Schlafendes Baby

Wie mein Kind das Schlafen lernte

Na, könnt ihr die Augen noch offen halten, oder fehlt euch einfach der Schlaf? Besonders wenn das eigene Kind nicht richtig schläft bzw. durchschläft, blättern wir Ratgeber um Ratgeber für die richtige Lösung durch. Wer hier nach dem einen sicheren Weg sucht, damit sein Kind sicher und ruhig schläft, ist hier aber vollkommen falsch. Denn – diese eine richtige Lösung gibt es gar nicht. Denn jeder Kind ist anders. Hier zeige ich euch lediglich, wie es bei uns geklappt hat. Welche Möglichkeiten es gibt und vor allem – wie ihr die Ruhe bewahrt.

Wie mein Kind zu Bett geht

Meine Maus ist inzwischen ca. 3,5 Jahre alt. Bei uns laufen die Abende ziemlich gleich ab. Meistens wird abends in die Badewanne gehüpft oder je nachdem, wie spät es ist, wird ganz schnell mal geduscht. Danach darf ein wenig TV geschaut werden – ja tatsächlich. Beim schauen mache ich meine Tochter meistens bettfertig: zu ende abtrocknen, Schlafanzug anziehen, Haare kämmen, eincremen etc. Danach gibt es Abendbrot. Und schwupps werden auch schon die Zähne geputzt. Danach wird sich ins Bett gekuschelt. Hier ist allerdings noch nicht Ende, jetzt kommt die altbekannte „Gute Nacht Geschichte“. Meine Tochter darf sich das Buch selbst aussuchen. Eigentlich lesen wir nur ein Buch, wenn die Geschichte sehr kurz ist, darf es allerdings auch mal mehr als eines sein. Danach darf sie nochmal aufstehen und sich eine Geschichte anmachen. Hierzu dient uns die Toniebox. Wenn die Gute-Nacht-Story läuft mache ich das Licht aus. Dann kuschel ich noch ein paar Minuten mit ihr im Bett, gebe ihr einen Kuss und setzte mich noch kurz neben das Bett. Ich kündige ihr dann an „in einer Minute gehe ich raus“. Nach 1 Minute gehe ich dann tatsächlich. Oft schmeißt sie mich mit einem „husch husch raus“ tatsächlich raus. Beim hinausgehen sage ich jeden Abend die selben Dinge, die sie erwidert: „Ich hab dich lieb, schlaf gut, träum‘ schön, bis morgen“. Manchmal darf sie sich auch aussuchen, wie ich sie am nächsten Tag wecken soll. Fertig.

Dann schläft meine Maus bis zum nächsten Tag durch. Bis ich sie wecke oder am Wochenende bis ca 9 Uhr.

Ausnahmen sind die Regel: So ist unser Ablauf zu 90 %. Für mich sehr einfach und entspannend. Phasenweise kann das aber auch ganz anders aussehen. Da wird doch noch mal gerufen, weil sie durst hat oder die Windel voll ist – gar kein Problem. Manchmal möchte sie mich aber auch einfach nicht rausgehen lassen. Vor allem wenn sie krank ist möchte sie einfach meine Nähe. Dafür habe ich allerdings vollstes Verständnis und bleibe einfach noch ein wenig länger in ihrem Zimmer sitzen. Auch wenn meine Maus nicht sofort einschlafen kann und das Hörspiel „durchsteht“ ruft sie manchmal „bitte nochmal anmachen“, dann gehe ich rein, mache nochmal ein Hörspiel an und kuschel vielleicht nochmal mit ihr (wiederhole die Routine) und gehe anschließend wieder raus. Gar kein Problem.

kind schläft im Elternbett

Von Mythen und anderen Märchen

Ich persönlich bin kein Freund von einem „das Kind muss“. So bin ich auch kein Freund von dem Buch „jedes Kind kann schlafen lernen“. Wenn ich mich recht entsinne, gab es darin tatsächlich „Tipps“, dass man sein Baby auch mal weinen lassen sollte. Das ist für mich einfach gar nichts. Für mich gibt es keine Situation, die es rechtfertigt, sein Kind weinen zu lassen – und einen Lerneffekt sehe ich dahinter auch nicht.

Von Mythen wie „wenn du dein Kind zu viel trägst, verwöhnst du es zu viel“ bis „es wird niemals ohne dich schlafen“ halte ich ebenfalls nicht viel. Nur, weil ihr ein Familienbett habt, heißt es nicht, dass euer Kind niemals alleine schlafen wird. Jedes Kind ist unterschiedlich und jedem ist auch etwas anderes wichtig. Eigentlich gibt es auch hier kein „richtig oder falsch“. Ihr selbst wisst, was eurem Kind gut tut. Natürlich ist es trotzdem hilfreich, sich die eine oder andere Anregung von anderen Mamis oder Erfahrungen zu holen.

Die Routine macht es

Ich wusste genau, was ich wollte. Da ich direkt nach der Geburt meine Ausbildung fortsetzen musste, waren die Abendstunden die Hauptstunden mit meinem Kind. Ich wollte so viel Zeit wie möglich mit meinem Schatz verbringen. Aber es gab eines, was ich einfach nicht gut konnte – mit meinem Schatz in einem Bett schlafen. Ich schlief einfach unruhiger, weil ich ständig Angst hatte, dass irgendwas passiert. Ich hatte mir vorgenommen: Mein Kind soll so früh wie möglich im eigenen Zimmer und im eigenen Bett schlafen. Auch wenn viele von euch wahrscheinlich anderer Meinung bzw. ein Fan vom Familienbetten sind: Es war etwas was ich brauchte, um mich gut auf die Arbeit konzentrieren zu können.

Ich habe mich selbst an meine Kindheit zurückerinnert und stellte fest, wie viel Routine wir in den Abendstunden hatten. Mir persönlich hat das als Kind immer sehr gut gefallen. Außerdem war es immer eine Möglichkeit sich innerlich darauf einzustellen, gleich ins Bett zu gehen. Viele Kinder brauchen dieses Gefühl, um zu wissen was kommt. Das beginnt auf dem Spielplatz mit „wir machen uns gleich auf den Weg“ und endet bei der Abendroutine. Und ich merke selbst, wie sehr sich mein Kind an die tägliche Routine gewöhnt hat und daher eigentlich nie „Theater“ macht, wenn es ums schlafen gehen geht.

Also habe ich angefangen, mir selbst eine Abendroutine aufzubauen. Dazu gehört natürlich Abendbrot, Zähneputzen, Baden etc. Auch das Umziehen, also einen Schlafanzug anziehen, finde ich wichtig. Ich weiß es gibt Kinder, die einfach in Unterwäsche schlafen, mir persönlich ist einfach ein Schlafanzug wichtig, da er auch das ein wichtiger Bestandteil der Abendroutine ist. Zu wissen, was kommt – hilft meinem Schatz einfach ungemein.

Schlafendes Baby mit Kuschelhase

Geduld und Konsequenz – die Zaubermittel

Natürlich war die Routine nicht mein einziges „Zaubermittel“. Für mich spielte auch Geduld, Durchhaltevermögen und Konsequenz eine große Rolle. Mit der Abendroutine habe ich als sie ca. 4 Monate war angefangen. Natürlich war hier noch das Stillen mit eingebunden und ich habe sie Schrittweise geändert bzw. erweitert.

Meine wichtigsten Punkte bei der Zu-Bett-geh-Routine:

  • eine bestimmte Uhrzeit einhalten (Ausnahmen natürlich vorhanden)
  • Das Kinderzimmer wird nicht mehr verlassen
  • Es wird im Bett geblieben (außer als sie jünger war und ich sie noch auf den Arm genommen habe)
  • Es wird nicht mehr gespielt
  • Das Licht wird ausgemacht (außer es wird noch etwas getrunken)
  • Einmal nein heißt nein. Wenn 1 Bilderbuch vereinbart war, wird später nicht noch eins vorgelesen (bei Krankheit breche ich die Regel aber manchmal ;-))
  • Es gibt nur noch Wasser als Getränk

Warum diese Regeln? Für mich war es wichtig, dass mein kleiner Schatz wusste „jetzt ist Schlafenszeit“. Natürlich wurde liebend gerne auch nochmal und nochmal gekuschelt, geknuscht, die Windel gewechselt oder auch ein Hörspiel angemacht. Es ist vollkommen normal, wenn man mal nicht „sofort“ einschlafen kann. Das haben wir schließlich auch.  Ebenso wie, dass man nachts nochmal aufwacht. Ich wollte nur nicht, dass mein kleiner Engel sich das „ich kann dann nochmal spielen, ich bekomme dann noch ein Buch vorgelesen, ich darf dann nochmal dieses oder jenes“ angewöhnt. Ich bin der Meinung, man kann seinem Kind nämlich auch gut antrainieren, nachts aufzuwachen. Wenn es nachts aufwacht und dann nochmal eine Stunde mit Mama vor dem Fernseher sitzen darf – das ist doch toll, warum also nicht dauernd nachts aufwachen?

Was hießen diese Regeln für mich?

Besonders zu Anfang hieß es für mich, viel im dunkeln im Kinderzimmer sitzen. Ich würde mein Kind nie weinen lassen. Ich würde es ebenfalls nicht alleine lassen, wenn es mich braucht. Für mich heiß es also oft, im dunklen Zimmer sitzen, warten und erklären. „Schatz es ist Schlafenszeit, wir spielen jetzt nicht mehr“. Ja, ich habe auch oft neben dem Babybett auf dem Boden gelegen, und gewartet bissie geschlafen hat – und bin dann wie ein Ninja aus dem Zimmer gekrochen. Ich kannte alle knarschenden Dielen und konnte mich in Zeitlupe fortbewegen. Ich habe meinem Schatz immer das gegeben, was sie gebraucht hat, egal ob sie es auf den Arm nehmen, kuscheln oder ein Liedchen vorsingen war. Aber: Schlafenszeit ist Schlafenszeit – und so habe ich es dann auch über die Jahre beibehalten. Und ich bin jetzt sehr glücklich darüber.

Abänderung der Routine

Wie ihr bereits wisst, habe ich angefangen, meine Tochter mit 4 Monaten im eigenen Zimmer schlafen zu lassen. Ja, auch ich bin oft in dem Zimmer eingeschlafen oder habe ihre Bewegungen gut über meinen kleinen Monitor überwacht. Ich habe sie, wenn sie nachts aufgewacht ist, nie mit ins Elternschlafzimmer genommen, sondern habe einfach in ihrem Zimmer Zeit mit ihr verbracht. Und ja ich bin auch oft im Schaukelstuhl neben ihr eingeschlafen. Mit der Zeit haben sich die Bedürfnisse meines Schatzes am Abend natürlich geändert, ich gebe euch mal einen groben Überblick über meine abendliche Routine in den verschiedenen Altersphasen:

4- 6 Monate

Hier habe ich meine Maus meistens noch tief schlafend ins Bettchen gelegt. Sie wurde gestillt, in meinen Armen hin und her gewiegt und dann schlummernd ins Bettchen gelegt. Zu unserer Abendroutine gehörten vor allem Baden, Zähnchen putzen, Schlafanzug anziehen und in ihr Zimmer gehen. Das wurde dann auch erst am nächsten Morgen wieder von ihr verlassen, egal wie oft in auch ins Zimmer gegangen bin. Hier war eindeutig der Ninja-Modus angesagt.

6 Monate – 1 Jahr

Hier habe ich angefangen, die ersten Gute-Nacht-Geschichten in Form von Büchern hinzuzufügen. Je nach Amilias Laune habe ich sie bereits wach oder im Halbschlaf hingelegt. Habe mit ihr gesprochen, während sie alleine im Bett lag. Das hat als Beruhigung ausgereicht. Später oder zwischendurch hat es auch gereicht, mit ihr durchs Babyphone zu sprechen. Sie ist dann alleine eingeschlafen. Es kam aber auch vor, dass ich sie 10 mal hinlegen, wieder auf dem Arm nehmen, beruhigen, vielleicht nochmal stillen und wieder hinlegen musste. An den Abenden bin ich auch öfters im Schaukelstuhl oder oder neben ihrem Bett eingeschlafen. Das kam besonders häufig in der Zeit vor, als Sie ihre Zähne bekam.

Aber auch hier habe ich es schon durchgezogen: es wurde nicht mehr gespielt, nur ausgiebig gekuschelt. Das Zimmer wurde ebenfalls nicht mehr verlassen, ich habe sie immer wieder hingelegt. Weinen lassen habe ich sie nie. Wenn es sein musste, habe ich ihre Hand gehalten oder ihr  zum Einschlafen etwas vorgesungen. In dieser Phase hat sie ihre Spieluhr sehr geliebt.

Mama küsst Kind auf den Kopf

ab 1 Jahr

Ab ca 1. Jahr waren wir bei der Routine, bei der wir jetzt sind. Ab dem Zeitpunkt habe ich auch ca. abgestillt. Lediglich das Hörspiel hat die Spieluhr ersetzt. Natürlich hat sie zu der Zeit noch nicht unbedingt immer durchgeschlafen – aber ich habe meine Routine beibehalten. Ist sie nachts mal wach geworden, habe ihr ihr erklärt, dass es noch Schlafenzeits ist und habe die Abendroutine so weit wie möglich wiederholt, auch wenn ich kein Buch mehr gelesen habe. Die Routine haben wir bis jetzt eingeübt und ich merke, wie sehr mein Kind sie braucht. Auch wenn es auf Grund eines Events oder anderem mal später wird – die Routine muss für sie beibehalten werden. Sie braucht das einfach.

Kinderzimmer bei Nacht

Jedes Kind ist anders

Denkt bitte daran, euer Kind merkt, wenn ihr euch wohlfühlt. Ihr müsst mit eurer Routine und Art und Weise, wie ihr zusammen zu Bett geht übereinstimmen. Jedes Baby ist anders und reagiert ebenso anders auf gewisse Routinen. Für meine Tochter und mich hat es super geklappt und ich bin mehr als glücklich. Ich bekomme in der Nacht guten Schlaf und bin daher fit für den nächsten Tag.


Carina

Ich bin Carina und habe eine kleine Tochter namens Amilia. Amilia hat mein Leben, seit ihrer Geburt im März 2015, zum Positiven verändert. Ich bin eine Berufsmami und rocke somit Arbeit, Haushalt und Erziehung. Ich begleite euch gerne durch die aufregende Schwangerschaft und dem Leben mit Kind. Gerne gebe ich euch Shoppingtipps und verrate alle kleinen Haushalt-Tipps und Tricks.

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