneigung und jemanden der sich um sie kümmert. Die Mütter sitzen übrigens in der Zeit im Nebenraum und als ein Kind weint, sagt eine Mutter „das ist mein Kind.“ Das Publikum lacht. Mir kommen die Tränen.

Weitere Szenen

Viele Methoden habe ich persönlich nicht verstanden. Warum sitzen die Kinder in dem Raum und dürfen nichts machen? Kinder sind doch immer aktiv. Warum darf eine Mama ihrem Kind keine Liebe schenken? Oder mit ihm Hand in Hand über den Flur gehen? Warum werden die Kinder künstlich in Stresssituationen geführt? Warum warum warum? Diese Doku hat viele Fragen in meinen Kopf gezaubert und ich bin mir nicht sicher ob deren Beantwortung durch den Protagonist Langer, mich wirklich schlauer macht.

Es fällt ebenso auf, dass Langer wenn er über die Kinder spricht, sie nur mit  „DIE“ oder „DER“ betitelt. Es macht den Anschein als seien sie Gegenstände, über die selbst im Beisein negativ gesprochen wird. Sie sind für ihn eben Strategen, kleine Egoisten, Prinzessinnen und Tyrannen – Wesen die unsere Autorität spüren müssen um zu funktionieren.

kleine Familie beim Schlafen

„Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut“

Mir ist klar, dass die Eltern, die mit ihren Kindern in die Klinik gehen, am Ende sind. Das ist sicher der letzte Ausweg für sie. Sie sind so verzweifelt, dass sie diese helfende Hand nun dankend annehmen. Schade dass es erst soweit kommen musste. Ich denke, dass eine alternative Behandlung sicher für beide Seiten angenehmer gewesen wäre. Alternativen gibt es definitiv genügend. Ich denke aber auch, dass es besser so ist, als dass Eltern ihre Kindern schlagen, ihrer Babys schütteln, weil sie einfach nicht mehr können oder das Jugendamt gar die Kinder von den Eltern trennen muss. Dass im Miteinander nicht nur die Bedürfnisse der Kinder betrachtet werden, sondern auch die der Eltern ist wichtig. Und manche Eltern haben eben Nerven wie aus Stahl, andere nicht. Vielleicht hilft es, wenn wir uns bewusst machen, dass die Kinder das eben nicht absichtlich machen. Ich denke nicht, dass Kinder Strategen sind, die Kleinten können ja noch nicht einmal Empathie nachempfinden. Ich vermute auch, dass man ähnlich reagiert, wie man als Kind selber behandelt wurde. Lest euch dazu mal das Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl durch, denn hier wird genau dieses Thema beschrieben. Das Buch „Das gewünschteste Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn“ hat bei mir den Durchbruch geschafft. Seitdem ich die Entwicklung des menschlichen Gehirns kenne und das Verhalten meines Kindes genau erklären kann, verstehe ich es in jeder Situation. Das ist der erste Schritt zur Selbstreflexion und wie ich finde auch ein sehr wichtiger um seine Kinder verstehen und reflektieren zu können. Wissen gibt Kraft und Mut. Wer darüber hinaus Hilfe braucht, wendet euch an Beratungsstellen, an eure Hebamme, versucht das Problem vielleicht mal auf nicht herkömmliche Art und Weise zu lösen. Ein Besuch beim Ostheopathen zum Beispiel hat schon vielen Schreibabys geholfen.

Langer meint „Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut“. Ich bin der Meinung dass das ein nicht ganz wahrer Ansatz ist. Ein Schreibaby hat zum Beispiel ein Problem. Koliken, Bedürfnis nach Nähe, Hunger oder sonst etwas. Dem Kind hilft es nicht, wenn es den Eltern gut geht und sie so locker drauf sind, dass es ihnen egal ist, dass das Baby schreit. So resigniert es nur, aber besser gehen tut es ihm so nicht.

Gewaltverherrlichung ohne Aufklärung

Seit dem Jahr 2000 wurde Kindern ein besonderes Recht im BGB – Bürgerliches Gesetzbuch eingeräumt – §1631 Abs. 2 BGB besagt: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Gewalt hat viele Gesichter und in obigem Gesetzesauszug wird klar – auch seelische Verletzungen und entwürdigende Maßnahmen zählen dazu. Deshalb bin ich der Meinung, dass einige Szenen gewaltvoll sind.

Dieser Dokumentarfilm wird normalerweise gänzlich ohne Kommentare in Kinos und später sicher auch im TV ausgestrahlt. Er vermittelt den Menschen gefährliches Halbwissen. Auch wenn Langer absolut davon abrät, diese Methoden auch beim eigenen Kind daheim anzuwenden, gehe ich davon aus, dass manche Eltern mit ähnlichen Problemen schnell zu Nachahmern werden können. Klar, offensichtlich haben seine Methoden ja geklappt, denn am Ende wird den Eltern ein gehorsames, braves Kind überreicht. Wer wünscht sich das nicht? Aber so funktioniert das nicht! Kinder sind kleine Individuen. Jedes ist auf seine Weise besonders und einzigartig.

Ich befürchte sogar, dass der ein oder andere Erzieher, Pädagoge etc. mit diesem Film einen Freifahrtsschein zum Nachmachen sehen könnte.

So hat zum Beispiel die Süddeutsche geschrieben „Für jeden der selber Kinder hat, ist der Film ein Muss“ bzw. „Ein Einblick in eine verunsicherte Gesellschaft, die sich mit Autorität schwertut und ihren Instinkten kaum noch traut“, oder der WDR „Das Geheimnis guter Erziehung“ und der BR „Wie gehen wir richtig mit unseren Kindern um – und mit uns selbst?“.

Um Eltern und Menschen mit Verantwortung aufzuklären und ein Zeichen zu setzen, benutzen wir den Hashtag #gewaltfreiekindheit

gewaltfreie Kindheit

Gehorsame Folgsamkeit als Gefahr

Ich denke mal noch einen Schritt weiter.

Allein die Szene zur Statusuntersuchung ist in meinen Augen ziemlich kritisch zu sehen. Ein für das Kind fremder Mann (Arzt) untersucht es und je mehr es schreit, desto mehr soll sich die Mama entfernen. Es weiß ja noch nicht dass die Untersuchung nicht schlimm ist, es hat panische Angst und die Mama geht immer weiter weg. Dem Kind soll während der gesamten Therapie gezeigt werden dass es gehorchen soll, dass es folgen soll.

Wollen wir unseren Kindern nicht eigentlich genau das Gegenteil lehren? Geh nicht mit Fremden mit! Sag Nein, wenn dir etwas nicht gefällt! Vertrau dich deinen Eltern an, die sind immer für dich da!

Ihr merkt hoffentlich worauf ich hinaus will? Zu Zeiten wo die Welt immer kranker wird, sollten wir unsere Kinder stützen, für sie da sein, sie in und auswendig kennen. Es gibt so viele Gewaltverbrechen an Kindern und in meinen Augen ist es wichtig, dass Eltern und Kinder hier zusammenarbeiten. Ich erwarte von meinem Kind nicht, dass es Fremde mag und schon gar nicht dass es sich von ihnen oder sonst irgendwem anfassen lässt, wenn es das nicht möchte. Schreit es bei einer ärztlichen Untersuchung bin ich so nah wie möglich bei ihm, beruhige es mit Worten, streichele es und versuche die Angst raus zu nehmen. breche im Notfall ab. Würde ich von ihm wegrücken suggeriert das doch dem Kind, dass ich toleriere, dass ein Fremder es gegen seinen Willen anfassen darf, oder?

Seht diese Situation mal mit Kinderaugen!

Und da bin ich wieder bei Langers Eingangsworten „…es weiß nichts über die Welt – die Welt ist chaotisch!“ Genau deshalb braucht es Eltern und Personen in seinem Umfeld, die verständnisvoll an seiner Seite stehen! Die es tolerieren wie es ist und es reflektieren! Die es bei Krankheit unterstützen und Methoden finden ihm eine angenehme Heilung zu verschaffen! Die ihm Vertrauen schenken und sein Vertrauen aufbauen. Die es zu einem guten Menschen werden lassen, damit diese Welt ein Stück besser wird!


Juliane

Ich bin Juliane und Mami unserer kleinen Greta. Seit der Schwangerschaft hat sich mein Leben um 180° gedreht - gern begleite ich euch auf dem Weg zum Eltern sein und gebe euch wertvolle Tipps und Ratschläge! Außerdem möchte ich euch beim Sparen helfen, denn Babyspielzeug, Windeln, Klamotten und Co sind teuer genug!

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